Amazons neue Alexa-Geräte: Das Erwachen der Sprachsteuerung

Pascal Landolt

20.9.2018 - 21:26

Ein «Echo»-Gerät in jeder Wohnung: Amazon überschwemmt uns geradezu mit neuen Geräten mit dem smarten Sprachassistenten «Alexa». Dahinter steckt eine gewagte Strategie.
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Die Sprachsteuerung kommt, und sie wird unser Leben verändern: Das sieht jedenfalls Amazon so und überschwemmt den Markt geradezu mit günstigen Geräten, die sich über den smarten Assistenten Alexa steuern lassen.

Von Amazon sind wir uns ja gewohnt, dass sie alles ein bisschen anderes machen – so wie die jüngst angekündigten 3'000 Ladengeschäfte, die gänzlich ohne Kassenpersonal auskommen sollen.

Jetzt aber will der US-Amerikanische Internetkonzern tief in unsere Wohnungen vorstossen und dabei die Nutzer umerziehen: Statt mit den Fingern sollen wir in Zukunft unsere Geräte per Sprachbefehl steuern. Am Donnerstag Abend Schweizer Zeit enthüllte Amazon in einer Präsentation deshalb gleich eine Fülle neuer Geräte, die mit seinem digitalen Assistenten Alexa kompatibel sind:

Amazon Echo Dot und Echo Plus

Echo Dot ist ein kleiner Lautsprecher in der Grösse eines Hockey-Pucks, dessen Hauptaufgabe darin besteht, einen günstigen Einstieg ins Alexa-Ökosystem zu bieten. Nicht nur spielt der Echo Dot Musik ab, er nimmt auch Sprachbefehle des Nutzers entgegen. Damit lässt sich eigentlich schon ein ganzes Smart Home steuern. In seiner neuesten Version bekommt der Echo Dot ein Gehäuse, das mit Stoff umspannt ist – dem Apple HomePod nicht ganz unähnlich. In den USA kostet der Dot rund 50 Franken.

Amazon Echo Dot: Versteht Sprachbefehle und spielt Musik ab, bleibt dabei aber günstig.
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Der Amazon Echo Plus ist die grössere Variante des Dot und verfügt über zusätzliche Sensoren, wie einem Thermometer. Damit kann man sich bei Alexa nach der aktuellen Raumtemperatur erkundigen. Ebenfalls gilt der 150-Fränkige Echo Plus als Hub, an den Haushaltsgeräte angeschlossen und so angesteuert werden können.

Amazon Echo Sub

Der Echo Sub ist ein 129-Franken-Subwoofer, der sich mit oben genannten Echos koppeln lässt und den bisweilen leicht scheppernden Sound des Echo Dot mit kräftigem 100-Watt-Bass untermalen. Mit zwei Echo Sub gekoppelt, lässt sich beispielsweise schon ein 2.1-Soundsystem zusammenbasteln.

Der Echo Sub lässt sich mit anderen Echo-Geräten zu einem Soundsystem koppeln.
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Amazon Echo Input

Mit Amazon Echo Input lässt sich praktisch jeder Lautsprecher zu einem netzwerkfähigen Speaker mit Alexa-Unterstützung machen. Es hat einen Durchmesser von rund 10 Zentimetern, die Verbindung zu Lautsprechern oder Stereoanlagen von Drittherstellern erfolgt mittels Bluetooth oder über ein ganz normales Kabel. Einmal angeschlossen, kann der Nutzer das Gerät dann wie die anderen Echo-Produkte per Sprachbefehl steuern.

Mit Amazon Echo Input lässt sich aus jedem Speaker ein vernetztes Gerät machen.
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Die Amazon-Mikrowelle

Der Konzern plant offenbar eine ganze Reihe von eigenen Haushaltsgeräten mit integrierter Alexa-Unterstützung unter der Amazon Basics-Serie. Den Anfang macht eine Mikrowelle, die Sprachbefehle wie «koche drei Minuten auf höchster Stufe» umsetzt. Ganz in Amazon-Manier wird sie mit einem Dash Button ausgeliefert, mit dem sich Popcorn auf Tastendruck beim Online-Warenhaus bestellen lässt.

Amazon Smart Plug

Was, wenn man aber bereits lieb gewonnene Haushaltsgeräte hat, von denen man sich einfach wünscht, sie wären nur ein bisschen klüger? Für den Fall hat Amazon den Smart Plug am Start, mit dem sich analog zum Echo Input Geräte, die sich an einer Steckdose befinden, ansteuern lassen. Das ist vergleichbar mit bisherigen Lösungen auf dem Markt wie beispielsweise dem myStrom WiFi Switch, der bei Swisscom erhältlich ist.

Mit dem «Smart Plug» lassen sich am Strom angeschlossene Geräte per Sprachbefehl an- und wieder ausschalten.
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Die weiteren Neuheiten

Daneben hat Amazon an seinem kurzfristig einberufenen Event noch eine Menge weiterer Geräte und technischer Lösungen präsentiert, wie den Echo Show, ein smarter 10-Zoll-Bildschirm für Rezepte und zum Skypen mit den Liebsten, oder Alexa Guard, mit dem die Echo-Reihe dank Kameras und Mikrofone zum Wachhund fürs vernetzte Heim wird. Oder Echo Auto, ein kleines Kästchen, das man in seinem Auto aufstellt und sich per Bluetooth verbindet. Echo Auto ist natürlich mit dem smarten Zuhause verbunden, sodass, wenn man nach Hause kommt, einem beim Schritt durch die Tür bereits das Lieblingslied aus der Stereoanlage entgegenschallt. Eines jedoch haben alle vorgestellten Neuheiten an diesem Event gemeinsam:

Einschätzung: Finger bald optional

Amazon hat sich mal wieder als Trendsetter geoutet und eines klar gemacht: Die Zukunft der Elektronik sieht der Internet-Konzern in der Sprachsteuerung.

Die Implikationen sind klar: Unsere Stimme wird das nächste Interface für die digitale Welt. Den Einstieg machen seit jeher die Assistenten von Amazon und Google, die sich rasend schnell verbreiten. Und hier doppelt Amazon nun gleich mehrfach nach. Die Folgen werden so tiefgreifend sein wie beim Smartphone, und auch Menschen den Zugang zu Technologie ermöglichen, die bisher keine Möglichkeit dazu hatten.

So wie Robert Downey Jr. (links) seinen «Iron Man»-Anzug steuert, sollen wir bald mit all unseren Küchengeräten kommunizieren: Per Sprachbefehlen.
Marvel
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