Facebook-Mitarbeiter rebellieren gegen Zuckerberg

dj

2.6.2020 - 12:39

Mark Zuckerberg hat bisher immer das getan, was Trump wollte.
Keystone

Immer mehr Facebook-Mitarbeiter stellen sich öffentlich gegen den Appeasement-Kurs ihres Chefs in Bezug auf Donald Trump. Gestern traten sie in einen virtuellen Streik.

Mark Zuckerbergs Appeasement-Kurs gegenüber dem immer radikaler werdenden Donald Trump stösst in der Facebook-Mitarbeiterschaft auf zunehmenden Dissens. Zahlreiche Mitarbeiter positionierten sich öffentlich — meistens ausgerechnet auf der Konkurrenz-Plattform Twitter — gegen Zuckerbergs Unternehmensführung, wie «Bloomberg» meldet.

Am Montag haben Hunderte Mitarbeiter auch an einem «virtuellen Streik» teilgenommen, da die Angestellten aufgrund der Corona-Pandemie natürlich noch grösstenteils im Homeoffice arbeiten. Stattdessen meldeten sie sich im internen Arbeitsverwaltungssystem von Facebook für den Tag ab.

Intern ist die Kritik an Zuckerberg noch offensiver. «Zusammen mit schwarzen Angestellten und allen Personen mit einem Gewissen rufe ich Mark [Zuckerberg] dazu auf, die Beiträge des Präsidenten, in denen er sich für Gewalt und Mord gegenüber Schwarzen ausspricht, unverzüglich zu löschen», heisst auf einem internen Mitarbeiter-Forum laut «New York Times». Das Ausmass an interner Unzufriedenheit mit Zuckerberg sei in der 15-jährigen Geschichte von Facebook beispiellos, so die Zeitung.

Twitter handelt, Facebook nicht

Jüngster Anlass für die internen Facebook-Spannungen sind gewaltverherrlichende Posts von Trump zu den landesweiten Protesten in den USA, in denen er Schusswaffengebrauch androhte. Twitter versah den Post auf seiner Plattform mit einem Warnhinweis und schränkte dessen Reichweite ein, Facebook tat nichts. Erst wenige Tage zuvor hatte Twitter einen wahrheitswidrigen Tweet Trumps zu Briefwahl mit einem Faktencheck versehen. Auch hier unternahm Zuckerberg nichts und griff stattdessen Twitter auf Trumps Haussender Fox News an.

Trump facht die Unruhen in den USA immer wieder an.
Keystone

Der Facebook-Chef rechtfertigte sein Vorgehen am Freitag in einem langen Beitrag auf seiner persönlichen Facebook-Seite. Er würde in einem starken Masse den Aussagen Trump nicht zustimmen, doch die Menschen müssten offen die Meinungsäusserungen von Personen in Machtpositionen unter die Lupe nehmen können. Zuckerberg verschwieg in dem Beitrag, dass er mit Trump persönlich am selben Tag telefonierte, wie «Axios» am Sonntag enthüllte.



Facebook «ermöglicht Gewaltaufrufe»

Zuckerbergs bisherige Versuche, die Wogen zu glätten, hatten den gegenteiligen Effekt. Am Montag hielt Zuckerberg eine Videokonferenz mit schwarzen Bürgerrechtsorganisationen ab. Diese zeigten sich danach zutiefst enttäuscht vom Facebook-Chef, wie «Bloomberg» berichtet. Zuckerberg weigere sich, anzuerkennen, wie Facebook Trumps Aufrufe zu Gewalt gegen Demonstranten ermögliche, heisst es in einem Statement:

Am heutigen Dienstag möchte Zuckerberg eine Videokonferenz mit seinen Mitarbeitern durchführen. Diese sollen ihn dort direkt befragen können. Hält Zuckerberg an seiner Strategie fest, dürfte er auf wenig Zustimmung treffen. Bei einer internen Umfrage unter Facebook zu Zuckerbergs Umgehen mit dem Trump-Post signalisierten über 1000 Mitarbeiter ihre Ablehnung, nur 19 schlugen sich auf die Seite ihres Chefs, meldet die «New York Times».

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