Wenn Medikamente gegen Erektionsstörungen ins Auge gehen

10.1.2019 - 15:39, rre

Sie sah es nicht kommen: Das Medikament war nicht für die Augen bestimmt. 
Bild: iStock

Eine Britin wollte ihre Hornhauterkrankung behandeln lassen. Eigentlich. Denn die Salbe, die sie in ihre Augen applizierte, waren für eine andere Körperregion bestimmt. 

Wer im Spital oder beim Arzt eine Arznei verschrieben bekommt, hofft auf die baldige Besserung seines Leidens. Nichts anderes wünschte sich auch eine Britin. Zur Behandlung ihrer wiederkehrenden Hornhauterosion wurde ihr eine Augensalbe verschrieben. Doch das Rezept verfehlte seine Wirkung – und zwar gänzlich.

Denn kaum hatte die Frau das Medikament ins Auge appliziert, sah sie verschwommen, die Augen röteten sich, und die Lider schwollen stark an. Die Patientin begab sich deshalb umgehend abermals in ärztliche Behandlung, sie wurde sodann mit Kortison behandelt und dem eigentlich für sie vorgesehenen Medikament. Dachten alle.

«Vitaros» statt «VitA-POS»

Anstatt dem für ihr Leiden vorgesehenen «VitA-POS», bekam die Patientin aber «Vitaros», eine Creme, die lokal bei erektilen Störungen Anwendung findet. Dokumentiert wurde der Fall von Dr. Magdalena Edignton und ihren Kollegen vom Tennent Institute of Ophtalmology in Glasgow in Schottland für den «BMJ Health Report».

Dass Patienten ein falsches Medikament erhalten, kommt auch hierzulande vor. Nicht selten liegt es daran, dass der handschriftlich verfasste Name der Arznei oder des Wirkstoffs im Grunde nicht lesbar ist. 

Für eine 2011 im «BMC Health Services» veröffentlichte Analyse nahmen Wissenschaftler des Berner Inselspitals 16 Ärzte genauer unter die Lupe. Jene hatten innerhalb eines Monats 1934 Wirkstoffe für insgesamt 165 Patienten verordnet. Es stellte sich heraus: Allein 105 der im Rahmen der Untersuchung entstandenen Verschreibungsfehler waren – pardon – den «Sauklauen» der verantwortlichen Medizinier geschuldet.  Ganze 52 der ausgestellten Verordnungen waren schlecht lesbar, vier Prozent konnten überhaupt nicht entziffert werden.

Im Zweifel wird telefoniert

Handschriftlich ausgefüllte Rezepte – gibt es sie überhaupt noch? «Ja, das sehen wir täglich mehrfach. Grösstenteils bekommen wir aber ausgedruckte Rezepte», sagt Fabienne Schmitter, Betriebsleiterin der Bahnhofapotheke in Basel. Dass sie das Gekritzel auf der Verordung nicht lesen könne, komme etwa ein Mal im Monat vor: «Mit der Zeit kennt man die Ärzte in der Umgebung und lernt, ihre Handschrift zu entziffern». Im Zweifel, so die Apothekerin, nehme man Rücksprache mit dem Patienten – oder rufe direkt in der Arztpraxis an.

Nicht zum ersten Mal sei festgestellt: Auch den «Göttern in Weiss» unterlaufen Fehler. Es lohnt sich deshalb zu kontrollieren, ob das Medikament, dass man aus der Apotheke oder vom Arzt mit nach Hause nimmt, zum eigenen Beschwerdebild passt.

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