Schawinski gegen Wappler: Weder Fetzen noch Kuscheln

Carlotta Henggeler

10.3.2020 - 08:52

TV-Direktorin Nathalie Wappler hat Roger Schawinskis Talk wegen Sparmassnahmen eingestellt. Trotzdem wagte sie sich in die «Höhle des Löwen». Und tatsächlich bekam Schawinski von ihr sogar die Erlaubnis, die Sendezeit zu überziehen.

Wie ein Boxer, der zuerst seinen Gegner abchecken will, startete Roger Schawinski gemächlich und stellte seine klassische Einstiegsfrage: «Nathalie Wappler, wer bist du?»

Antwort Wappler: «Ich bin an der Grenze bei Kreuzlingen aufgewachsen und deshalb gewohnt, die Sache aus zwei Sichten zu sehen.»

Doch schon bald steigerte der erfahrene Talker, 74, das Tempo und wurde angriffiger. Ein Jahr ist Wappler bereits Fernsehdirektorin. Schawinski: «Was ist deine erfreulichste Programmleistung?» SRF zeige bereits ein gutes Programm, konterte Wappler, da müsse man nicht reinschiessen. 

Schawinski liess nicht locker, bohrte nach: «Was hast du verändert, worauf du jetzt schon stolz bist?» Wappler blieb vage und meinte: Das Programm verändere man nicht auf heute und morgen.

Tiefer Frauenanteil, teurer Newsroom

Nach und nach servierte Roger Schawinski seiner Noch-Chefin brisante Themen. Er wollte zum Beispiel wissen, warum in der SRG-Spitze nur so wenige Frauen seien. Wappler ist als stellvertretende Generaldirektorin SRG die einzige Frau im SRG-Führungsgremium, nachdem Ladina Heimgartner ging. Wappler: «Ich finde es schade, ist Ladina gegangen. Es ist eine Herausforderung der SRG, mehr Frauen in der Führungsposition zu haben.»

Schawinski empört: Eine Frau auf acht Männer! Wappler liess sich nicht in die Ecke drängen und meinte: «Wir arbeiten dran.»

Zum Thema neuen SRF-Newsroom wollte Schawinski wissen: «Was wird zuerst eröffnet? Das neue Fernsehstudio oder der Berliner Flughafen BER?». Das Eröffnungsdatum des Newsrooms wurde wie der BER ebenfalls mehrmals verschoben. 

Wappler dazu: «Das ist das herausfordernste Projekt von SRF. Es wird laufen». Schawinski liess Wappler mit dieser Aussage nicht in Ruhe und holte aus, wollte mehr über die Kosten wissen. Budgetiert sind 70 Millionen Schweizer Franken. Dazu gab es von Wappler keine Angaben. Sie wand sich in bester Polit-Manier aus der Frage-Ecke.

Susanne Kunz, Roman Kilchsperger, Reto Scherrer …

Roman Kilchsperger, Susanne Kunz, Matthias Hüppi, Annina Frey, Reto Scherrer und und und: Alles SRF-Aushängeschilder, die in den letzten Jahren dem Sender den Rücken gekehrt haben. Ob die Anhäufung der Abgänge prominenter Gesichter kein Problem für SRF seien, wollte Schawinski wissen. «Das ist nicht schön, aber eine Chance, Neues aufzubauen», konterte Wappler gelassen.



Jungtalente wie Fabienne Bamert oder Bigna Silberschmidt wolle sie für den Sender aufbauen und weiterentwickeln, zudem eine gute Feedback-Kultur etablieren.

Auch die schlechte Werbeeinnahme-Lage des Senders wollte Schawinski kommentiert haben. Und warum die Zusammenarbeit mit dem Werbevermarkter Admeira gescheitert sei. Wappler meinte dazu: «Jetzt hat man eine gute Lösung gefunden. Es ist nicht die Beste, aber eine praktikable».

«Gibst du die Bewilligung zu überziehen?»

Und schwupps, schon war die normale Sendezeit vorbei. Schade, dem kurzweiligen «Schlagabtausch» hörte man gerne zu. Und prompt fragte Schawinski: «Gibst du als Programmverantwortliche die Bewilligung zu überziehen?» 

Ja, Schawinski durfte, und machte locker mit dem Talk weiter. Wollte von seiner «Chefin» wissen, warum SRF die Jungen trotz (Online-)Bemühungen nicht erreichen würde. Ob SRF zu viel Volkstümliches wie «Die Landfrauenküche» oder alle «SRF bi de Lüt»-Produktionen zeige? 

Nathalie Wappler: «Es braucht die ganze Palette. Virus zeigt aber auch Sachen wie ‹Nr. 47› oder ‹Unzipped›». Diese Formate soll(t)en ein junges Publikum ansprechen. Das sei zu wenig, befand Schawinski. 

Ob Wappler von ihrem Übernamen «Das Fallbeil vom Leutschenbach» genervt sei, holte Schawinski nochmals aus. Kompliment oder Kritik? Wappler: «Bei einem Mann würde man sagen, er sei durchsetzungsstark und entscheidungsfreudig. Ich finde blutrünstige Attribute schwierig und bei einem Mann sagt man das nicht.»

Weder Fetzen, noch Kuscheln

Das Fazit aus dem Duell Schawinski versus Nathalie Wappler? Weder flogen die Fetzen, noch wurde gekuschelt. Es war ein Gespräch auf Augenhöhe, mit gegenseitigem Respekt. Bei einem Fussballmatch würde das Resultat heissen: Unentschieden.

Es gibt weder einen klaren Sieger noch eine klare Verliererin. Schawinski bohrte ein paar Mal nach, warf scharfe Themen ein, war aber auch schon bissiger zum Beispiel bei Tamara Funiciello. Nathalie Wappler wich manchmal aus, kam aber nie sichtlich ins Schwitzen. 

Am 23. März folgt mit der letzten Sendung das endgültige Ende von «Schawinski». Roger Schawinski (74) empfängt ein Politik-Urgestein: SVP-Politiker Christoph Blocher (79).

«Schawsinski» lief am Montag, 9. März, um 22:55 Uhr auf SRF1. Mit Swisscom Replay TV können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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