Zuckerberg attackiert Facebook-Whistleblowerin

Von Dirk Jacquemien

6.10.2021

Mit Aussagen vor dem Kongress hat Mark Zuckerberg schon mehr Erfahrung, als ihm lieb sein kann.
Mit Aussagen vor dem Kongress hat Mark Zuckerberg schon mehr Erfahrung, als ihm lieb sein kann.
Keystone

Nach tagelangem Schweigen hat sich nun auch Facebook-CEO Mark Zuckerberg persönlich zu den Vorwürfen einer Whistleblowerin geäussert.

Von Dirk Jacquemien

6.10.2021

Facebook-CEO Mark Zuckerberg hat sich erstmals persönlich zu den Vorwürfen der Whistleblowerin Frances Haugen geäussert. Eigentlich hatte Zuckerberg geplant, sich nur noch zu positiven Nachrichten zu Facebook wie neuen Produkten zu Wort zu melden, um den eigenen Ruf aufzupolieren. Doch die erneute PR-Krise, die Haugens gestrige Aussagen vor dem Kongress ausgelöst haben, erforderten nun doch eine Intervention von ganz oben.

In einem Brief an seine Angestellten, den Zuckerberg auch auf dem eigenen Facebook-Profil veröffentlichte, beschwert er sich, dass ein «falsches Bild» von Facebook erzeugt werde. Die Vorwürfe seien vor allem «unlogisch», Facebook hätte gar kein Interesse daran, seine Nutzer*innen «wütend» zu machen, weil das schlecht für den Verkauf von Werbung sei.



Facebook droht das «Big Tobacco»-Schicksal

Den Vergleich, den Facebook offenbar am meisten fürchtet, ist die Gegenüberstellung mit den Geschäftspraktiken von Tabakunternehmen. Diese verleugneten über Jahrzehnte das Abhängigkeitspotenzial von Nikotin, obwohl sie es besser wussten. Whistleblower entlarvten diese Lügen. Seit den 1990er ist das einst auch die Politik dominierende «Big Tobacco» deswegen auf dem absteigenden Ast.

Auch Haugen zog den Vergleich mit «Big Tobacco». Wenn Zuckerberg nun sagt, dass Facebook seine Nutzer*innen nicht bewusst «wütend» machen würde, verdreht er aber den Vorwurf, der seinem Unternehmen gemacht wird.

Das Ziel von Tabakkonzernen ist es nicht, Menschen zu schädigen. Das Ziel von Tabakkonzernen ist möglichst viele Menschen dazu zu bringen ihre Produkte möglichst oft zu nutzen. Die gesundheitliche Schädigung der Kund*innen wird dabei billigend in Kauf genommen. Das meinte Haugen in Bezug auf Facebook, als sie aussagte, dass es «Profite über die Sicherheit» stelle.



Facebook stellt Kompetenz von Haugen infrage

Schon unmittelbar nach der Anhörung gestern hatten Facebook-Pressesprecher*innen Haugen angegriffen, mit dem Tenor, sie sei ein Niemand gewesen und wisse von nichts. «Heute hielt ein Unterausschuss des Senats eine Anhörung mit einer ehemaligen Produktmanagerin ab, die kürzer als zwei Jahre in der Firma arbeitete, keine Untergebenen hatte und nie an entscheidenden Sitzungen mit Spitzenmanager*innen teilgenommen hat», heisst es in der Facebook-Stellungnahme.

Ausserdem wirft Facebook Haugen vor, doch gar nicht direkt mit dem eigentlichen Thema der Ausschussssitzung — dem Schutz von Kindern online — während ihrer Zeit bei Facebook gearbeitet zu haben. Unausgesprochen blieb dabei, dass Haugen Tausende Seiten an internen Facebook-Dokumenten mitbrachte, die ihre Aussagen untermauerten.



Forderungen an die Politik

In seinem Brief beschwert sich Zuckerberg auch, dass vonseiten der Politik keine zeitgemässen Gesetze zur Regulierung von Social-Media-Plattformen in Aussicht sind. Er hatte schon mehrfach entsprechende Gesetze gefordert.

Seine letzten relativ konkreten Vorschläge im März wurden allerdings von US-Abgeordneten umgehend abgelehnt, da sie in der realen Welt eher dazu führen würden, dass Facebooks dominante Position bei Social Media gefestigt werde und es stattdessen schwieriger für neue Social-Media-Dienste würde, sich zu etablieren.