«Gredig direkt»

Urs Gredig als Talker: Top oder Flop? «Bluewin» gibt Note 4,5

Von Carlotta Henggeler

1.5.2020

Seit dem 9. April empfängt SRF-Talker Urs Gredig Gäste. Er ist zudem «10vor10»-Anchor.
SRF

Urs Gredig ist Roger Schawinskis Nachfolger und Talk-Hoffnung von SRF-Chefin Nathalie Wappler. Doch er ist unter Beschuss: Die Quoten sinken, er sei langweilig, wird moniert. «Bluewin» nimmt seinen vierten Talk unter die Lupe.

Mit grossem Tamtam kündigte SRF die Wiederkehr von CNN-Money-Mann Urs Gredig auf Anfang 2020 an. Gredig sollte in Roger Schawinskis (grosse) Fussstapfen treten. SRF beschrieb Gredigs neues Talkformat so: In seiner wöchentlichen empfängt er prominente Gäste aus Politik, Wirtschaft, Unterhaltung, Sport und Gesellschaft.

Kaum gestartet, kommt der 49-jährige Journalist unter Beschuss: Sein Format sei «Der Gipfel der Bravheit», schreibt NZZ-Journalist Francesco Benini. «Gredig direkt» sei so amüsant wie eine Wettervorhersage und verbreite einfach nur Langweile. Eine Wellness-Kuschelsendung.

Harte Worte. Und auch die Quote ist im Sinkflug: Von anfangs 202'000 Zuschauern schrumpfe das Interesse auf 154'000 Zuschauerinnen und Zuschauer, schreibt blick.ch.

Grund genug, «Gredig direkt» Nummer vier auf den Seziertisch zu legen. Sein Gast: Gourmetpapst Andreas Caminada (42).

Andreas Caminada gehört mit drei Michelin-Sternen und 19 GaultMillau-Punkten zu den Spitzenköchen des Landes.
Screenshot SRF

Wie sieht der renommierte Bündner Unternehmer von Schloss Schauenstein der Wiedereröffnung seiner Betriebe entgegen? Hat der Bundesrat die Gastro-Branche während der Corona-Krise gut und genügend informiert? Und was bedeutet der Lockdown für ihn, wollte Urs Gredig unter anderem wissen.

Es war ein ruhiges Gespräch auf Augenhöhe – mit ein paar Einblicken in Caminadas Imperium. Schliesslich ist Andreas Caminda ein medialer Vollprofi und kein Sprücheklopfer à la René Schudel oder Hitzekopf wie Kollege Tim Mälzer («Kitchen Impossible»).

«Der Gipfel der Bravheit»

Es war keine hitzige Diskussion: Kein scharfes Chili con Carne, sondern eher ein lauwarmes, gutes Soufflé. 

Müsste man Gredig jetzt eine (Schul)-Note vergeben, es wäre eine 4,5 oder 5. Natürlich ist der Newsjournalist Top vorbereitet. Hat er in seiner Karriere doch schon einige Polit-Grössen und Wirtschaftskapitäne interviewt.

Doch eine über halbstündige Talk-Sendung im modern-sterilen Studio ist eine andere Chose. Kein grosses Drumherum, nur zwei Menschen und neuerdings eine Trennscheibe dazwischen. 

Urs Gredig direkt mit seinem Vorgänger  Roger Schawinski zu vergleichen, wäre etwas unfair. Der Zürcher Medienpionier zählt zu den besten  Interviewer der Nation, sein Talk wurde nach 388 Folgen abgesetzt.

Es ist, wie wenn man einen Spieler der Schweizer Fussballnationalmannschaft mit Lionel Messi vergleichen würde – grosse Fussstapfen eben.

War es richtig, Roger Schawinski in Pension zu schicken und mit Urs Gredig zu ersetzen? Da gehen die Meinungen wohl auseinander. Denn Roger Schawinski polarisierte bei den TV-Zuschauern wie kein anderer – das macht ein Urs Gredig nicht.

Der Talk mit Andreas Caminada hat es vor Augen geführt: Da ist noch Luft nach oben. Wäre «Gredig direkt» ein Gericht, würde man sich mehr Goût, etwas mehr Salz und definitiv mehr Pfeffer wünschen. Es fehlt (noch) die Würze. Gut genügend, aber nicht Top.

Diese Legenden kehrten SRF den Rücken.

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