Kryptojacking: Wenn Hacker sich heimlich über fremde PCs bereichern

20.8.2018 - 14:00, dpa/dj

Beim Kryptojacking wird der Computer von Internet-Nutzern heimlich im Hintergrund mitgenutzt.
iStock

Der Bitcoin-Hype hat zuletzt etwas nachgelassen, begehrt ist das Kryptogeld aber immer noch. Um an neue Digitalmünzen zu gelangen, nutzen Hacker eine Masche, die fremde Computer zum Schürfen der Bitcoins missbraucht. Auch hier gibt es Methoden, um sich vor diesem Missbrauch zu schützen.

«Das System hat in der letzten Stunde Malware gefunden», heisst es in der Mail, die Hajo Löffler an diesem Vormittag im Computerraum der Heinrich-Heine-Schule in Heikendorf bei Kiel erhält. Es ist Mitte Januar und im Internet kostet eine Einheit Bitcoin noch immer so viel wie ein Kleinwagen.

Löffler ist Informatiklehrer, in seinem Bereich hat er die Hoheit über 80 Personal Computer. Welcher den Virenalarm ausgelöst hat, ist schnell herausgefunden, die Ursache ebenso: In Vorbereitung aufs Abitur hatte ein Schüler im Internet eine Lernhilfe-Website aufgerufen, deren Inhalt genauso unverfänglich war wie die zugehörige Adresse.

«Die Seite sah absolut seriös aus», sagt Löffler. Das Problem dahinter: Solange man sich auf der Website aufhielt, wurde im Hintergrund für den Betreiber unbemerkt Kryptogeld geschürft – auf Kosten des jeweiligen Besuchers.

Rechenkraft der Opfer wird genutzt

«Kryptojacking» nennt sich diese Malware, die etwa seit vergangenem Herbst verstärkt im Umlauf ist. Dabei funktioniert sie nicht nur über die Einbettung im Programmcode betroffener Webseiten, sondern kann auch klassisch über einen Trojaner auf fremde Rechner gelangen.

Zwar sind die Kurse der gängigen Cyberwährungen derzeit weit entfernt von ihren Höchstständen von Ende Dezember. Bitcoin, die wohl bekannteste aller virtuellen Währungen, hat seitdem zum Beispiel stark an Wert verloren.

Auch Ethereum, Ripple oder Monero haben nachgegeben. Den Sicherheitsforschern von Malwarebytes zufolge hat das zuletzt auch zu einem leichten Rückgang bei weltweiten Kryptojacking-Angriffen geführt.

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Das könnten Anzeichen sein

Dennoch: Mit einem Preis von rund 6000 Franken pro Einheit (BTC) kann diese Methode lukrativ sein. Denn die hohen Stromkosten, die beim sogenannten «Mining» - also dem Erzeugen von Kryptogeld - entstehen, werden durch Ausnutzung der Prozessorleistung der Webseiten-Besucher einfach auf diese abgewälzt. Je mehr Besucher, umso geringer ist dabei folglich der Mining-Aufwand.

Die Betroffenen bekommen davon häufig nichts mit. Ein paar Hinweise kann es aber geben. Zum Beispiel, wenn der Computer immer langsamer wird, die Lüfter aufdrehen oder das Gerät unerwartet heiss wird.

Kryptojacking statt Werbung?

Der finanzielle Schaden hält sich bei alldem zwar in Grenzen - laut einer Berechnung des Computermagazins «c’t» kann der erhöhte Stromverbrauch bis zu einem Euro pro Tag kosten. «Allerdings sind auch Fälle bekannt, wo der Prozessor Schaden genommen hat, weil er auf Hochtouren gelaufen ist», warnt Matthias Gärtner vom dautschen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

In Internetforen erklären sich die Leute das Phänomen Kryptojacking unter anderem damit, dass Webseitenbetreiber dafür auf Onlinewerbung verzichten. Ist Kryptojacking in solch einem Fall also legal?

«Als Besucher müsste man zumindest einen Hinweis darauf bekommen, dass die Rechenleistung gerade für Mining-Aktivitäten in Anspruch genommen wird», sagt Gärtner. «Das ist allerdings nicht immer der Fall.»

Es gibt auch «gutartiges» Kryptojacking

Es gibt aber ein Beispiel für ein gutartiges Kryptojacking. Die australische Sektion von UNICEF hat eine Website aufgesetzt, auf der mit der Zustimmung des Nutzers dessen Rechenleistung zum Minen von Kryptowährung verwendet wird. Die so gewonnenen Coins werden automatisch in Fiatgeld umgewandelt, mit dem wiederum Projekte für Kinder bezahlt werden.

Die Rechenleistung seines PCs kann man auch einem guten Zweck spenden.
UNICEF Australia

Anti-Viren-App installieren und JavaScript deaktivieren

Bis dahin raten Experten Internetnutzern vor allem, ihre Anti-Viren-Programme auf dem neuesten Stand zu halten und das von vielen Minern benötigte JavaScript zu deaktivieren. Gängige Browser wie Chrome oder Firefox halten zudem spezielle Zusatzprogramme bereit, die installiert werden können, um Mining-Software zu blockieren. Manche Werbeblocker können ebenfalls helfen, Webseiten zu erkennen, die für Kryptojacking bekannt sind.

Da auch Unternehmen sehr häufig Ziele von solchen Angriffen sind, sollten Mitarbeiter zudem stärker auf das Problem sensibilisiert werden, sagt NTT-Security-Experte Bader. «Es geht etwa um die Frage, ob Seiten, die ich aufrufe, vertrauenswürdig sind. Man muss hier ein grösseres Sicherheitsdenken schaffen.» Ein sauberes Security-Monitoring vonseiten der IT-Abteilungen könne darüber hinaus helfen, dass manipulierte Seiten gar nicht erst aufgerufen werden.

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