Das Geheimnis des «berühmten Papiers, das theoretisch nicht existieren darf»

Tobias Benz

30.11.2021

Manchester United have confirmed that Cristiano Ronaldo they have reached an agreement to re-sign Portugal's forward Cristiano Ronaldo from Juventus, in Manchester, England, on August 27, 2021. - FILE PHOTO:  Cristiano Ronaldo of Juventus looks on during to the pre-season friendly match between Juventus and Atalanta BC at Allianz Stadium on August 14, 2021 in Turin, Italy. (Photo by Giuseppe Cottini/NurPhoto via Getty Images) (Photo by Giuseppe Cottini/NurPhoto via Getty Images)
Unstimmigkeiten im Vertrag? Die Turiner Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Cristiano Ronaldo.
Bild: Getty

Die italienischen Behörden ermitteln im Rahmen der Operation «Prisma» nicht nur gegen Juventus Turin. Ein abgehörtes Telefongespräch bringt die Ermittler auch auf die Spuren Cristiano Ronaldos.

Tobias Benz

30.11.2021

Freitag, 26. November 2021. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft durchsucht die italienische Finanzpolizei die Geschäftsstellen von Juventus in Mailand und Turin. Im Rahmen der Operation «Prisma» soll festgestellt werden, ob der italienische Rekordmeister illegale Finanzmechanismen mit dem Ziel der Täuschung seiner Aktionäre einsetzte. Es geht um Kapitalgewinne in der Höhe von 282 Millionen Euro.

Die Anschuldigungen hängen wie ein Damoklesschwert über dem italienischen Rekordmeister. Und die Vorwürfe wiegen schwer. Zwischen 2019 und 2021 soll Juventus Turin mit Rechnungen für nicht existierende Transaktionen und aufgeblähten Bilanzen die eigenen Aktionäre hinters Licht geführt haben. Im Visier der Ermittler stehen unter anderem Juventus-Präsident Andrea Agnelli, Vizepräsident Pavel Nedved und Finanzchef Stefano Cerrato. Sofort werden Erinnerungen an den Zwangsabstieg 2006 wach.

Die Codacons (Koordination der Verbände zum Schutz der Umwelt und der Rechte von Nutzern und Verbrauchern) fordert dann auch ebenjenes. «Wir werden beim Kartellamt und bei der Bundesanwaltschaft eine Beschwerde einreichen, in der wir den Abstieg von Juventus Turin in die Serie B und die Aberkennung der letzten Meisterschaften, welche im Schatten dieser möglicherweise illegalen Operationen gewonnen wurden, fordern», heisst es in einer Mitteilung.



Eine karikierende Darstellung Andrea Agnellis auf einem Wandgemälde in Rom.
Bild: KEYSTONE

Auch Cristiano Ronaldo Teil der Untersuchung

Wie italienische Medien übereinstimmend berichten, werden auch die vertraglichen Beziehungen zwischen dem Klub und Cristiano Ronaldo unter die Lupe genommen. Im Fokus steht dabei ein von der Polizei abgehörtes Telefongespräch zwischen Juventus-Geschäftsführer Federico Cherubini und dem juristischen Geschäftsführer Cesare Gabasio, das sich um den Vertrag des Portugiesen dreht. Gabasio spricht dabei von einem «berühmten Papier, das theoretisch nicht existieren darf», wie die «Repubblica» zitiert.

Es besteht der Verdacht, dass es sich bei diesem «Geheimpapier» um ein privates Schreiben handelt, in dem Vertragsverhältnisse und Lohnrückstände von Ronaldo aufgeführt sind, die in den offiziellen Dokumenten nicht existieren. Auf dem Durchsuchungsbeschluss vom vergangenen Freitag stand deswegen auch Ronaldos Name. Bei den Hausdurchsuchungen am Freitag ist ein solches Dokument nicht aufgetaucht.

Die Turiner Staatsanwaltschaft erhofft sich diesbezüglich weitere Aufschlüsse durch die Vorladung Gabasios. Die Anhörung Cherubinis habe am Wochenende bereits über neun Stunden gedauert.



Kuriose Zahlungen an Mendes und Raiola

Neben Ronaldo sind auch die beiden Star-Berater Jorge Mendes und Mino Raiola Bestandteil der Ermittlungen. Aus den abgehörten Telefongesprächen ergebe sich der begründete Verdacht, dass einige Berater für nicht existierende Marktoperationen bezahlt wurden, schreibt die «Gazzetta dello Sport». Nach Angaben des TV-Senders «Sportmediaset» sind Mendes und Raiola zwei der Verdächtigten.

Raiola, der mit 10,5 Millionen Euro «Nebenkosten» für den De Ligt-Deal entlohnt wurde, ist in erster Linie wegen des Transfers von Franco Tongya ins Visier der Ermittler geraten, der in eine Tauschaktion mit Marseille verwickelt war, die die Staatsanwaltschaft als «Spiegel» – also ohne Geldbewegung – bezeichnet.

Ein ähnliches Beispiel ist der fadenscheinige Spielertausch zwischen Juventus Turin und dem FC Barcelona im Sommer 2020, als die Mittelfeldspieler Arthur und Miralem Pjanic für die angebliche Gesamtsumme von 132 Millionen Euro die Besitzer wechselten. Auch dieser Transfer wird untersucht.