Nie wieder schlaflos in Seattle

Runa Reinecke

14.12.2018

Für viele Kinder beginnt der Unterricht zu früh am Morgen.
Bild: iStock

In Seattle blicken Lehrer in ausgeschlafene Gesichter: Dort startet der Unterricht fast eine Stunde später als zuvor. Eine Studie gibt nun den Befürwortern dieses Modells Rückenwind.

Es graut der Morgen – und Müttern und Vätern gleichzeitig davor, das Jugendzimmer der Tochter oder des Sohns zu betreten.

Nur durch beharrliches Rütteln des Sprösslings und nach minutenlangem Murren, Knurren und zehnmaligem Umdrehen dürfen die Erziehungsberechtigten darauf hoffen, dass sich der träge Nachwuchs vom Nachtlager erhebt.

Bis er oder sie dann endlich gewaschen, gekämmt und ernährt für den Weg zur Schule parat ist, bewegen sich die Energiereserven der Eltern zielsicher gen Null.

Leistung optimiert

Ob Gideon Dunster und seine Forscherkollegen von der Universität Washington in Seattle die allmorgendlichen Qualen der Mütter, Väter und natürlich deren Kinder nachempfinden konnten? Sie untersuchten, welchen Einfluss ein späterer Schulstart auf Teenager hat – passenderweise wurde dieser von 7:50 Uhr auf 8:45 Uhr verschoben.

Um während ihrer «Sleep More»-Studie die Schlaf-Wach-Phasen genau analysieren zu können, statteten die Wissenschaftler 180 Schülerinnen und Schüler zweier Highschool-Klassen in Seattle mit Fitnessarmbändern aus. Auf diese Weise wurde der Biorhythmus der Studienteilnehmer gemessen.

Der spätere Unterrichtsbeginn zeigte Wirkung: Durch den hinausgezögerten Lernstart schliefen die Kinder täglich 34 Minuten länger. Sie wirkten wacher, konzentrierter und legten – bezüglich ihrer schulischen Leistungen – um 4,5 Prozent zu.

Organisatorische Herausforderung

Von einem späteren Schulbeginn können die Schülerinnen und Schüler in der Schweiz nur träumen. Hierzulande beginnt der Unterricht – anders als in vielen unserer Nachbarländern – spätestens um 8 Uhr. Wird zukünftig auf «ewige Sommerzeit» umgestellt, verschiebt sich der Sonnenaufgang weiter in den Tag hinein. Ein Umstand, welcher der Lernbereitschaft vieler Teenager alles andere als zuträglich sein dürfte.



Zwar spricht einiges auch bei uns in der Schweiz für Unterrichtsstart nach 8 Uhr. Berufstätige Mütter und Väter würde das aber vor organisatorische Probleme stellen: Müssen die Eltern früh am Morgen zur Arbeit, könnten sie die Kinder nicht mehr selbst versorgen oder chauffieren. Sie müssten es den Menschen während des Zeitalters vor den «Elterntaxis» gleichtun und ihre Kinder zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule schicken.

Hier noch die Bilder des Tages:

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