Valverde-Nachfolger Quique Setién: So tickt der neue Barça-Trainer

14.1.2020 - 11:44, SB10

Quique Setién soll dem FC Barcelona wieder mehr Spielfreude einhauchen. 
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Mit Quique Setién folgt bei den Katalanen ein Trainer, der wie Vorgänger Valverde ausserhalb von Spanien weitestgehend unbekannt ist, aber ins Konzept passt.

Der 60-Jährige, der Ende der letzten Saison seinen Vertrag bei Betis Sevilla vorzeitig aufgelöst hat, gilt als Fan und Verfechter des von Johan Cruyff und Pep Guardiola geprägten Spielstils. Wie erfolgreich er dieses Spielsystem interpretiert, bewies Setién bei seiner letzten Station. Nachdem er Betis Sevilla im Sommer 2017 übernommen hatte, führte er das Team direkt in die Europa League.

Mit Betis fügte er ausgerechnet seinem Vorgänger Ernesto Valverde dessen einzige Heimniederlage – insgesamt 69 Partien – in seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit zu. Die Bilanz des geschassten Valverde kann sich aber durchaus sehen lassen.

Obwohl die Katalanen sich vor wenigen Tagen dank der besseren Tordifferenz den inoffiziellen Herbstmeister-Titel in der Liga (Teleclub überträgt per sofort ausgewählte Spiele) vor Erzrivale Real Madrid gesichert hatten, war die Kritik an Valverde immer lauter geworden. Das Team um Weltfussballer Messi trat in jüngster Zeit nur noch selten souverän auf.



Nach dem 2:3 gegen Atlético Madrid im Supercup-Halbfinale im saudi-arabischen Dschidda hatte Messi eingeräumt: «Wir haben kindische Fehler gemacht.» Seinen Trainer sprach er aber von jeder Schuld frei.



Trotzdem entzog Präsident Josep Maria Bartomeu Valverde das Vertrauen und sorgte so für eine Zäsur. Seit 17 Jahren entliess der Klub keinen Trainer vorzeitig – 2003 musste Louis Van Gaal unfreiwillig seine Sachen packen.

Der Schachspieler will an der Barça-Philosophie festhalten

Doch Setién scheut das Risiko nicht. Seine Liebe zum Schach soll ihm dabei helfen. «Schach lehrte mich Geduld, Analysefähigkeit, emotionale Kontrolle und Perspektive. Es geht nicht darum, wo die Figuren jetzt sind, sondern wo sie nach einer Reihe von Zügen sein werden», sagte er kürzlich der spanischen Zeitung «El Periodico».

Setién trat auch schon gegen die Schachlegenden Garry Kasparov und Anatoly Karpov an. Doch sein grosses Vorbild ist Johan Cruyff, wie er in einem Selbstporträt erklärt.

Ähnlich wie Juve-Trainer Maurizio Sarri tingelte er lange durch die unteren Ligen in Spanien, ehe er ganz oben an der Seitenlinie mitwirken durfte. Seine Teams trugen aber immer seine Handschrift, obwohl er sich taktisch flexibel zeigt und kein bestimmtes System bevorzugt: «Mein Spielmodell basiert hauptsächlich auf der Beziehung zum Ball, das ist meine Maxime. Wenn du den Ball hast, kann niemand gegen dich skoren, und die Spieler geniessen den Fussball viel mehr mit dem Ball am Fuss, als ihm hinterherzulaufen», so Setién.

Erfolg steht bei ihm nicht über allem: «Die Fans wollen dein Team gewinnen sehen. Viele interessieren sich nicht für die Art und Weise, wie man gewinnt – ich schon.»

Lionel Messi und Antoine Griezmann bekommen einen neuen Vorgesetzten.
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Setién baut auf Messi – und Griezmann?

Setién wird Lionel Messi (weiterhin) eine Sonderrolle zugestehen. So schwärmte er noch als Betis-Coach in einem Interview mit «Independent»: «Ich kenne nur einen Spieler, der die Fähigkeit hat, Spiele wirklich allein zu entscheiden und überall zu spielen – Messi. Wenn man so einen Fussballer hat, der das allein kann, gibt es nichts zu sagen. Die anderen 10 werden sagen: 'Lass ihn machen, was er will, er wird uns besser machen und wir werden mehr Spiele gewinnen'.»

Doch er hält fest: «Aber es gibt nur einen. Jeder andere hat eine Rolle, muss die Struktur aufrechterhalten. Und wenn man einen Spieler hat, der sich immer wieder aus dem System herausbewegt, muss man ihn entfernen. Egal, wie gut er ist. Wenn du alleine gewinnst, gut, aber da du das nicht tust, verlier ich die Balance. Und Balance ist wichtig – mehr als alles andere.»

Ein Spieler, welcher sich in den Dienst der Mannschaft stellt, ist beispielsweise Antoine Griezmann, der unter Valverde sich nie so richtig wohlfühlte. Setién bewunderte aber als Betis-Trainer die Disziplin des Franzosen, sodass Griezmann nun endlich aufblühen könnte.

Setién hat bei den Katalanen einen gültigen Vertrag bis zum Ende der Saison 2021/22 unterschrieben. Doch allzu sicher darf er sich nicht sein. Gemäss verschiedenen Quellen soll er nicht Bartomeus erste Wahl gewesen sein. So seien vor dem 60-jährigen Xavi Hernandez und Ronald Koeman kontaktiert worden, welche dem FC Barcelona aber eine Absage erteilten. Aber wahrscheinlich hat Setién das schon einkalkuliert.

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