Vielversprechendes Medikament zur Behandlung bei Covid-19

awp/sda/reu/rre

17.4.2020

Therapie mit Remdesivir: Man darf vorsichtig optimistisch sein. (Symbolbild)
Bild: iStock

Erste Erfahrungen mit dem ursprünglich für Ebola entwickelten Mittel Remdesivir stimmen zuversichtlich. Verlässliche Resultate grosser, internationaler Studien stehen aber noch aus.

Bereits seit mehreren Wochen wird Remdesivir als hoffnungsvoller Kandidat für die Behandlung von Covid-19 gehandelt. In einer Studie der Universitätsklinik in Chicago führte das ursprünglich gegen Ebola entwickelte Mittel zu einer schnellen Fiebersenkung und einem Rückgang der Symptome der Lungenkrankheit.

Nach weniger als einer Woche Therapie mit dem Medikament konnten fast alle Patienten entlassen werden, wie aus einem am Donnerstagabend veröffentlichten Bericht der Onlineplattform für Medizinnachrichten, «Stat», hervorgeht. Die Aktien des Unternehmens stiegen nach US-Börsenschluss um 16 Prozent.

Ohne Erlaubnis veröffentlicht

Der Hersteller des Mittels, Gilead, erklärte, die Daten müssten noch analysiert werden, um daraus Schlüsse zu ziehen. Die Universitätsklinik in Chicago wies in einer E-Mail daraufhin, dass Teildaten von einer laufenden Studie nicht genutzt werden sollten, um daraus Ergebnisse herzuleiten. Inhalte aus einem internen Forum für Wissenschaftler seien mitgeschnitten und ohne Erlaubnis veröffentlicht worden.

Kathleen Mullane, Expertin für infektiöse Krankheiten von der University of Chicago, machte gegenüber «Stat» deutlich, dass man nicht zu viel in die Informationen hineininterpretieren sollte.

Der Pharmakonzern rechnet damit, erste Ergebnisse aus der laufenden Phase-3-Studie Ende des Monats bekanntgeben zu können. Die Universitätsklinik in Chicago ist eines von 152 Spitälern, die an der Gilead-Studie mit schwer erkrankten Covid-19-Patienten teilnehmen.

Laut der Nachrichtenplattform «Stat» wurden in Chicago 125 Menschen im Rahmen der Studie behandelt. Von den in die Analyse eingebundenen Patientinnen und Patienten hatten 113 einen schweren Krankheitsverlauf. Sie wurden mit täglichen Remdesivir-Infusionen behandelt.

Gemäss dem Pharmahersteller Gilead wird das Medikament derzeit während sechs Studien weltweit, darunter auch in der Schweiz, zur Behandlung von Covid-19-Patienten erprobt.

Studie mit individuellen Heilversuchen

Sind für einen Patienten oder eine Patientin keine zugelassenen Therapien verfügbar, dürfen Ärztinnen und Ärzte unter bestimmten Voraussetzungen einen Wirkstoff ohne Zulassung einsetzen (compassionate use). In einer Publikation vom 10. April im «New England Journal of Medicine» wurde über solche individuellen Heilversuche mit Remdesivir berichtet, die bei einer kleinen Patientengruppe im Cedars-Sinai-Medical-Center in Los Angeles (USA) durchgeführt wurden.



Von den 53, überwiegend männlichen Patienten, mussten 34 mechanisch beatmet werden. Ein Drittel der Probanden hatte das 70. Lebensjahr bereits vollendet. Bei 36 der Behandelten zeigte sich im Durchschnitt 18 Tage nach der ersten Infusion mit Remdesivir eine Verbesserung. Acht Patientinnen/Patienten erlebten eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustands. Sieben davon verstarben.

Auch diese Daten gilt es mit Vorsicht zu geniessen. Beobachtet wurde lediglich eine kleine Gruppe von Patientinnen und Patienten. Zudem gab es zum Vergleich keine Kontrollgruppe von Studienteilnehmern, die nicht mit Remdesivir, sondern nur mit einer Standardtherapie behandelt wurde.

Ob Remdesivir für die Behandlung von Covid-19 eine Zulassung erhält, ist von den Resultaten der derzeit laufenden klinischen Studien abhängig.  


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