Der Federer-Express kommt ins Rollen: «Wie ein Lastwagen, der schwer zu bremsen ist»

Luca Betschart

4.7.2021

Roger Federer kommt immer besser in Fahrt.
Bild: Keystone

Dank einer weiteren Steigerung bricht Roger Federer in Wimbledon den nächsten Rekord und steht im Achtelfinal. Die Hoffnungen auf einen langen Verbleib im Turnier wachsen.

Luca Betschart

4.7.2021

Auch vom formstarken Cameron Norrie lässt sich Roger Federer auf dem heiligen Rasen im Südwesten Londons nicht aufhalten. Nach dem überzeugenden Viersatz-Sieg steht der Schweizer zum 18. Mal (!) im Wimbledon-Achtelfinal und ist damit Rekordhalter. Insgesamt ist es für den 39-Jährigen der 69. Achtelfinal-Einzug an einem Major-Turnier. Auch das ist einsame Spitze.

«Es ist eine absolute Freude, weil es das letzte Grand-Slam-Turnier vor dem 40. Geburtstag ist», freut sich Federer im Platzinterview über den jüngst erreichten Meilenstein. Noch mehr dürfte er sich aber über die erneut geglückte Leistungssteigerung freuen. «Ich bin erleichtert. Das war eine grosse Schlacht. Es ist eine grosse Freude, noch immer Tennis spielen zu dürfen. Ich hoffe, es steckt noch etwas in mir», sagt Federer, der am Montag im Achtelfinal auf den Italiener Lorenzo Sonego (ATP 27) trifft.



Der Lastwagen nimmt Fahrt auf

Im Vergleich zur ersten Runde wirkt er wie verwandelt. «Ich fühle mich komplett anders als in der ersten Runde», bestätigt Federer den Eindruck. Nur noch wenig erinnert an den glücklichen Auftaktsieg gegen Mannarino. Viel mehr weckt der Baselbieter Erinnerungen an den alten Rasenkönig, der den Triumph 2019 nur um einen Punkt verpasste.

Vor allem die nötige Lockerheit verspüre er wieder. «Weil ich so wenig gespielt hatte, war ich verunsichert, hatte viele Fragen, das geht jedem Spieler so. Diese kannst du wegkämpfen oder wegspielen, indem du gewinnst», so der 39-Jährige. «Wichtig ist nur, dass man die ersten Runden übersteht und ins Rollen kommt, wie ein Lastwagen, der abwärts fährt und schwer zu bremsen ist.» Genau da sei er jetzt angelangt.

«Ich spiele nach vorne und akzeptiere es, wenn ich Fehler mache», erklärt Federer. «Ich spürte es auch beim Seitenwechsel. Ich war innerlich leer, hatte keine Gedanken, sondern sah das grosse Bild.» Schliesslich muss der achtfache Wimbledon-Sieger auch gegen Norrie heikle Momente überstehen – vor allem nach dem unglücklichen Verlust des dritten Satzes. «Das waren schwierige Minuten, aber ich reagierte stark. Einen Spieler von Norries Level zu schlagen, ist eine gute Referenz», weiss der 20-fache Grand-Slam-Champion.

Federer ist fit – körperlich und auch mental

Das Zwischenfazit nach der ersten Turnierwoche fällt so auch durchwegs positiv aus. «Crescendo – ich bin immer besser geworden. Und froh, heil durchgekommen zu sein. Körperlich und mental fühle ich mich gut, das ist ein gutes Zeichen.» Zudem scheint sich Federer auch immer besser an die Besonderheiten der Londoner «Bubble» zu gewöhnen, auch wenn er betont: «Ich bin momentan sehr vorsichtig, auch wegen dem Vorfall mit Konta.»

Weil die Britin in Kontakt mit einer positiv getesteten Person kommt, muss sie sich bereits in der ersten Turnierwoche zurückziehen. «So willst du wirklich nicht aus dem Turnier ausscheiden», fühlt Federer mit und sagt: «Im Auto bin ich immer alleine unterwegs, was natürlich langweilig ist. (…) Wir können uns sicher nicht vorwerfen, Risiken eingegangen zu sein.»

Immerhin: Sobald Federer die einsame Autofahrt überstanden hat, ist für Unterhaltung gesorgt. Denn seit den French Open in Paris hat das vierköpfige Team Federer mit den Coaches Severin Lüthi, Ivan Ljubicic sowie Physiotherapeut Daniel Troxler einen neuen «Sport» für sich entdeckt: «Ivan hat unterdessen auch Jassen gelernt. Und er spielt gut, Dani und Seve sowieso.» Team Federer scheint definitiv in Wimbledon angekommen.

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Roger Federer steht in Wimbledon im Achtelfinale. Der Schweizer bezwingt in der dritten Runde den Briten Cameron Norrie in vier Sätzen (6:4, 6:4, 5:7, 6:4) und erreicht so die zweite Turnierwoche. «blue»-Experte Matthias Stach analysiert das Spiel.

05.07.2021