Bund kämpft mit Exportstopp – Spitalmasken werden knapp

Von Jennifer Furer

6.3.2020

Schweizer Spitälern gehen Atemmasken und Schutzausrüstungen aus. Doch der Import ist derzeit kaum möglich – und die Schweiz produziert selbst keine Masken.

Atemschutzmasken sind in Zeiten des Coronavirus ein begehrtes Gut. So begehrt, dass Leute sie in grossem Masse aus Spitälern klauen. Doch diese sind derzeit besonders auf die sogenannten Atemschutzmasken angewiesen. Ohne diese ist die Versorgung kranker Menschen und Operationen kaum möglich. Selbes gilt für die Schutzausrüstung des medizinischen Personals.

Spitäler, Arztpraxen, Kantone und der Bund verfügen über einen bestimmten Vorrat an Schutzmasken. Wie Andreas Bucher, Sprecher des Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), zu «Bluewin» sagt, verfügt der Bund bei den Hygienemasken über einen Lagerbestand von 7,8 Millionen. Bereits direkt an die Kantone ausgeliefert wurden 5,5 Millionen.

Bei den partikelfiltrierenden Halbmasken, den sogenannten FFP-Masken, die etwa für die Pflege von Coronainfizierten gebraucht werden, sieht die Situation etwas prekärer aus. Laut Bucher verfügt die Armeeapotheke aktuell über 159'000 Stück FFP2- und FFP3-Schutzmasken. Das Bundesamt für Bevölkerung habe zusätzlich noch 280'000 FFP3-Masken am Lager.

Masken werden gezielt eingesetzt

Die meisten Spitäler halten sich über ihren Maskenbestand bedeckt. Dass der Vorrat aber immer weiter schmilzt, zeigt das Zürcher Stadtspital Waid und Triemli auf. «Wir verfügen aktuell über einen Masken-Lagerbestand, der je nach Weiterentwicklung zwischen einer Woche und 14 Tage abdeckt», sagt Marketingleiter Tobias Faes.

Das Spital beziehe bei verschiedenen Lieferanten Masken und ist in Kontakt mit Lieferanten, um getätigte Bestellungen zu erhalten. Wichtig sei nun aber der haushälterische Umgang. «Die Vorschriften zum Tragen von Masken sind klar definiert und werden kontrolliert, um Masken genau dort einzusetzen, wo sie tatsächlich gebraucht werden.»

Masken gegen Rezept

Für Spitäler ist es derzeit kaum möglich, Atemschutzmasken aus dem Ausland zu beziehen. Deutschland beispielsweise hat ihren Export gestoppt. Ausnahmen sind nur unter besonderen Voraussetzungen möglich, etwa im Rahmen internationaler Hilfsaktionen. Ähnlich handhabt es Frankreich.

Die dortige Regierung beschlagnahmte am Mittwoch alle Bestände an Atemschutzmasken. Diese sollen nur ans Gesundheitspersonal und mit dem Virus infizierte Franzosen verteilt werden. Für andere Interessenten gibt es sie nur gegen Rezept.

Bund erfasst Maskennachfrage zentral

Einkäufer von Schweizer Spitälern werden vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Damit Kantone und Bund Überblick über die Bedürfnisse und Bestellungen der unterschiedlichen Institutionen nach Atemschutzmasken behalten, werden diese in den Kantonen zentral erfasst und auf Bundesebene beurteilt und priorisiert. Armeesprecher Stefan Hofer hat «Bluewin» den Ablauf Schritt für Schritt aufgeschrieben:

1. Die Masken-Bedürfnisse werden innerhalb des Kantons über die KantonsapothekerInnen ans Ressourcenmanagement Bund (ResMaB) über das Lageverfolgungszentrum der Nationalen Alarmzentrale (NAZ) als «Einflugloch» abgegeben.

2. Innerhalb des ResMaB (in Zusammenarbeit mit dem Kommando Operationen der Armee, dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL)) erfolgt dann die Zuteilung.

3. Die Zuteilung erfolgt durch den koordinierten Sanitätsdienst, kurz KSD.

4. Zuletzt erfolgt die logistische Auslieferung via Armeeapotheke bis an bezeichnete Anlieferpunkte (KantonsapothekerInnen) im Kanton.

Maskenkauf geplant

Noch verfügt die Schweiz über genügend Atemschutzmasken, um der Versorgung der Bevölkerung gerecht zu werden. «Spitalschliessungen sind nicht absehbar», sagt Daniel Dauwalder, Mediensprecher des Bundesamtes für Gesundheit BAG. 

Wie Daniel Koch vom BAG am Freitag an einer Medienkonferenz sagte, versucht die Schweiz einen Maskenkauf zu tätigen. Details dazu konnte er aber nicht liefern. Mediensprecher Bucher vom VBS ergänzt gegenüber «Bluewin»: «Der grösste Teil der offenen Bestellungen wird aus den USA importiert, wo noch kein Exportstopp ausgesprochen wurde. Zusätzlich sind 566'000 FFP-Masken bestellt. Davon sind 98'000 FFP-Masken vom verfügten Ausfuhrstopp Deutschlands betroffen und können voraussichtlich nicht bezogen werden.»

Ärzte melden sich auf den sozialen Medien

Sollte es so weit kommen, dass Atemschutzmasken gar nicht mehr vorhanden sind, kann der Bund zu einer letzten Massnahme greifen, wie es in China geschehen ist: Jene, die zu Hause noch über Atemschutzmasken verfügen, würden dazu aufgefordert, diese in den Gesundheitseinrichtungen abzugeben.

Bereits jetzt äussern sich Ärzte auf den sozialen Medien und fordern die Bevölkerung dazu auf, keine Hamsterkäufe zu tätigen oder Materialien zu bunkern, welche die Spitäler brauchen.

Appell an gesunde Menschen

Ein deutscher Arzt schreibt etwa: «Wenn die Spitäler nun keine Masken mehr haben, können Chirurgen nicht mehr operieren.» Wer Sachen bunkere, sei schlicht und einfach «ein Idiot», der jenen schaden würde, welche die Sachen aktuell bräuchten.

Auch Sprecher Bucher vom VBS sagt: «Die Masken-Bestände sind für das Gesundheitswesen der Schweiz vorgesehen. Gemäss der angepassten Strategie des Bundesrats geht es nun darum, das bereits heute strapazierte Gesundheitswesen funktionsfähig zu halten, um die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu pflegen und zu schützen.»

Deshalb mache es wenig Sinn, wenn gesunde Personen bei sich zuhause FFP3-Masken horten. «Und noch weniger Sinn macht es, wenn Online-Plattformen es zulassen, das solche Masken zu Wucherpreisen angeboten werden.»

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