Kipchoge: «Es geht nicht um den Weltrekord, es geht darum, Geschichte zu schreiben»

7.10.2019 - 15:58, René Weder

Wien ist in wenigen Tagen Austragungsort eines sporthistorischen Ereignisses von weltweiter Bedeutung. Eliud Kipchoge, Marathon-Olympiasieger und Weltrekordhalter, will als erster Mensch die Zwei-Stunden-Marke im Marathon unterbieten. 

Bei diesem Rennen über 42,195 Kilometer zählt nur die Zeit – und nichts anderes. Eliud Kipchoge schickt sich nach dem missratenen Rekordversuch von 2017 auf der Rennstrecke von Monza erneut an, die magische Marke von 2:00:00 Stunden doch noch zu knacken. Experten sind sich einig: Wenn einer das schaffen kann, dann er. Und zwar jetzt in Wien.



Bei seinem zweiten «Laborversuch» – voraussichtlich am Samstag – wird nichts dem Zufall überlassen: Die Strecke ist topfeben und pfeilgerade, die zahlreichen Tempomacher werden zusätzlich von einem Elektorwagen angeführt, der das exakte Rekordtempo vorgibt. Die äusseren Bedingungen müssen optimal sein, sonst wird das Rennen verschoben. Offiziell anerkannt würde der Rekord wie auch schon 2017 nicht. Die von Kipchoge gelaufene Zeit von 2:01:39 Stunden am Berlin Marathon 2018 hätte weiterhin offiziellen Bestand. Aber darum geht es dem Kenianer auch nicht. Alles, was zählt, ist das Unterbieten der Zweistunden-Marke. 


Was Sie über den Rekordlauf wissen müssen

Was ist die «Ineos 1:59 Challenge»?
Der Versuch, die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit neu zu definieren und die Marathondistanz erstmals in unter zwei Stunden zu laufen.

Wer hatte die Idee dafür?
Eliud Kipchoge selbst. Er will nach Monza 2017 einen zweiten Versuch unternehmen, die Barriere zu durchbrechen. Damals ist er 2:00:25 Stunden gelaufen. Auch bei seinem neuen Versuch muss sich Kipchoge nicht um finanzielle Unterstützung sorgen.

Wer ist Eliud Kipchoge?
Eliud Kipchoge ist Kenianer, 34 Jahre alt, verheiratet, Vater von drei Kindern, Marathon-Olympiasieger von Rio 2016, Marathon-Weltrekordhalter mit 2:01:39 Stunden, gelaufen in Berlin 2018, Sieger in zwölf seiner 13 Marathons und von vielen als «grösster Marathonläufer der Geschichte» bezeichnet.

Wann findet der Lauf statt?
Termin für die «Ineos 1:59 Challenge» ist Samstag, 12. Oktober, gestartet wird am Morgen irgendwann zwischen fünf und neun Uhr. Bei nicht optimaler Witterung (perfekt sind Temperaturen zwischen sieben und elf Grad sowie wenig Wind und kein Regen) kann das Rennen am 13. oder 14. Oktober stattfinden. Der genaue Termin und die Uhrzeit werden im Lauf der Woche bekanntgegeben. Gezeigt wird das Lauf-Spektakel bei ORF und auf Youtube.

Wie schnell muss Eliud Kipchoge laufen?
Im Schnitt muss er einen Kilometer in rund 2:50 Minuten zurücklegen. Weitere Marken daraus abgeleitet:

60m 10,24 Sekunden
100m 17,06 Sekunden
200m 34,12 Sekunden
400m 1:08,25 Minuten
800m 2:16,50 Minuten
1'000m 2:50,64 Minuten
5'000m 14:13,18 Minuten
10'000m 28:26,36 Minuten

Wie schnell das ist, sehen Sie hier, als einige Hobbyläufer ihr Glück auf dem Laufband, das Kipchoges Durchschnittstempo seines Berlin-Weltrekords simuliert, für einige Meter nachzurennen versuchen. Hoffnungslos.

Wird ein offizieller Weltrekord erzielt?
Den Marathon-Weltrekord hält Eliud Kipchoge mit 2:01:39 Stunden. Bei der «Ineos 1:59 Challenge» werden einige wenige Kriterien, die für eine Rekordanerkennung nötig sind, nicht erfüllt. Kipchoge ist der einzige Teilnehmer in diesem Rennen, der die volle Distanz zurücklegt; offiziell müssten es drei sein. Für einen Weltrekordlauf müssten die Tempomacher weniger sein und Anfang an ohne Pause mitlaufen. Auch kann Eliud Kipchoge bei der «Ineos 1:59 Challenge» an jeder beliebigen Stelle mit Getränken versorgt werden, während sonst die Verpflegung nur alle fünf Kilometer an fixen Getränkestationen erlaubt ist. «It’s not about the world record, it’s about making history» sagt Kipchoge. «Es geht nicht um den Weltrekord. Es geht darum, Geschichte zu schreiben.»

Wo verläuft die Strecke?
Der Lauf startet auf der Wiener Reichsbrücke und wird nach einer circa 1,2 Kilometer langen Startpassage im Wiener Prater stattfinden. Der Marathon wird auf einem 9,6 Kilometer langen Pendelkurs ausgetragen. Zentrum der Strecke ist die Hauptallee, die legendäre, völlig gerade und baumgesäumte Strasse, die durch das Herz des Praters läuft. Eliud Kipchoge wird die 4,3 Kilometer lange Hauptallee achtmal in voller Länge hin und zurück laufen sowie an den Enden der Gerade jeweils das Lusthaus bzw. den Praterstern umrunden. Beim Wendepunkt sei zur Schonung der Kräfte eine kleine Steilkurve geschaffen worden. Dadurch seien etwa 13 Sekunden einzusparen, heisst es.

Nach der letzten Umrundung des Pratersterns läuft Kipchoge die letzten rund zwei Kilometer auf der Hauptallee ins Ziel. Das Ziel befindet sich direkt auf der Prater Hauptallee, nahe der Kreuzung Meiereistrasse und Marathonweg.


Was sind die besten Plätze zum Zuschauen?
Der Zugang zur Strecke ist frei, es sind keine Eintrittskarten für den Anlass nötig. Zuschauer können sich ihren Platz an der Hauptallee frei wählen. Abgesehen vom Zielbereich werden zwei weitere Fan-Zonen mit LED-Screens, Entertainment und Moderation eingerichtet. Bei der Fan-Zone Kaiserallee kann jeder am Rekord-Laufband «Tumbleator» versuchen, für kurze Zeit das Marathontempo von Eliud Kipchoge zu laufen. Wie das enden dürfte, sehen Sie weiter oben.

Die Streckenführung.
Bild: https://www.ineos159challenge.com

Warum findet der Anlass in Wien statt?
Nach einem ausführlichen weltweiten Begutachtungsprozess wurde Wien als jener Schauplatz ausgewählt, der Kipchoge die optimalen Bedingungen bietet. Eine flache Strecke, zu erwartende konstante Witterungsbedingungen, geringer Zeitunterschied von nur einer Stunde zu Kenia, die Unterstützung der Stadt Wien und die Lage der Laufstrecke in der Stadt, um Zuschauer an die Strecke bringen zu können, zählten zu den Kriterien.

Wer organisiert die Veranstaltung?
Das Team des Vienna City Marathon / Enterprise Sport Promotion ist lokaler Veranstalter der «Ineos 1:59 Challenge» in Wien. Auftraggeber und finanzielle Kraft hinter dem Rekordversuch ist das britische Chemie-Unternehmen Ineos, das etwa auch im Segel- oder Radsport aktiv ist.

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