Neujahrsblues – keine Angst vor depressiven Verstimmungen

kd

19.12.2018

Kaum Sonnenlicht, dafür Nebel und ewiges Grau. Rundum den Jahreswechsel sind wir besonders anfällig für depressive Verstimmungen. 
Bild: iStock

Negative Gedanken zum Jahreswechsel? Ein solches Stimmungstief sei nicht ungewöhnlich, behaupten Experten, man müsse nicht immer gleich von einer Depression sprechen.

Drei Tage vor und nach Silvester hole viele Menschen ein regelrechtes Stimmungstief ein, alles sei sehr emotional, erklärt der deutsche Psychiater Manfred Woldersdorf bei Focus Online. Das beginne schon mit den Weihnachtsfeiertagen, an denen mitunter die gesamte Familie zusammenkomme.

Insgesamt ist es eine Zeit, von der wir alle ganz eigene konkrete Vorstellungen haben, unterschiedliche Hoffnungen hegen und damit häufig einer Reihe von Enttäuschungen ausgesetzt sind. Hinzu kommen Schuldgefühle und Sehnsüchte, die sich mit dem Rückblick auf das vergangene Jahr beinahe zwangsläufig einstellen.

«Die negativen Erlebnisse sind im Gedächtnis viel fester verankert als die positiven. Daher erinnert man sich auch eher an das, was einen beeinträchtigt und traurig gemacht hat», sagt Manfred Wolfersdorf.

Traurigkeit ist nicht gleich Depression

Ein solches Stimmungstief habe aber noch lange nichts mit einer Depression zu tun, beruhigt der Experte. Vielmehr sei es ganz normal, unerfüllten Wünschen oder Träumen ein wenig nachzutrauern. Traurigkeit und Niedergeschlagenheit gehörten zum Leben einfach dazu und sind Gefühle, die man auch einfach einmal zulassen sollte. 

Das Rezept aus der Misere: Sich nicht lange an gescheiterten Vorsätzen aufhalten, sondern in die Zukunft blicken und neue, plan- und messbare Ziele stecken.

Negative Erinnerungen bleiben verankert

Gerade weil es uns immer leichter fällt, negative Erinnerungen abzurufen, sollten wir uns all das Positive, was uns im letzten Jahr widerfahren ist, bewusst in Erinnerung rufen. Meist verschwindet die Niedergeschlagenheit nach ein paar Stunden oder Tagen dann von allein. 

Dazwischen hilft es, sich der melancholischen Stimmung auch einmal zu widersetzen, trotz Nebels einen Spaziergang zu wagen und eben nicht den ganzen Tag auf dem Sofa seinen trüben Gedanken nachzuhängen.

Nur wer gar nicht mehr in der Lage sei, Positives zu erkennen und sich über einen längeren Zeitraum hoffnungslos oder minderwertig fühle, befinde sich in einem depressiven Denkmuster, erklärt der Facharzt für Psychiatrie und Psychosomatische Medizin – dann rät auch Woltersdorf zu professioneller Hilfe.

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