Die Abschiedsworte des legendären SRF-Duos: «Heute sind wir Freunde fürs Leben»

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13.9.2021

Bürer: «Ich bedanke mich bei allen, dir mir geholfen haben, meinen Kindheitstraum zu verwirklichen»

Bürer: «Ich bedanke mich bei allen, dir mir geholfen haben, meinen Kindheitstraum zu verwirklichen»

Man habe ihm damals einen Co-Kommentator zur Seite gestellt, heute habe er einen Freund fürs Leben. «Danke, danke, danke»: Stefan Bürers letzte Worte als Tennis-Kommentator beim SRF.

13.09.2021

Mit dem US-Open-Triumph von Daniil Medvedev sind am 13. September um 1 Uhr nachts auch die Stimmen des legendären Duos Stefan Bürer und Heinz Günthardt auf SRF verstummt. So verabschiedete sich das legendäre Tennis-Duo von den Zuschauern.

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13.9.2021

Nachdem Medvedev den Siegerpokal für seinen ersten Grand-Slam-Triumph erhalten hatte und der unterlegene Novak Djokovic den Silberteller des Zweiten in der Hand hielt, war der Zeitpunkt gekommen. Der Zeitpunkt, sich zu verabschieden.

Die Stimmen der beiden Kommentatoren-Profis wurden zwar nicht brüchig, aber emotional wurde es trotzdem. Ihre Abschiedsworte sind in den beiden Videos zu hören, den Wortlaut zum Nachlesen geben wir aber auch in schriftlicher Form wieder.

Den Anfang machte Günthardt: «Nach 36 Jahren und ungefähr 10'000 Stunden Kommentar sind das meine letzten Worte auf dem Sender. Erst wenn man zurückschaut, weiss man, wie weit man gekommen ist. Als ich hier begonnen habe, musste ich erklären, was ein Kickaufschlag ist, ein Slice.»

Bürer geht dazwischen: «Auch mir.»

Günthardt wieder: «Wie man in einem Tiebreak zählt, warum es überhaupt ein Tiebreak gibt. Das hat sich mittlerweile dramatisch geändert. Wir sind in der Schweiz eine Nation von Tennisexperten. Und das ist, weil sie zu Hause teilweise zu unmöglichen Zeiten aufgestanden sind und Tennis geschaut haben. Für diesen Support möchte ich mich herzlich bedanken. Danken möchte ich auch allen, die mich so gut haben aussehen lassen über 36 Jahre. Es sind so viele gewesen, dass ich unmöglich alle nennen kann. Sie müssen wissen, Fernsehen ist ein Teamsport. Wenn der, der für den Ton verantwortlich ist, nicht aufpasst, bin ich schlecht zu hören, zu laut, zu leise oder gar nicht zu hören. Wenn der Kameramann nur verwackelte oder unscharfe Bilder liefert, schalten sie um. Und wenn der Regisseur irgendwelche wichtigen Szenen verpasst, ist es langweilig. Herzlichen Dank an alle.»

Günthardt: «Wir sind Kommentatoren auf Zeit, aber Freunde fürs Leben»

Günthardt: «Wir sind Kommentatoren auf Zeit, aber Freunde fürs Leben»

Heinz Günthardt verabschiedet sich als Tennis-Experte nach dem Endspiel zwischen Daniil Medvedev und Novak Djokovic von den Zuschauern. Er findet – wie so oft in seiner Karriere – die richtigen Worte.

13.09.2021

Günthardt weiter: «Last but not least: Also du, lieber Stefan, bist ein Glücksfall für mich. Denn du hast es fertiggebracht, dass selbst elf Stunden hintereinander Kommentar nie langweilig geworden sind. Weil du eine ganz spezielle Fähigkeit hast, zuzuhören, und aus Banalem Interessantes zu machen. Verabschieden will ich mich auf keinem Fall von dir. Denn wir sind zwar Kommentatoren auf Zeit, aber hoffentlich, und da bin ich mir ganz sicher, Freunde fürs Leben.»

Dann ist zum Abschluss Bürer am Zug: «Jetzt bin ich froh, dass ich mir erstmals überhaupt etwas notiert habe in einer Live-Reportage, denn ich brächte es sonst glaub nicht auf die Reihe, jetzt frei zu reden. Ich lese jetzt tatsächlich ab, das hast du auch noch nie erlebt: 26 Jahre und 6 Monate SRF gehen zu Ende. Auch ich möchte mich bedanken, natürlich. Bei allen, die mir geholfen haben, meinen Kindheitstraum zu leben, wohlgemerkt. Bei meiner Familie, die oft auf mich verzichten musste. Bei allen Menschen im Hintergrund, von denen selten gesprochen wird, die es aber erst möglich machen, dass sie zu Hause Bilder sehen und uns zuhören können. Womit ich bei ihnen bin, den Zuschauerinnen und Zuschauern. Vielen herzlichen Dank für ihre Treue, ihr Wohlwollen, aber auch ihre Kritik. Ich habe versucht, ihnen den Sport näherzubringen. Gelungen ist mir das gewiss nicht immer. Aber ich habe immer mein Bestes gegeben.»

Bürer weiter: «Und mein letzter Dank geht natürlich an dich Heinz. 26 Jahre waren wir gemeinsam am Mikrofon und es war in jeder Hinsicht eine aufregende Reise. Ich habe unendlich viel von dir gelernt, über Tennis, klar, aber auch über das Leben. Man hat mir damals einen Co-Kommentator zur Seite gestellt und heute habe ich einen Freund fürs Leben. Danke, danke, danke! Und an eu dihei: Ciao zäme, machets guet.»

Bürers nächste Herausforderung ist Schlusslicht Rappi

Bürer wird nicht nur als Kommentator nicht mehr zu hören sein, sondern SRF ganz verlassen und seinen neuen Job als Kommunikationschef und Mitglied der Geschäftsleistung des Eishockey-Vereins Rapperswil-Jona Lakers antreten. Dort wird er von Anfang an gefragt sein, die Lakers sind schlecht in die neue Saison gestartet und liegen an letzter Stelle.

Den Vertrag von Günthardt hat SRF nicht verlängert. Als sein Rausschmiss im Juli öffentlich wurde, sorgte dies für einigen Wirbel. Doch vom Mikrofon wird sich der 62-Jährige trotzdem auch in Zukunft nicht fernhalten. Bereits am Wochenende soll er beim «Tennis Channel» die Davis-Cup-Partie Schweiz – Estland kommentieren. Und Teamchef des Schweizer Fed-Cup-Teams ist Günthardt natürlich auch weiterhin.