Kolumne am Mittag Janet Jackson war zwar nie weg, ist nun aber wieder da – und wie ...

Von Philipp Dahm

18.2.2020

Es schien lange, als habe Janet Jackson ihre Erfolge bloss im Windschatten ihres noch berühmteren Bruders Michael erzielt. Stimmt doch überhaupt nicht – und jetzt hat die 53-Jährige auch noch einmal ein grosses Vorhaben.

In «The Tonight Show with Jimmy Fallon» spielen der Gastgeber und seine Hausband «The Roots» immer wieder Stücke mit prominenten Sängern und Bands ein – die «Kinderinstrumente» sorgen für ein besonderes Flair. Zuletzt gab Janet Jackson in diesem Format ihr Stelldichein.

Die Truppe spielte ihren Song «Runaway» aus dem Jahr 1995. Wenn Janet die Strophen singt, erinnert sie einen daran, wie samtweich ihre Stimme doch ist, wie sie die Ohren umschmeicheln kann – «Spring time in Paris feels so good to me».

Und wenn sie im Refrain die Stimme hebt und man die Augen schliesst, könnte man schwören, ihren Bruder Michael zu hören: «And I just know we'll have a good time».

Papa als Manager

Die 53-Jährige steht nicht ohne Grund wieder im Rampenlicht: Janet Jackson hat gerade eine neue Tournee angekündigt. Die Black Diamond World Tour beginnt im Juni 2020 und zieht zuerst durch die grossen Arenen und Stadien der USA, bevor sie nach Europa kommt.

Janet Jackson im Januar 2020 in Beverly Hills, Kalifornien.
Janet Jackson im Januar 2020 in Beverly Hills, Kalifornien.
Bild: Keystone

Zuvor war es scheinbar still um die Sängerin geworden: War das womöglich den Enthüllungen um ihren Bruder geschuldet? Michael Jackson war 2009 gestorben, erst im letzten Jahr war er in der Dokumentation «Leaving Neverland» abermals als pädophil bezeichnet worden. Seine Hits werden längst deutlich seltener im Radio gespielt.

Doch darf man Janet eigentlich noch guten Gewissens zuhören?

Leaving Neverland

Was man der Frau aus Gary, Indiana, zugutehalten muss: Janet J. hat schon immer versucht, auf eigenen Füssen zu stehen. Weil Joseph Walter Jackson den Job des Managers innerhalb der Musik-Familie übernahm, wuchs Tochter Janet knallhart auf – als sie acht Jahre alt war, beschied ihr herzloser, profitorientierter Vater ihr, sie solle ihn «Joseph» statt «Dad» nennen. er sei nun in erster Linie ihr Agent.

Fünf Nummer-eins-Alben am Stück

Bevor das Album «Thriller» ihren Bruder in das Musik-Olymp katapultierte, probierte die Jüngste der zehn Geschwister ein wenig aus: Von 1978 bis 1982 übernahm sie Rollen in Serien wie «Good Times», «A New Kind of Family», «Diff'rent Strokes» oder «Fame». Ihr Debüt-Album «Janet Jackson» erschien zwei Monate vor «Thriller», und es sollte noch vier Jahre dauern, bis eine LP von ihr an den Charterfolg des Bruders anknüpfen konnte.

Tatsächlich erreichen ihre nächsten fünf Studioalben bis 2001 allesamt Platz eins in den US-Charts: «Control«, «Rhythm Nation 1814», «janet.», «The Velvet Rope» und «All fo You» überzeugen auch durch ihren ganz eigenen Stil. Auch «Discipline« von 2008 und «Unbreakable» von 2015 erreichen diesen Spitzenplatz – zugegeben aber mit ganz anderen Verkaufszahlen als noch anno dazumal.

Eigener Stil: Janet Jacksons «Got Til It's Gone».

Eines hat die Jackon dabei nie getan: Sich auf den Lorbeeren ihrer Familie ausgeruht. «Die Leute denken, ich stehe auf meinen Nachnamen«, sagte sie 1993, als «janet.» auf Platz eins der Charts einstieg. «Deswegen wählte ich meinen Vornamen für den Titel Janet. und weil ich meine Brüder nie frage, ob sie für mich Musik schreiben oder produzieren.»

Bestbezahlter Windschatten

Ihre eigenen Erfolge gehen im Windschatten des «King of Pop» nur scheinbar unter. Denn 1991 macht sie «Virgin Records» zur bestbezahlten Musikerin – nur ihr Bruder Michael bekommt mehr. Fünf Jahre später wird sie per Vertragsverlängerung erneut zur bestbezahlten Künstlerin der Welt.

Eigentlich war Janet Jackson also nie von der grossen Bühne verschwunden – auch wenn sie von manchem in den letzten Jahren vielleicht nur noch mit Nipplegate assoziiert wurde. 2004 hatte sie beim laszives Tanzen mit Justin Timberlake in der Halbzeitshow des Super Bowl Anstoss erregt: Seither lässt die US-Behörde FCC Live-Veranstaltungen nur mit Verzögerung übertragen, um noch rechtzeitig eingreifen zu können.

Skandal: Janet Jackson und Justin Timberlake sorgten 2004 für das «Nipplegate»…
Skandal: Janet Jackson und Justin Timberlake sorgten 2004 für das «Nipplegate»…
Bild: Keystone

Janet J. lässt sich jedenfalls nach wie vor nicht vorschreiben, wie sie zu leben hat. 2010 lernt sie einen Geschäftsmann aus Katar kennen und heiratet Wissam Al Mana zwei Jahre später. Von ihr bekommt die Sängerin im Januar 2017 ein Kind – mit 51. Nur drei Monate nach der Geburt wird bekannt, dass sie dem Vater schon wieder den Laufpass gegeben hat und die Scheidung anstrebt.

Black Diamond – Härter denn je

Und nun steht die Frau mit den 27 Nummer-eins-Hits in den Startlöchern für ihre Black-Diamond-Tour. Schwarze Diamanten sind jene Edelsteine, die am härtesten zu zerschneiden sind, sagt sie. Und: Weil die vielen Jahre im Showbiz sie so hart gemacht hätten, hätten Album und Tour diesen Namen bekommen. Das passt zum alten Album «Rhythm Nation 1814», dass gerade 30-jähriges Bestehen feierte und extra in die Show eingebunden werden soll.

Huch! Diese Stars sind schon jenseits der 50

Warum? Der grösste Hit des Albums war der Song «Nasty», den Janet als Teenager in Minneapolis aufnahm – eine Freundin war zuvor auf der Strasse von Typen schräg angemacht worden. Ihr unbeugsamer Charakter und ihr Unwillen, bloss voranzukommen, nur weil sie eine Jackson ist, zeigte sich schon vor über 30 Jahren.

Und Sippenhaft gibt es ja auch nicht mehr: Janets Lyrics bleiben also aktuell: «No my first name ain't baby / It's Janet / Miss Jackson if you're nasty / Oh you nasty boys / Don't mean a thing to me».

Regelmässig gibt es werktags um 11.30 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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