Ursula Andress? Boah!

Von Markus Wanderl

6.3.2020

Ursula Andress hat einst auch James Bond den Kopf verdreht.
Bild: Getty Images

Heute: Ein linguistischer Exkurs zu Ursula Andress, die einst im cremefarbenen Woll-Bikini dem Meer entstieg.

Als mir neulich im Netz ein Bild von Ursula Andress begegnete, dachte ich Boah und dann an die Linguistik-Vorlesung in den 90ern.

Der Uniprofessor, eine Koryphäe punkto Boah, erklärte die mutmassliche Herkunft jenes Ausrufs. Ich staunte damals, wie es ein solches Wörtchen zu einer solchen Berühmtheit geschafft haben konnte, und ich bin immer noch der felsenfesten Überzeugung, dass Boah seit je ganz sicher bedeutender gewesen ist als Hui.

Sehen die James-Bond-Guckerin und der James-Bond-Gucker und alle anderen heute die Andress in jenem cremefarbenen (Baum-)Woll-Bikini aus dem Wasser steigen wie in jenem ersten Bond-Streifen «Dr. No», heisst es allerdings wohl aus aller Munde: krass. Mir scheint: Die Ausrufe Hui und Boah kommen einfach nicht mehr so inflationär vor wie anno dazumal.

Boah und krass und hui

Boah, wie gesagt, ich staunte, als ich die Andress neulich erblickte, es war ein Bild aus 2004, und ich stöberte, fand zig Fotos von viel früher, eines aus 2017, dachte Boah und krass und hui, las, dass sie, die Andress, nicht mehr so gern im Rampenlicht stünde. Ach ja: Ihr Geburtstag am 19. März wird kein runder sein.

Ursula Andress 2017.
Bild: Getty

Ich stellte dann voll opportun für mich fest, es ist nicht fair anderen Frauen gegenüber, die im Alter vielleicht nicht mehr so schön anzusehen sind wie einst, die Andress stante pede mit Schönheit zu assoziieren. Aber was soll ich machen, wenn mein Hirn noch so tickt, ich bin ein Kind des 20. Jahrhunderts, nicht des 22. Jahrhunderts. In 100 Jahren wird man auch nicht mehr «krass» sagen.

Ein Hoch aufs Original 

Bleibt die Frage, ob Halle Berry in «Stirb an einem anderen Tag» und Daniel Craig als James Bond in «Casion Royale», als sie jeweils auf dieselbe Weise dem Meer entstiegen wie die Andress, jener das Wasser haben reichen können. Ganz eindeutig: no. Aber wem ein schnelles Boah über die Lippen kommt, liegt nicht falsch.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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