Motivationstipps So kommen Sie nach Corona wieder in Form

Von Sulamith Ehrensperger

14.5.2020

Wer rastet, der rostet bekanntlich. Als Wiedereinsteiger nach längerer Pause fühlen sich viele wie ein Anfänger. Was tun, um wieder in Form zu kommen?
Wer rastet, der rostet bekanntlich. Als Wiedereinsteiger nach längerer Pause fühlen sich viele wie ein Anfänger. Was tun, um wieder in Form zu kommen?
Bild: Getty Images

Infolge des Corona-Stillstands sind einige aus dem Takt gefallen. Aller Wiedereinstieg ist schwer, aber machbar. Fitnesstrainer und Model Marco Laterza über Corona-Kilos, Überehrgeiz und Motivationstipps. 

Herr Laterza, die Corona-Krise war für viele ein Grund, das Training für einige Wochen zu unterbrechen. Merken Sie, dass die Leute in den letzten Wochen etwas aus dem Rahmen gefallen sind?

Ja, das merke ich schon. Viele unterschätzen, wie schnell man Muskulatur verliert, die man mühsam aufgebaut hat. Bei vielen haben sich in der Lockdown-Zeit ungesunde Verhaltensmuster eingeschlichen. Manche Kunden haben zehn Kilo zugenommen, viele klagen über Nacken- und Rückenverspannungen, weil man im Homeoffice doch sehr viel mehr sitzt. Eine weitere Konsequenz des vermehrten Bewegungsmangels sind Haltungsprobleme.

Ich beobachte, dass die Leute das Reissen haben, sich wieder zu bewegen. Wie gelingt der Wiedereinstieg ins Training?

Wer ein paar Wochen nicht mehr trainiert hat, sollte es langsam wieder angehen. Nicht gleich von Null auf Hundert starten und mit derselben Intensität trainieren wie vor der Pause. Unvernunft und zu wenig Erholung führen meistens zu Verletzungen. Was meist vergessen geht: 70 bis 80 Prozent des Erfolgs ist immer noch die Ernährung. Es ist zwar wichtig, den Muskeln regelmässig einen Trainingsreiz zu geben, aber das, was ich esse, ist fast noch wichtiger. Auch das Mindset sollte stimmen, denn die Krise hat vielen mental zugesetzt.

Marco Laterza ist Fitness-Unternehmer und Personal Trainer mit eigenem Studio in Zürich. Als erfolgreiches Fitness-Model war er bereits auf 20 Titelseiten internationaler Sportmagazine zu sehen.
Marco Laterza ist Fitness-Unternehmer und Personal Trainer mit eigenem Studio in Zürich. Als erfolgreiches Fitness-Model war er bereits auf 20 Titelseiten internationaler Sportmagazine zu sehen.
Bild: zvg

Verpasste Trainings kann man nicht nachholen – oder doch?

Nehmen wir mal an, Sie hätten zwei Monate lang nicht trainiert, dann können Sie diese Zeit nicht mehr aufholen. Dann ist jetzt der Zeitpunkt, wieder fokussiert mit dem Training anzufangen. Die Fitnessstudios sind ja wieder offen, allerdings rate ich da zur Vorsicht, umso mehr bei Stosszeiten, solange die Auswirkungen des Lockups noch unklar sind. Man kann auch mal mit dem eigenen Körpergewicht starten, zu Hause oder draussen, und das Fitnessstudio wäre dann der nächste Schritt.

Wie gut kann ich mich mit dem eigenen Körpergewicht in Form bringen?

Viele der angepriesenen Fitnessgeräte sind überbewertet. In meinen Augen ist das Training mit eigenem Körpergewicht etwas vom intensivsten – vorausgesetzt man weiss, wie die Übungen ausgeführt und variiert werden können. Sie können zu Hause oder draussen trainieren, ohne Ansteckungsrisiko. Gerade für Vielbeschäftigte ist das Körpergewichtstraining attraktiv, weil es den Weg ins Studio und Geld spart.

Wann wird der Ehrgeiz zu gross und die eigenen Grenzen sind überschritten?

Ein klares Zeichen dafür sind Verletzungen. Und die Motivation sinkt rapide: Man macht keine Fortschritte, ist nach zwei Wochen Vollgas frustriert und lässt es bleiben. Wer es völlig übertreibt, muss mit muskulären Dysbalancen rechnen, also einseitiger Kraft- und Muskelentwicklung.

Jede Krise ist bekanntlich auch eine Chance: Zeit also, jetzt mal etwas Neues auszuprobieren?

Corona hat mir persönlich den Kick für ein virtuelles Personal-Training-Studio mit 360-Grad-Kamera gegeben. Ich glaube, diese neue Form des Online-Coachings hat eine enorme Zukunft. Ich betreue auch Kunden im Ausland, die den kompletten Lockdown erfahren mussten und von diesem 3-D-Training profitieren konnten. Vielleicht werden wir in Zukunft alle mehr von zu Hause aus trainieren, also «back to the roots».

Nach einem Trainingsstopp müssen sich manche aufraffen, damit es wieder voran und vorwärtsgeht. Ihr Tipp?

Sie brauchen ein neues Ziel, das realistisch und spezifisch ist. Angenommen, Sie haben zehn Kilo zugenommen, dann ist es motivierender, sich folgendes Ziel zu setzen: In einem Monat wiege ich 80 Kilo. Ich würde lieber eine Gewichtszahl definieren als die Anzahl Kilos, die Sie abnehmen wollen. Um etwas zu verändern braucht es nicht die perfekten Voraussetzungen, wichtig ist, dass man es anpackt. Den perfekten Zeitpunkt oder die Sternenkonstellation für eine Veränderung wird es eh nie geben. Setzen sie sich Teilziele, und belohnen Sie sich, wenn Sie es erreicht haben. Das ist langfristig motivierender. Ob Fitnessstudio, Outdoor- oder Home-Training – wichtig ist der Wohlfühl- und Spassfaktor.

Ausschnitt aus Marco Laterzas virtuellem Training «Virtuallyfit»

Ausschnitt aus Marco Laterzas virtuellem Training «Virtuallyfit»

13.05.2020

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