«Let's Dance»-Final: Begnadeter Berner Körper

Gion Mathias Cavelty

23.5.2020 - 14:00

Nach dem «Let's Dance»-Final kommt TV-Experte Gion Mathias Cavelty kaum mehr aus dem Schwärmen heraus: «Hätte ich so einen begnadeten Körper wie Luca Hänni, bliebe ich NOCH lieber zuhause.» Eine Rekapitulation von der Finalperformance des Sängers.

Je weniger sich der Mensch bewegt, desto besser. Das war seit jeher meine feste Überzeugung. Ich bewege mich nur, wenn ich unbedingt muss. Genau deshalb wurde auch das Fernsehen erfunden: damit man sich selbst nicht bewegen muss, aber trotzdem an Bewegtem teilhaben kann, falls man mal das Bedürfnis nach derartigem verspüren sollte. Wobei auch hier gilt: je weniger Bewegung, desto besser. Deshalb liebe ich etwa den «Samschtig-Jass», wo eigentlich alle nur um einen Tisch herumsitzen. Oder «Bares für Rares», wo irgendwelche alten Schränke gefilmt werden. Und die Beton-Frisur von Experte Albert Maier bewegt sich garantiert nie!

Das Aller-, Allerletzte, was ich in meinem Leben tun würde, ist folglich: tanzen. Ich will mir gar nicht vorstellen, auf wie viele Millionen Arten sich man dabei verletzen könnte. Der menschliche Körper hat 206 Knochen, und jeden davon könnte man sich dutzendfach brechen.



Womit wir bei Luca Hänni (25) angelangt wären, der Schweizer Hoffnung auf den Sieg in der Finalshow von «Let's Dance 2020» auf RTL. Vor zwei Jahren durfte ich bei einem Interview im Hallenstadion die Narbe unter seinem linken Auge fotografieren. «Beim Baseballspielen hat mir mein Cousin seinen Schläger voll an den Grind gehauen», lautete Lucas nonchalanter Kommentar dazu.

Ein unerschrockener Krieger also, ein verwegener Draufgänger, ein wahrer Teufelskerl, dieser Luca! Wie schlägt er sich im Final? Hier mein Protokoll:

Runde 1

Luca und seine Tanzpartnerin Christina Luft müssen auf Wunsch der Jury eine Salsa vorführen (dafür bekamen sie in der ersten Show 22 Punkte).

In einem Vorfilmchen äussert sich Luca wie folgt zu der Aufgabe: «Ich glaube, wenn wir Jorge González knacken, haben wir auch die anderen Juroren im Sack». Dann folgt eine etwas wunderliche Szene, in der sich Luca eine brennende Wunderkerze in den Hintern stecken zu wollen scheint (siehe obige Bildstrecke). «Wir wollen nochmals das Krasseste aus uns rausholen!», gibt er unzweideutig den Tarif durch.

Dann folgt die Live-Darbietung im Studio, nämlich besagte Salsa; Luca bewegt sich wie ein Gummimensch über die Tanzfläche. «Autsch! Das muss doch weh tun!», denke ich mir bei jeder seiner Verrenkungen.



Was meint die Jury? Jorge plappert etwas von «Beweglichkeit von Kopf bis Fuss» (ja, das habe ich tatsächlich auch festgestellt) sowie «etwas ist passiert in Pirouette» (das hingegen habe ich nicht bemerkt). Motsi Mabuse hat «eine schöne, erotische Atmosphäre gespürt» und Joachim Llambi findet, Luca sei «technisch hervorragend» gewesen und das Paar habe «sehr kompakt» getanzt.

Die Punkte: 9 – 9 – 9, also total 27 Punkte. Wahrlich nicht schlecht! Doch leider, leider, leider bekommen Lucas Konkurrenzpaare Lili Paul-Roncalli/Massimo Sinató und Moritz Hans/Renata Lusin durchs Band 10er, haben also beide am Schluss 30 Punkte auf ihrem Konto. Mist.

Runde 2

Luca muss mit einem Quickstep ran (sein Lieblingstanz). Das sieht im Prinzip lustig aus und würde mich bestimmt auch mit guter Laune erfüllen, müsste ich nicht die ganze Zeit denken: «Autsch! Das muss doch weh tun!» Weh tut auch das anschliessende Statement von Llambi: «Ich verstehe nicht, warum du in jeden Tanz einen, zwei, drei, vier kleine Fehler einbaust. Kackfehler, die nicht nötig sind! Was ist los? Bitte, in der dritten Runde: Hau alles raus!»

«Kackfehler» – das bedeutet schon mal nichts Gutes. Llambi vergibt dann auch konsequenterweise nur 9 Punkte, wie auch seine Kollegen. Bedeutet: wiederum nur 27 Punkte für unser Berner Honigkuchenpferd.



30 Punkte sind's dann wieder für Moritz Hans' Charleston und 30 Punkte für Lili Paul-Roncallis Tango. Das war's dann wohl. Oder passiert in Runde 3 noch ein Wunder? Rutscht zum Beispiel einer der Gegner auf einer schmierigen Coronavirus-Schweisspfütze aus oder fliegt sonstwie auf die Schnauze?

Runde 3

Freestyle ist angesagt – und Luca geht ab. Und zwar so richtig! Zu Auszügen aus Hits wie «I'm Still Standing» tanzt er sich die Seele aus dem Leib. Entfesselt. Hemmungslos. Jive, Quickstep, Cha Cha Cha, Rumba – alles ist dabei. Es ist irre. Es ist der totale Triumph des Berner Körpers (an sich)! Und ich würde begeistert aufschreien, müsste ich nicht denken: «Autsch! Wie der da seine Tanzpartnerin in die Luft stemmt! Das muss doch weh tun!» (die Dame heisst zwar Luft mit Nachnamen, besteht aber wahrlich nicht aus solcher).

Die Jury ist begeistert. Jorge: «Das ist der Luca wo wir wollten sehen! Wahnsinn! Toll!» Motsi: «Das ist das, was man sehen möchte! Das sprüht über auf uns alle! Da bist du komplett Luca!» Joachim Llambi: «Wenn du so abgeliefert hättest in den ersten zwei Runden … Du bist so, so, so gut! So, so, so rhythmisch! Du hast übererfüllt! Ich würde dir gerne einen, zwei Punkte mehr geben – aber das geht nicht.»

Bedeutet natürlich: 30 Punkte! Aber was macht die Konkurrenz? Ebenfalls je 30 Punkte. Tja. Das scheint kein Happy End zu werden heute. Alles hängt jetzt von den Zuschauern zuhause ab, die auch noch Punkte verteilen dürfen.



00.06 Uhr: Das Zuschauervoting ist da. Ich mag gar nicht hinhören. Ich bin nicht ganz sicher, wer letztlich gewonnen hat. Aber Zeit, sich eine brennende Wunderkerze in den Hintern zu stecken, ist es definitiv nicht … okay, der Vollständigkeit halber: Gewonnen hat das Team Lili Paul-Roncalli/Massimo Sinató. Luca wurde Dritter. Und einen Heiratsantrag an Frau Luft gab es auch nicht. Schade.

(Nachtrag: Übrigens kann man sich auch beim Fernsehen aufs Übelste verletzen, zum Beispiel beim Bedienen der Fernbedienung. Also immer schön aufpassen! Fernsehschauen ist gefährlicher, als man gemeinhin annimmt.)

Konsequenzen fürs TV- und Film-Programm

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