«Ich kann verdammt nochmal nicht pinkeln»

Medvedev hadert in Melbourne mit allem und jedem

Von Luca Betschart

24.1.2022

Daniil Medvedev stört sich bei den Australian Open ab diversen Dingen.
Daniil Medvedev stört sich bei den Australian Open ab diversen Dingen.
Keystone

Die WC-Regel, der Schiedsrichter, der Gegner und die Organisatoren – Daniil Medvedev hadert während seiner Partie gegen Maxime Cressy mit den Umständen. Das hält ihn aber nicht vom Einzug in den Viertelfinal ab.

Von Luca Betschart

24.1.2022

Gegen den Ungesetzten Maxime Cressy wird Daniil Medvedev in seinem Achtelfinal in Melbourne dreieinhalb Stunden hart gefordert, bevor der angepeilte Sieg des Russen in trockenen Tüchern ist. «Es war sehr knapp heute. Ich bin froh, dass ich durch bin», zeigt sich die Weltnummer zwei nach dem verwandelten Matchball erleichtert.



Zuvor hat er nicht nur mit seinem Kontrahenten, sondern auch mit sich selbst lange zu kämpfen. Einerseits klagt Medvedev zwischenzeitlich über Magen- und Rückenprobleme und muss sich während der Partie behandeln lassen. Grössere Probleme bereitet ihm aber Cressy, der nicht weniger als 135-mal ans Netz stürmt und den Favoriten immer wieder vor Probleme stellt.

Medvedev stört sich vor allem ab den aus seiner Sicht zu langen Pausen, die sich der Amerikaner zwischen seinen Aufschlägen gönnt. Dem Schiedsrichter wirft er diesbezüglich vor, die dafür vorgesehene Shot Clock – so etwas wie der Countdown bis zum nächsten Punkt – zu spät auszulösen. Der Ärger kommt allerdings nicht von ungefähr.

«Wer macht diese Regeln?»

Bereits nach dem Startsatz verwickelt sich Medvedev in Diskussionen mit dem Unparteiischen. Sein Wunsch, während der regulären Satzpause in den Katakomben seine nassgeschwitzten Kleider wechseln zu dürfen, ohne dafür seine einzige WC-Pause zu verbrauchen, findet zum Ärger des Russen kein Gehör.

«Für wen sind die Regeln? Ich kann verdammt nochmal nicht pinkeln und du wartest sieben Sekunden (mit der Shot Clock)? Wer macht diese Regeln?», nervt sich Medvedev auch während eines Seitenwechsels im vierten Satz noch immer darüber. An der Medienkonferenz nach der Partie darauf angesprochen, erläutert er: «Das ist Blödsinn. Ich wurde, wie man sieht, ziemlich wütend darüber und denke, was danach passiert ist, war eine Folge davon.»

Zu guter Letzt beklagt sich Medvedev nach einem Rahmenball in der Endphase der Begegnung auch über das «unglaubliche» Glück seines Kontrahenten. «Ich habe so etwas noch nie in meinen Leben gesehen», sagt er mit den Armen in der Luft und so laut, dass ihn Cressy hören kann. Zudem bezeichnet er das Spiel des Amerikaners als sehr langweilig.

«Ich bin nicht glücklich, mit dem was ich gesagt habe»

Nach der Partie gibt Medvedev allerdings zu, die Aussage nicht ohne Hintergedanken getätigt zu haben. «Ich wurde während des Spiels etwas verrückt. Ich habe einfach irgendetwas gesagt, um ein wenig in seinen Kopf zu kommen. Es ging darum, dass er sich fragt: ‹Was zur Hölle sagt dieser Medvedev da?› Ich dachte, vielleicht verschlägt er dann ein paar Bälle», sagt der amtierende US-Open-Sieger im Interview mit Eurosport. Er stellt aber auch klar: «Ich bin nicht glücklich mit dem, was ich gesagt habe.»

Wenig später erklärt sich Medvedev an der Pressekonferenz erneut: «Ich war heute wegen einiger Dinge sauer. Um ehrlich zu sein, ich arbeite an mir. Und genau deshalb habe ich es geschafft, trotzdem zu gewinnen und die Ruhe zu behalten.»

Er habe sich aber bereits vor dem ersten Ballwechsel ab der Ansetzung seines Spiels in der kleineren Margaret Court Arena genervt. «Ich habe das letzte Grand-Slam-Turnier gewonnen, bin hier an erster Stelle gesetzt und gegen Maxime auf Rod Laver zu spielen wäre einfacher gewesen, da ist mehr Platz», sagt Medvedev und fügt an: «Ich weiss wirklich nicht, was ich noch tun muss, um bei Grand Slams auf dem Center Court zu spielen.»