Dimitrov legt sich mit Fan an: «Seh ich aus wie ein Baby?»

lbe

1.6.2019

Ein frenetisches Publikum auf Court 1 treibt Stan Wawrinka und Grigor Dimitrov am Freitagabend an den French Open zu Höchstleistungen an. Beim Bulgaren finden allerdings nicht alle Anfeuerungsversuche Anklang.

Eigentlich hätte der Zweitrunden-Kracher zwischen dem Schweizer und der ehemaligen Weltnummer drei aus Bulgarien ja auf Court Suzanne Lenglen ausgetragen werden sollen. Weil zwei der zuvor angesetzten Spiele auf dem zweitgrössten Court in Roland Garros aber über die volle Distanz gehen, entscheiden sich die Organisatoren für eine Verlegung der mit Spannung erwarteten Partie auf Court 1. Das Problem: das runde Stadion bietet Platz für 3800 Zuschauer – mehr als 6000 weniger als die Tribüne des Court Suzanne Lenglen.



Insbesondere für Schweizer Fans ist das ein Riesenfrust, denn neben den falschen Tickets haben sie auch keine Aussichten, im rappelvollen Stadion noch einen Platz zu finden. Des einen Leid ist des anderen Freud. Die Zuschauer, die im Besitz von Tickets für Court 1 sind, erleben ein hochklassiges Duell mit zahlreichen spektakuläre Ballwechseln und viel Spannung. Nachdem Wawrinka bereits den ersten Satz im Tiebreak gewinnt, steuert auch der zweite Satz auf die Kurzentscheidung zu. Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt, die Zwischenrufe aus dem Publikum häufen sich.

Beim Stand von 5:6 im zweiten Durchgang ist Dimitrov unter Druck und kämpft gegen den 0:2-Satzrückstand – unter aufmunterndem Applaus von den Rängen. Als dieser abflacht, ruft ein Anhänger Dimitrov zu: «Come on, Baby-Federer!» Ein gut gemeinter Anfeuerungsversuch oder eine gezielte Provokation? Der 28-Jährige wurde aufgrund seiner Spielweise bereits früh in seiner Karriere mit Roger Federer verglichen und bekam den Übernamen Baby-Federer, ohne ihn wirklich zu wollen. «Ich möchte, dass die Leute mit den Vergleichen aufhören», machte er bereits 2014 deutlich.

Dimitrov reagiert genervt auf den Zwischenruf, hält kurz inne und fragt dann in die Menge: «Sehe ich aus wie ein Baby für dich?» Wohl etwas perplex ob der direkten Reaktion bleibt eine Antwort des Anhängers aus, es ist jedenfalls keine zu hören. Aus dem Konzept lässt sich Dimitrov davon allerdings nicht bringen und schafft es kurz darauf ins Tiebreak. Zum Satzgewinn reicht es gegen den stark aufspielenden Wawrinka an diesem Tag aber nicht.

Nach zwei Sätzen wird die Partie wegen Dunkelheit schliesslich unterbrochen und erst am Samstag fortgesetzt. Da präsentiert sich allerdings ein ähnliches Bild: Wawrinka und Dimitrov begegnen sich absolut auf Augenhöhe und müssen auch im dritten Satz ins Tiebreak, in welchem wiederum der Schweizer die Oberhand behält – obwohl Dimitrov zwischenzeitlich mit 6:2 führt und vier Satzbälle am Stück hat. Da ist es wohl ein kleiner Trost für den Bulgaren, dass ihm in Paris weitere Zwischenrufe für dieses Jahr erspart bleiben. Wawrinka trifft im Achtelfinal auf den Griechen Stefanos Tsitsipas.

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