Der «Eiserne Karl» quält den deprimierten Bernhard Russi 

Von Syl Battistuzzi

17.4.2020

Karl Freshner sitzt Bernhard Russi im Nacken.
Bildmontage: Bluewin (Keystone)

Nicht auf der Piste, sondern in der gemeinsamen WG müssen die Schweizer Ski-Stars ihre Quarantäne absitzen. Doch ausgerechnet ein Ausländer macht ihnen das Leben schwer.

«Jetzt hör doch auf zu weinen», versucht Marc Berthod, seinen SRF-Vorgänger Bernhard Russi zu beruhigen. Die stahlblauen Augen des 71-Jährigen haben inzwischen so viel Wasser angestaut wie der Urnersee. «Ich vermisse Matthias Hüppi so sehr», wimmert Russi verbittert.

«So sind nun mal die Regeln hier in unserem abgeschirmten Chalet, das uns unser Hotelier Pirmin Zurbriggen zur Verfügung gestellt hat», hält Karl Frehsner fest. Sei mal so cool wie unser «Iceman» hier und nickt zu Carlo Janka hin, der still in einer Ecke hockt und im Kopf nach einer neuen Ideallinie brütet. «Meinst du, dass ein Peter Müller, Franz Heinzer oder Dani Mahrer so unter mir Erfolg gehabt hätten?», brüllt Freshner.

Nun erlebte also Russi am eigenen Leib die Härte des «Eisernen Karl». «Dein Freund ist sowieso jetzt ein Fussballer und hat als FCSG-Präsident keinen Zutritt bei uns», meint der 80-jährige Österreicher, der offenbar noch keine Altersmilde kennt. Vreni Schneider bekommt nach der Standpauke Mitleid mit Russi und stimmt ihren musikalischen Hit an, der noch bei jedem Aprés-Ski-Gelage den jetzt so dringend benötigten «Hüttenzauber» hervorgeholt hat.



Vreni Schneiders missglückter Aufmunterungsversuch

«Ein Kafi am Pistenrand» beginnt sie laut an zu trällern. Sofort stehen Didier Défago die letzten noch verbliebenen Kopfhaare zu Berge. Auch Paul Accola hat im Nu aufgehört, auf seinem Plastik-Bagger zu radeln, und schaut die Elmerin an, als wäre ihm der Heilige Geist höchstpersönlich erschienen. Also für den Bündner SVP-Nationalratskandidaten Partei-Übervater Christoph Blocher. Schneider bemerkt die aufkommende Unruhe bei ihren neuen Mitbewohnern und bricht ihre Soloeinlage enttäuscht ab. 

Lara Gut-Behrami ist das nur recht. Schliesslich will sie wie immer im Mittelpunkt stehen. «Valon hat mir einen Ferrari gekauft», erzählt die Tessinerin sichtlich stolz. «Dir würde ich nicht mal ein Ragusa schenken», entgegnet Heidi Zeller-Bähler, die gleich vor Eifersucht zu platzen droht: «Und ich war übrigens die erste Frau im Ski-Zirkus mit einem Doppelnamen!»

Bruno Kernen I ergreift das Wort: «Immerhin heisst ihr beiden Drama-Queens nicht genau gleich», und schaut verstohlen seinen Namensvetter Bruno Kernen II an. «Zum Glück bin ich mit meinem Schnurrbart einzigartig», denkt sich William Besse schelmisch und streicht sich sanft die prächtige Gesichtsbehaarung.

Religion rettet den brüchigen WG-Frieden 

Nicht das Gesicht, sondern der Ranzen tut Beat Feuz weh. Der «Kugelblitz» hat heimlich den Vorratsschrank von Didier Cuche geplündert und alle Ovo-Sports aufgegessen. Der Neuenburger kann sich einen kleinen Scherz in Richtung Feuz nicht verkneifen: «Jetzt kannst du zwar nicht besser Ski fahren, aber du hast länger Bauchweh.»

Mit Schmerzen kennt sich auch Ramon Zenhäusern aus: Der Zweimetermann hat sich in der engen Holzhütte schon x-mal den Kopf angestossen. Deshalb hat ihm Maria Walliser ironischerweise dazu geraten, zu Hause nur noch mit Skihelm rumzulaufen. Und Michela Figini hat ihn sogar überzeugen können, dabei den berühmten Käse-Skianzug anzulegen. Während sich Corinne Suter vor Lachen am Boden kegelt, ist die Stimmung am anderen Tischende schon am Kippen.

Sonja Nef und Wendy Holdener geraten sich in die Haare wegen der Frage, wer vom Boulevard öfters als «Schätzeli der Nation» bezeichnet wurde. Mediator Urs Lehmann schaltet sich ein und versucht zu schlichten. Erfolglos. Dann versuchen die Gisin-Schwestern zu zweit ihr Glück. Erneut vergeblich. Erst als Pirmin Zurbriggen ermahnt, dass «Gott alles sieht», hören Nef und Holdener auf mit ihrer Zankerei. Aber auch nur, weil sie beim Allmächtigen an Karl Frehsner denken.

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