«Ich sollte wahrscheinlich einfach aufhören»

Mikaela Shiffrin kann sich ihren Olympia-Alptraum nicht erklären

DPA/jar

17.2.2022

Eine niedergeschlagene Mikaela Shiffrin nach der nächsten Olympia-Enttäuschung.
Eine niedergeschlagene Mikaela Shiffrin nach der nächsten Olympia-Enttäuschung.
Getty

US-Skistar Mikaela Shiffrin beendet die Spiele ohne Einzelmedaille. Nach ihrem erneuten Aus in der Kombination flüchtet sich die Ausnahmefahrerin in Humor. Der Teamevent ist ihre letzte Hoffnung.

DPA/jar

17.2.2022

Mikaela Shiffrin weinte nicht mehr, sie lachte nur noch. «Ich bin wirklich enttäuscht und frustriert», sagte die amerikanische Ausnahmeathletin nach ihrem nächsten Debakel bei den Olympischen Winterspielen in China. Aber irgendwie fühle sich das Ganze nur noch «wie ein Witz» an.



Nachdem sie schon im Riesenslalom und im Slalom früh ausgeschieden war, fädelte die 26-Jährige am Donnerstag auch im Slalom der alpinen Kombination am 13. Tor ein und kam nicht ins Ziel. Nicht einen technischen Lauf brachte sie bei diesen Spielen bislang den Hang hinunter. Stattdessen gingen ihre Medaillenträume auf der Strecke «Ice River» alle den Bach hinunter.

Während Michelle Gisin den hohen Erwartungen gerecht wurde und wie schon 2018 in Pyeongchang Kombi-Gold holte – und die Schweiz dank Wendy Holdener auf Rang 2 sogar einen Doppelsieg feiern durfte – ging Shiffrin abermals an diesen Spielen leer aus. In sämtlichen Einzelwettbewerben in China ging sie als Mitfavoritin an den Start, die vierte Olympia-Medaille muss aber warten. Ihre einzige Chance, überhaupt noch Edelmetall aus Peking mitzunehmen, ist der Teamevent am Samstag.



«Ich kann nicht sagen, wie frustriert ich darüber bin, nicht zu wissen, was ich aus diesem Tag lernen soll», sagte Shiffrin nach ihrem Aus in der Kombination. Sie könne es sich einfach nicht erklären. Natürlich habe sie hier bei Olympia Druck gehabt, sagte sie. Aber der sei nicht grösser als sonst und daher nicht das Problem gewesen. Auch nicht die längere Wettkampf- und Trainingspause, die sie infolge einer Corona-Infektion im Dezember hatte einlegen müssen.

«60 Prozent der Ausfälle meiner ganzen Karriere waren hier in Peking»

Nach den Plätzen 9 und 18 im Super-G und in der Abfahrt wirkte die langjährige Alpin-Dominatorin in Yanqing wieder etwas gefestigter als in den Tagen zuvor, in denen sie viele Tränen vergossen hatte. In der Abfahrt der Kombination erarbeitete sie sich auf den Ski, die sie von der Olympia-Zweiten Sofia Goggia aus Italien bekommen hatte, als Fünfte eine gute Ausgangsposition für den entscheidenden Slalom. In ihrer Paradedisziplin, in der sie schon vier WM-Titel und sage und schreibe 47 Weltcup-Siege gefeiert hat, patzte sie dann aber wieder.

Shiffrin, über Jahre hinweg die Konstanz in Person, scheint im chinesischen Stangenwald irgendwie die Orientierung verloren zu haben. Als wäre ihr Kompass, der sie sonst immer so verlässlich von Erfolg zu Erfolg geführt hat, kaputtgegangen. «60 Prozent der Ausfälle meiner ganzen Karriere sind hier bei diesen Olympischen Spielen passiert», rechnete sie vor. «Ich sollte wahrscheinlich einfach aufhören», scherzte sie. Stattdessen werde sie aber für den Mannschaftswettbewerb trainieren. Er ist die letzte Chance auf ein halbwegs versöhnliches Ende ihres persönlichen olympischen Alptraums.



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