Deshalb ist der Po-Lift lebensgefährlich

28.1.2019 - 11:28, rre

Für die Schönheit das Leben riskieren: Viele Patientinnen sind sich dieses Risikos nicht bewusst. 
Bild: iStock

Sich mittels Eigenfett das Hinterteil vergrössern zu lassen, liegt im Trend. Doch der vermeintliche Lifestyle-Eingriff birgt tödliche Risiken.

Kim Kadashian machte es vor, und viele Frauen, die von einem besonders grossen Hinterteil träumen, tun es dem Reality-Star gleich. «Brazilian Butt Lift». so heisst der fragwürdige Trend, bei dem sich Frau überschüssiges Fett an Hüfte, Bauch oder Oberschenkeln absaugen und in den Po injizieren lässt.

Auch die Engländerin Leah C. war mit ihren naturgegebenen Formen nicht zufrieden: Angelockt von einem kostengünstigen Angebot, reiste die 29-Jährige im August 2018 ins türkische Izmir, um dort den Eingriff in einem Spital durchführen zu lassen. Kurze Zeit später war sie tot.

Fettzellen in der Blutbahn

Nun wurde die Todesursache öffentlich: Leah C. starb an einer Fettembolie: Beim Injizieren der zuvor abgesaugten und aufbereiteten Fettzellen wurde eine Vene getroffen, wodurch Lipidpartikel in die Blutbahn gelangt sind und die filigranen Gefässe der Lunge verstopft haben.

Trotz allen bekannten Risiken erfreut sich der Eingriff grosser und zugleich wachsender Beliebtheit: Alleine im Jahr 2017 wurden weltweit 300'000 Po-Lifts durchgeführt. Eine von 3'000 dieser Operationen endet tödlich.

Nicht unerprobt einsteigen

Dr. med. Volker Rippmann, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, weiss, welche Gefahren dieser Eingriff birgt. Rippmann arbeitet in der Schönheitschirurgie-Praxis Metropolitan Aesthetics in Berlin-Mitte und erlernte die Operationsmethode bei einem Mediziner in Brasilien.

Und nein – bei seinem Lehrmeister handelt es sich nicht um «Dr. Bumbum», der zweifelhaften Ruhm erlangte, nachdem er Po-Vergrösserungen in seiner Wohnung in Rio de Janeiro durchgeführt hatte. Dem Spiegel erzählt Rippmann, Ärzte sollten «nicht unerprobt in so eine vermeintlich leichte Operation einsteigen».

Sie selber bestreitet den Eingriff, doch Kim Kardashians Hinterteil stand sicher bei so manchem Butt-Lift Pate. 
Bild: Dukas

Angebote gut prüfen

Alle invasiven Eingriffe sind riskant, die Zahl unseriöser Anbieter gross. Wer sich unters Messer legen will, sollte sich nicht von Titeln wie «Ärztin/Arzt für Schönheitschirurgie», «Schönheitsärztin» oder «Schönheitsarzt» beirren lassen. Sie sagen nichts über die Qualifikation der Ärztin oder des Arztes aus.

Bessere Orientierung bietet die Schweizerische Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie. Die dort gelisteten Medizinerinnen und Mediziner tragen – nach vorangegangener, jahrelanger Zusatzausbildung – den in der Schweiz geschützten Titel «Fachärztin/Facharzt für Plastisch-Rekonstruktive und Ästhetische Medizin».

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