Abflug mit Sophia Thomalla

Markus Wanderl

11.11.2019 - 12:01

Sophia Thomalla, Influencerin, ab und an Schauspielerin, Tochter von Simone Thomalla und Ex-Freundin von Till Lindemann, dem Rammstein-Sänger.
Bild: Keystone

Als ich neulich die Influencerin Sophia Thomalla am Flughafen traf, dachte ich darüber nach, wann ein Star ein Star ist. Ist Sophia Thomalla einer?

Beinahe hätte ich Sophia Thomalla, Tochter der deutschen Schauspielerin Simone T., verpasst. Aber ich nahm sie dann doch noch wahr, wie sie am Berliner Flughafen Tegel an mir vorbeischlürfte, einen grossen, schwarzen Rollkoffer hinter sich herziehend, vielleicht so gross, dass sie in ihn hineingepasst hätte. Das ist nicht despektierlich gemeint. Es gibt genug Leute, die gross sind, aber keine Grösse haben.

Sophia Thomalla schaute, wie jemand eben an einem Sonntagabend am Airport und eingedenk einer bevorstehenden Reise in der Enge des Flugzeugs in der Weite des Himmels schaut.

Sophia in der Schlange

Das wusste ich bald genau, dass Sophia Thomalla gleich fliegen würde, denn während mir mein Hirn mich zu meinem Abfluggate zu bewegen befahl, führten mich meine Beine hinter Sophia Thomalla her, dies – Ehrenwort – unaufgeregt, bis Sophia Thomalla sich jener Schlange von Menschen anschloss, die aus diesem und jenen Grund nach Istanbul aufzubrechen gedachten. Und Sophia Thomalla deshalb, weil dort ihr Freund wohnt. Jener Goalie.

Der Fussball-Torhüter Loris Karius und Sophia Thomalla sind seit Anfang 2019 ein Paar. So ungefähr.
Bild: Keystone

Es überschlugen sich die Szenen in meinem Kopf: Wie eben Loris Karius im Champions-League-Final 2018 zu Kiew mit einem schlampigen Abwurf Real Madrids Karim Benzema den Führungstreffer schenkte, wie der deutsche Torwart sodann jenen Weitschuss von Gareth Bale durch die Finger flutschen liess, wie er sich nach Schluss zu den Fans begab, dies weinend winkend, weil seine Fehler die 1:3-Niederlage Liverpools verantwortet hatten, wie ich mich fragte, ob Loris Karius jetzt noch jemals ein wirklicher Star werden könne, also ein Star infolge von überragender (sportlicher) Leistung – um es abzukürzen:

Loris Karius sollte schliesslich im August 2018 an Besiktas Istanbul verliehen werden, und dorthin, nach Istanbul, flog Sophia Thomalla nun. Zu ihrem Freund. Zu Loris. Sie, der grössere Star von beiden.

«Flug zum Fliegenfänger»

Was für ein Trugschluss. Bevor ich auf beiden Instagram-Profilen landete, schickte ich einem früheren Kollegenfreund, fürwahr ein eingefleischter Fan Sophia Thomallas, noch ein frischfotografiertes Foto von Sophia Thomalla, dies aus Lust am Wortspiel und nicht an der Bösartigkeit garniert mit dem Satz: «Flug zum Fliegenfänger» – woraufhin ich die Antwort erhielt: «Wie herrlich ist das denn.»

Ich warf noch einmal einen Blick auf Sophia Thomalla, die mittlerweile in ihr Smartphone tippte – googelte sie, dann Loris Karius, landete jeweils bei Instagram: 1,1 Millionen Follower zu 2,1 Millionen Follower, dann las ich über Sophia Thomalla, dass ausgerechnet der in meiner Geburtsstadt KS, schöne nordhessische Provinz, gedrehte Thriller mit ihr nicht in die Kinos kommen würde, soeben hatte der Produzent Insolvenz angemeldet. Ich dachte mir, KS wird in diesem Leben kein Star mehr, und stellte mir die Frage, ob Loris Karius morgen Montag trainingsfrei haben würde, denn hey, Sophia Thomalla war im Anflug.

Künftig gibt es regelmässig bis unregelmässig um 12 Uhr die Kolumne am Mittag. Heute Teil 1: Sophia Thomalla.

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