Mir stinkt's mit diesen Vagina-Düften

Julia Wagner

13.2.2020 - 11:29

Plant Vagina-Räucherstäbchen mit dem Namen «Badu's Pussy»: Sängerin Erykah Badu.
Bild: Getty Images

Neulich die Vagina-Duftkerze von Gwyneth Paltrow, nun jene von Erykah Badu. Das Geschäftsmodell Unterleib nimmt Fahrt auf. Das ist gar nicht dufte.

Während Promifrauen früher gerne ihren VIP-Status nutzten, um Schmuck, manchmal aber auch Sandalen, Wandtapeten, Lipgloss oder anderen Lifestyle-Klimbim zu verkaufen, scheint es heute der neue Hype zu sein, einen Duft zu lancieren, der wie die eigene Vagina riecht.

Gwyneth Paltrow war die erste mit ihrer «This Smells Like My Vagina»-Duftkerze – und irgendwie dachte ich, so schnell wie dieser Unsinn aufgetaucht ist, wird er wieder verschwinden. Denkste!

Gestern vermeldete der britische Guardian, dass nun Musikerin Erykah Badu Räucherstäbchen mit Vagina-Duft («Badu's Pussy») verkaufen wird. Ihr Kommentar dazu: «Die Leute verdienen das!»



Ehrlich, ich bin nicht sicher, ob wir das verdienen. Ich zum Beispiel will weder wissen, wie Frau Paltrows noch wie Frau Badus Geschlechtsteile riechen. Ich finde aber auch nicht, dass Erykah Badu das verdient hat, wenn ich mir vorstelle, dass man sich irgendwann nicht mehr an ihr grossartiges Debütalbum «Baduizm» oder an ihre Grammys erinnert, sondern an ihren «Pussy-Duft».

Früher Kochbuch, heute Vagina

Wenn man früher als Star länger keinen Film gedreht oder kein Album produziert hat – Badus letztes erschien 2015 –, dann gab es immer noch die Möglichkeit, sich mit einer Schmuckkollektion wieder ins Gespräch zu bringen oder einem eiligst vom Ghostwriter verfassten Kochbuch. Heute bringt man anscheinend einfach die eigene Vagina ins Gespräch.

Ich bin ziemlich sicher, dass Muschi-Marketing ernsthaft das neue Ding werden könnte. Es ist garantiert kein Zufall, dass GP vor einer überdimensionalen Vagina posierte, um Werbung für ihre Netflix-Serie «The Goop Lab» zu machen. Was sollte man schon gegen das Sinnbild der Weiblichkeit in Zeiten von #empowerment sagen?

Ist es nicht voll super feministisch, wenn man das Wohnzimmer nach seiner Intimzone beduftet? Und ist es nicht voll-antifeministisch und verklemmt, wenn man das nicht supertoll findet?



Äh, ist es nicht. Ganz einfach, weil es nur darum geht, die Kasse klingeln zu lassen mit Lifestyle-Produkten, die die Welt nicht braucht. Ich für meinen Teil wünsche mir da ja sogar die Zeiten zurück, in denen mir Prominente Fertigteilhäuser, Schmuck oder Spaghetti-Saucen andrehen wollten.

Das war ehrliches Verzweiflungs-Marketing, wenn es mal beruflich nicht so gut lief. Die neue Art des Verkaufs unter dem Deckmäntelchen des #empowerments stinkt zum Himmel, finde ich. Auch wenn es die wunderbare, eigene Vagina ist.

Zur Autorin: Julia Wagner besuchte als Chefredaktorin von miss und später als Leiterin von Stylebook.de alle wichtigen Fashionweeks dieser Welt. Jetzt pendelt sie als Freelancerin ständig zwischen Berlin, Zürich und Wien – und trägt fast nur noch Hipster-Look: Sneaker, Jeans & Rucksack. Das liegt vor allem daran, dass die Haute Couture nicht ins Handgepäck passt.

Regelmässig gibt es werktags um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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