Ein Wunderkind, starke Schweizer Frauen und zahlreiche Stolpersteine 

Von Luca Betschart

28.6.2019

Nick Kyrgios als ein möglicher Stolperstein, Belinda Bencic als Aushängeschild der starken Schweizer Frauen und Wunderkind Cori Gauff (v.l.n.r.).
Bilder: Keystone/ Twitter

Das Hauptfeld in Wimbledon steht – am Freitag um elf Uhr wird das Tableau ausgelost. Während bei den Frauen erstmals seit 17 Jahren fünf Schweizerinnen dabei sind, drohen Federer und Wawrinka bereits in der ersten Runden starke Gegner.

Vor der diesjährigen Wimbledon-Auslosung sorgen gleich mehrere Besonderheiten für eine spannende Ausgangslage – insbesondere aus Schweizer Sicht. «Bluewin» klärt auf:

Cori Gauff – das Wunderkind

Mit einem souveränen 6:1, 6:1 über die Belgierin Greet Minnen übersteht Core Gauff die Qualifikation und schafft den Sprung ins Hauptfeld. Das besondere daran: Die Amerikanerin ist gerade mal 15 Jahre und 122 Tage alt – und ist damit die jüngste Spielerin, die es in der «Open Era» über die Qualifikation ins Hauptfeld geschafft hat. «Es bedeutet mir sehr viel. Und es scheint, dass die eigenen Träume wahr werden, wenn man hart arbeitet», sagt sie nach dem überzeugenden Auftritt.

Sie hofft nun auf ein Duell gegen eine Top-Spielerin, am liebsten würde sie ihr Idol Serena Williams fordern. «Serena ist der Grund, warum ich Tennis spiele.» Geht für Gauff auch dieser Wunsch in Erfüllung, käme es zu einem Duell der Generationen: Williams ist ganze 22 Jahre älter als ihre aufstrebende Landsfrau.

Das stärkste Schweizer Frauen-Aufgebot seit 2002

In Wimbledon wird die Schweiz bei den Frauen gleich fünffach vertreten sein: Belinda Bencic, Viktorija Golubic, Jil Teichmann, Timea Bacsinsziky und Stefanie Vögele haben es alle auf direktem Weg ins Hauptfeld geschafft – sprich dank ihrer Position in der Weltrangliste. So breit an einem Grand Slam vertreten waren die Schweizerinnen zuletzt an den US Open 2002, als mit Hingis, Schnyder, Mikaelian, Gagliardi und Casanova ebenfalls fünf Athletinnen ohne Umweg mit von der Partie waren.

Allerdings schafft es damals nur Martina Hingis über die dritte Runde hinaus. Bleibt zu hoffen, dass es dem Schweizer Quintett 17 Jahre später besser ergeht. Die grössten Chancen dazu hat die als Nummer 13 gesetzte Belinda Bencic, die eine starke Vorbereitung zeigte und als Geheimfavoritin gehandelt wird.

Geheimfavoritin und Aushängeschild der Schweizer Frauen: Belinda Bencic.
Bild: Keystone

Zahlreiche umgesetzte Stolpersteine für Federer und Co.

Im Hauptfeld der Männer sind mit Stan Wawrinka und Roger Federer «nur« zwei Schweizer vertreten, die allerdings mit ungleich höheren Ambitionen ins Turnier starten. Doch auch den gesetzten Schweizern droht bereits in frühen Turnierphasen ein steiniger Weg – unter den ungesetzten Spielern lassen sich einige prominente Namen und potentielle Stolpersteine ausmachen. Dazu gehören:



➡️ Jo-Wilfried Tsonga, ATP 70

Der Franzose kämpft in der jüngeren Vergangenheit mit ständigen Verletzungsproblemen und ist deshalb unterklassiert. Wenn er antritt, beweist er sein Potential aber meist. Wenn er fit ist, kann er insbesondere auf der Rasenunterlage auch für die Top-Spieler gefährlich werden. In Halle war er gegen Federer lange näher am Sieg, und in Wimbledon konnte er ihn einst nach deutlichem Rückstand noch bezwingen.



➡️ Nick Kyrgios, ATP 43

In Roland Garros hatte Nick Kyrgios keine Lust auf Tennis, an seinem Lieblings-Major wird das womöglich anderst aussehen. Findet er den Tritt, stellt er für jeden Gegner eine Gefahr dar – das hat er in diesem Jahr in Acapulco auf Hartplatz bewiesen, als er der Reihe nach Nadal, Wawrinka und Zverev bezwingt. 2014 schlägt er ausserdem Rafael Nadal im Wimbledon-Achtelfinal.

Sind in Wimbledon aus unterschiedlichen Gründen nicht gesetzt: Nick Kyrgios (links) und Jo-Wilfried Tsonga, hier an den Australian Open 2018.
Bild: Keystone

➡️ Jan-Lennard Struff, ATP 34

Der offensive aufspielende Deutsche war in der Weltrangliste noch nie so prominent platziert und ist zweifellos auf dem aufstrebenden Ast. Die Rasenunterlage kommt seinem Spiel entgegen. In Stuttgart bezwang er Shapovalov und Pouille und wurde erst im Final gestoppt.

➡️ Grigor Dimitrov, ATP 48

Der Halbfinalist von 2014 wartet zwar seit längerem auf ein echtes Erfolgserlebnis, dennoch wäre auch der Bulgare eine echte Hürde in der frühen Turnierphase. An den French Open zwingt er den starken Wawrinka immerhin dreimal ins Tiebreak und zeigt, dass er an einem guten Tag durchaus noch mithalten kann.

➡️ Sam Querrey, ATP 79

Vor zwei Jahren spielte er sich auf dem heiligen Rasen bis in den Halbfinal und bezwang auf dem Weg dorthin Tsonga, Anderson und Murray. 2016 schlägt er den Dominator Djokovic, nachdem der Serbe die letzten vier Majors alle gewonnen hatte. Der Amerikaner verpasste wegen einer Bauchverletzung die gesamte Sandsaison – seine Weltranglistenposition gilt es deshalb mit Vorsicht zu geniessen.

Sam Querrey feierte in Wimbledon in der Vergangenheit bereits mehrfach grosse Erfolge.
Bild: Getty

Die eigens bestimmte Setzliste in Wimbledon, die von Nadal und Djokovic zuletzt erneut kritisiert wurde, dürfte die Brisanz der Auslosung zusätzlich erhöhen. Insbesondere dann, wenn die gesetzte Nummer drei aus Spanien ein bedeutend härteres Los als Federer haben wird. Schlussendlich ändert aber auch die Auslosung nichts daran, dass man jeden Gegner schlagen muss, wenn man das Turnier an der Church Road gewinnen will.

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