Rolle in «Ford vs. Ferrari»: Bündner gibt in Hollywood Vollgas

10.2.2019 - 14:00, Marlène von Arx

Gian Franco Tordi ist mit 28 Jahren nach Los Angeles gegangen um Schauspieler zu werden. Nun spielt der 46-Jährige neben lebenden Legenden.
Marlène von Arx

Der St. Moritzer Gian Franco Tordi spielt im Hollywood-Streifen «Ford vs. Ferrari» neben Christian Bale und Matt Damon. Ein Trost, nachdem er eine Rolle im oscar-nominierten «Green Book» ablehnen musste. Wie das kam, verrät er im Gespräch mit «Bluewin».

Es hat nicht sollen sein: Gian Franco Tordi hat knapp eine Rolle in «Green Book» verpasst. Der Bündner ist seit Jahren mit Nick Vallelonga befreundet, sie haben auch schon zusammen gedreht. Vallelonga ist der Drehbuchautor, Produzent und Sohn der «Green Book»-Hauptfigur Tony Lip (gespielt von Viggo Mortensen), der Anfang der 60er Jahre einen schwarzen Jazz-Musiker als Fahrer durch die Südstaaten begleitet und seine eigenen rassistischen Sentimente zu überwinden lernt.

«Nick rief mich an, er bräuchte mich für drei Tage in New Orleans. Er hätte einen Part für mich als eines der Familienmitglieder von Tony, aber ich war zu jener Zeit als Moderator vom ‹Polo und White Turf›-Pferderennen in St. Moritz engagiert und konnte die Rolle nicht annehmen», bedauert Tordi das unglückliche Timing. Bei einem Morgen-Kaffee nicht weit vom berühmten Rodeo Drive in Beverly Hills erinnert er sich an die Enttäuschung zurück – die aber eben auch dazugehört in Hollywood. Er lässt sich davon nicht unterkriegen, denn er weiss: Schon um die nächste Ecke kann die nächste Chance warten.

Der Bündner Schauspieler Gian Franco Tordi bei einem Selfie mit Hollywood-Kolumnistin Marlène von Arx.
Marlène von Arx

Und prompt: Inzwischen hat er die Rolle des Sicherheits-Chefs von Gianni Agnelli (seines Zeichens Fiat-Boss und Onkel von Ferrari-Fahrer Ludovico Scarfiotti) in «Ford vs. Ferrari» gelandet. Christian Bale spielt den Ford-Fahrer Ken Miles und Matt Damon den Ford-Designer Carroll Shelby. Der Film dreht sich um das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1966, in dem der Schweizer Jo Siffert auf Porsche Vierter wurde. James Mangold («Walk the Line», «Logan») führt Regie.

«Das war eine ganz interessante Erfahrung für mich», erinnert sich Gian Franco Tordi. «Normalerweise bin ich ziemlich nervös auf dem Set, weil ich allgemein eine nervöse Person bin und diese Anspannung auch brauche, um zur Höchstform aufzulaufen. Aber als James Mangold zu mir sagte, dass sei jetzt mein grosser Moment und ob ich parat sei, war ich so ruhig wie noch nie – trotz grosser Party-Szene und 200 Statisten! Ich kam auf ein höheres schauspielerisches Niveau. James Mangold hat mich aus allerlei Winkeln gefilmt. Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben.»

Von den Brettern auf die Bühne

Gian Franco Tordi wusste bereits mit acht Jahren, als er in einem Theaterstück in Samedan GR mitwirkte, dass er Schauspieler werden wollte. Mit 28 fasst er nach ein paar Saisons als Ski- und Snowboard-Lehrer den Mut, nach Hollywood auszuwandern und eine Schauspielausbildung zu absolvieren. Am Anfang hat er hin und wieder Nicolas Cage gedoubelt: «Ich höre es sicher zweimal pro Tag, dass ich ihm ähnlich sehe», was Tordi nicht unbedingt als Kompliment empfindet. «Für die Karriere ist es nicht gut. Bereits bei zwei Castings für Werbespots hat man mich auf die Ähnlichkeit angesprochen und mich deswegen nicht engagiert.»

Gian Franco Tordis Ähnlichkeit zu Nicolas Cage (l.) hat ihm nicht immer geholfen in seiner Karriere.
Keystone

Der Gedanke, die Zelte in Los Angeles abzubrechen, kam dem 46jährigen auch schon. Aber letztlich braucht er beides: die Ruhe und Stabilität der Schweiz und das Chaos und die Unbeständigkeit von Los Angeles: «Ich kann auch nicht aufgeben. Kämpfen zu müssen ist gut für mich. Hier stehe ich um 5.30 Uhr auf und pusche mich den ganzen Tag. In der Schweiz liege ich schnell mal bis um 9 Uhr im Bett.» Und nach jedem Tief kommt bekanntlich wieder ein Hoch. Ist die Frustration am Grössten, passiert wieder etwas, das zum Bleiben motiviert, wie eine kleine Rolle in «The Good German»,  wo er eine Szene mit George Clooney hatte: «Er ist wirklich ein sehr lustiger, umgänglicher Typ. Er erzählte mir von seiner Zeit in St. Moritz, als seine Ex Elisabetta Canalis dort einen Film drehte.»

Inzwischen hat der Single mit italienischen Wurzlen, der in einer Dreizimmerwohnung in Studio City nahe des städtischen Wandergebiets lebt, gelernt, schwierige Momente in gute Energie umzuwandeln – und in einen Stand-up-Comedy-Act: «Die Inkompetenz und Unfreundlichkeit hier stresst mich manchmal schon sehr, dagegen gibt es nur Sport, Alkohol oder Stand Up», lacht er. «Mit Stand-up habe ich ein kreatives Ventil gefunden.»

«Mein Herz ist in St. Moritz»

Einen ähnlichen Sinn für Humor hat auch der Soap-Star Ronn Moss («The Bold and the Beautiful»). Die beiden haben sich bei einer Party eines Produzenten kennengelernt und verstanden sich auf Anhieb. Gian Franco Tordi lud den Amerikaner darauf nach St. Moritz ein, wo die beiden für die Show «Enjoy St. Moritz» einige Sketches aufzeichneten. Und jetzt wollen sie einen ganzen Film zusammen im Engadin drehen. «Er hat eine romantische Komödie geschrieben, die in Malibu spielen sollte, aber jetzt will er in St. Moritz drehen, weil es ihm so gut gefallen hat.»

Dem Bündner kann es recht sein. Denn mittlerweile wird er öfters von Heimweh geplagt. «Je älter ich werde, desto mehr vermisse ich meine Eltern und meinen Bruder in St. Moritz. Mein Herz ist dort.» Sein Traum wäre es, sieben Monate pro Jahr in Los Angeles zu verbringen und fünf Monate in der Schweiz. Er würde beispielsweise gern etwas fürs Schweizer Fernsehen machen. «Ich habe da auch schon ein paar Ideen», meint er geheimnisvoll. Aber zuerst drückt er jetzt mal seinem Kumpel Nick Vallelonga und «Green Book» für die Oscars am 24. Februar die Daumen.

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