Zankapfel Huawei – China schäumt, die Börsen zittern 

7.12.2018 - 09:25, AFP/phi

Huaweii-Präsentation Ende Oktober 2018 in Shanghai.
Getty Images

Wut in Peking, Angst bei den Börsen: Die Festnahme einer Huawei-Managerin in Kanada sorgt für Emotionen – auch weil Washington von dem Zugriff gewusst haben soll.

Die Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada hat weltweit Ängste vor einem Kollaps der Handelsgespräche zwischen den USA und China ausgelöst. Die Börsenkurse sackten am Donnerstag in den Keller. Die Managerin des chinesischen Telekommunikationskonzerns war auf Betreiben der US-Behörden festgenommen worden. Zu den Gründen gab es keine offiziellen Angaben.



Medienberichten zufolge verdächtigt die US-Regierung den Konzern, gegen die US-Sanktionen gegen den Iran verstossen zu haben. Nach Angaben des kanadischen Justizministeriums verlangen die US-Behörden die Auslieferung Mengs. Für Freitag ist in der westkanadischen Stadt Vancouver eine gerichtliche Anhörung angesetzt, bei der geprüft werden soll, ob sie gegen Auflagen freikommt. Meng ist die Tochter von Konzerngründer Ren Zhengfei.

Börsen rutschen ab

Ihre Festnahme in Vancouver erfolgte bereits am Samstag, wurde aber erst jetzt bekannt. Der Zeitpunkt der Festnahme verleiht dem Vorgang zusätzliche Brisanz: Zeitgleich beriet US-Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping am Rande des G20-Staatengipfels in Buenos Aires über den Handelsstreit zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften der Welt. Dabei vereinten sie eine 90-tägige Waffenpause in dem Konflikt.

Nachdem dies Hoffnungen an den Finanzmärkten auf einen Erfolg der weiteren Handelsgespräche genährt hatte, drehte sich nach Bekanntwerden der Festnahme Mengs die Stimmung. In New York rutschte der Leitindex Dow Jones zwischenzeitlich um drei Prozent ab, bis zum Handelsschluss verringerten sich die Verluste aber auf 0,31 Prozent. Kurseinbrüche hatte es zuvor auch an den asiatischen Börsen gegeben.

Verhaftung angeblich ohne «politische Intervention»

Nach Angaben von Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton wusste das Weisse Haus vorab von der geplanten Festnahme Mengs. Bolton sagte jedoch dem Radiosender NPR, er wisse nicht, ob auch Trump über die bevorstehende Festnahme im Bilde gewesen sei. Kanadas Premierminister Justin Trudeau hob unterdessen hervor, dass der Zugriff ohne «politische Intervention» erfolgt sei, und verwies auf die Unabhängigkeit der kanadischen Strafverfolgungsbehörden.



Die chinesische Regierung protestierte scharf und verlangte die «sofortige» Freilassung Mengs. Die Botschaft in Ottawa sprach von einer einer schweren Verletzung der «Menschenrechte des Opfers». Meng habe weder gegen kanadisches, noch gegen US-Recht verstossen. Huawei erklärte, von keinem Fehlverhalten der Finanzdirektorin zu wissen. Die genauen Vorwürfe gegen Meng seien dem Konzern nicht bekannt.

Westliches Misstrauen

Huawei ist einer der führenden Tech-Konzerne der Volksrepublik und hatte kürzlich dem US-Konzern Apple den Rang als zweitgrösster Smartphone-Hersteller der Welt abgelaufen. Das chinesische Unternehmen ist dem südkoreanischen Marktführer Samsung auf den Fersen.

In vielen Ländern wird Huawei allerdings eine zu grosse Nähe zur chinesischen Führung und zu den dortigen Sicherheits- und Geheimdiensten vorgeworfen. Vor allem die USA verdächtigen den Konzern der Industriespionage, der Zusammenarbeit mit chinesischen Geheimdiensten und Verstössen gegen Sanktionen. Dass Unternehmen weist solche Vorwürfe stets zurück.

Neben Huawei ist der US-Regierung auch der chinesische Telekommunikationsausrüster ZTE ein Dorn im Auge. Im April verbot sie dem Chiphersteller Qualcomm, ZTE weiter zu beliefern, was sie mit Verstössen des chinesischen Unternehmens gegen Iran- und Nordkorea-Sanktionen begründete. Das Verbot wurde dann allerdings im Juli wieder aufgehoben.

Was Sie bei chinesischen Billig-Smartphones beachten müssen:

Zurück zur Startseite

Weitere Artikel