Arthur Honegger: «Heiraten war die beste Entscheidung meines Lebens»

26.2.2018 - 22:55, Bruno Bötschi

Arthur Honegger: «Es gibt noch ein paar Jugendsünden, die ich nicht gebeichtet habe.»
SRF

«10 vor 10»-Anchor Arthur Honegger spricht über den letzten Liebesbeweis für seine Frau, erklärt, warum er in Finnland zum Zahnarzt geht, und verrät, warum er im Fernsehstudio nicht weint.

Leutschenbach, Schweizer Fernsehen SRF: Als er reinkommt, ist sofort alles voller Honegger. Gross, breitschultrig, strahlend: Hallo! Eine Erscheinung. Er trägt Jeans, Halstuch und Hut – lässig.

Wollen wir uns einen Kaffee holen und in die Lounge sitzen? Gerne. Die Idee, dass man der Welt am besten mit Charme und Unvoreingenommenheit beikommt, ist immer wieder ein gutes und verblüffend einfaches Konzept. Und gegen Freundlichkeit hat ja niemand etwas einzuwenden.

Man würde jetzt gerne noch ein bisschen länger Pause machen und ihm, Mister «10 vor 10», beim Kaffeetrinken zusehen. Nur: Wir wollen in der nächsten halben Stunde auch etwas hinter die Fassade dieses freundlichen Herrns gucken. Und deshalb: Los geht's! Wir starten, wie immer, mit ein paar netten Fragen.

Bluewin: Herr Honegger, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel: Ich stelle Ihnen in den nächsten 30 Minuten möglichst viele Fragen, und Sie antworten möglichst schnell und spontan. Passt Ihnen eine Frage nicht, sagen Sie einfach «weiter».

Arthur Honegger: Cool.

Zürich oder Helsinki?

Zürich, weil ich die Stadt besser kenne. Aber ich würde auch auf Helsinki nicht verzichten wollen.

Warum Helskini? Honeggers Ehefrau Henna ist Finnin.

Bern oder Washington, D.C.?

Washington, D.C. Es ist einer der spannendsten Orte für einen Schweizer Journalisten, wenn man sich für Aussenpolitik interessiert. Place to be.

Lieber Arthur oder Art?

Arthur. Art hat noch keiner zu mir gesagt.

Welcher Mädchenname war für Sie geplant?

Armine Hortense (lacht laut). Ich weiss, ehrlich gesagt, nicht einmal, wie man das genau schreibt.

Ihr revolutionärster Gedanke als 12-Jähriger?

Damals hatte ich nur Snowboarden im Kopf. Ich habe deshalb sicher über irgendeinen neuen Trick nachgedacht.

Ihre erste Arbeit für Geld?

Wahrscheinlich Regale auffüllen im Denner.

Welche Jugendsünde haben Sie bisher Ihren Eltern noch nicht gebeichtet?

Es gibt noch ein paar Jugendsünden, die ich nicht gebeichtet habe. Ich will sie auch heute nicht verraten, deshalb sage ich «weiter».

Die riskanteste, die mutigste Entscheidung in Ihrem Leben?

Ich habe früh geheiratet, mit 21. Ich glaube, das brauchte recht viel Mut. Rückblickend ist es aber wahrscheinlich die beste Entscheidung meines Lebens gewesen. Wenn man den richtigen Menschen für sich gefunden hat, spielt es keine Rollen wie alt man ist: Hauptsache, er bleibt.

Guter Moment, schöner Moment. Entspannte Gesichtszüge. Grinsen.

Der historischste Moment in Ihrem Leben?

Ich durfte an der Amtseinführung von Barack Obama 2009 dabei sein. Der erste schwarze US-Präsident: Davon werde ich sicher irgendwann einmal auch noch meinen Enkeln erzählen.

Warum überhaupt zur Arbeit gehen?

Weil ich finde, es ist ein Teil von dem, was ich bin. Ich gehe sehr gerne arbeiten. Ich finde meinen Job einen der besten, den es gibt. Als Journalist erlebt man jeden Tag etwas Neues. Wo hat man das sonst?

Der «10 vor 10»-Moderator ist weit mehr als eine öffentliche Person – eine Instanz, eine Vertrauensfigur ...

... echt?

Wer sind Sie? Eine Art sympathischer Schwiegersohn?

Nein ... also hoffentlich für meine Schwiegermutter, aber für alle anderen eher nicht. Instanz? Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, ich bin der Mensch, der mithilft, damit die Zuschauer mitbekommen, was auf der Welt alles passiert. That’s what I do.

Was ist das Steckenpferd Ihrer Berichterstattung bei SRF?

Auf der Redaktion rede ich am meisten bei Themen mit, welche die USA betreffen. Ich habe ja acht Jahre dort gelebt, kann also einiges dazu einbringen.

Das ist also der Grund, warum Arthur Honegger immer wieder englische Wörter in seine Antworten einbaut. Manchmal klingt es ein bisschen penetrant.

Ihre Popularität als Fernsehmann, wie hat Sie die verändert?

Bin ich populär? Wenn ich meine Twitter-Timeline anschaue, bin ich schaurig unpopulär (lacht laut). Da wird oft recht heftiges Zeugs geschrieben. Aber ehrlich gesagt, mein Leben hat sich nicht stark verändert. Es ist auch nicht so, dass man in der Schweiz auf der Strasse ständig angesprochen wird. Das hat damit zu tun, dass ich einerseits privat anders angezogen bin als während der Arbeit, und andererseits, dass die Schweizer generell ein sehr anständiges Volk sind. Wenn jemand etwas sagt, dann ist es meistens etwas Nettes.

Welches war bisher der schwierigste Live-Moment in Ihrer Fernsehkarriere?

Während den US-Kongresswahlen vergass ich bei einer Live-Schaltung den Namen einer Senatorin. Dieses Blackout nervt mich noch heute. Gott sei Dank hatte ich den Namen aufgeschrieben. Nach ein paar Sekunden «staggelen» entdeckte ich ihn auf meinem Zettel und konnte ihn ablesen.

Seufzen. Man spürt: Dieser Mann macht nicht gerne Fehler. Und schon gar nicht, wenn das Fernsehpublikum live dabei zuschaut.

Wie hiess die Senatorin?

Elizabeth Warren. Der ganze linke Flügel der Demokraten orientiert sich an dieser Frau. Das weiss ich normalerweise aus dem Effeff. Aber während einer Live-Sendung kann alles passieren.

Die schlimmste Nachricht, die Sie je überbringen mussten?

Das war die Berichterstattung über das Erdbeben in Haiti 2010. Nach dem Beben reiste ich insgesamt viermal auf die Karibikinsel. Das war heftig.

Wo stecken Sie all die schlechten News-Meldungen hin? Sind die vergessen, sobald sie gesendet sind?

Nein. Wegstecken kann man es nie, aber ich kann damit leben, weil ich mir bewusst bin, dass ich eine Rolle zu erfüllen habe. Es ist wichtig, dass wir Journalisten informieren und auch Tacheles reden.

Gibt es eine Verrohung in der Präsentation von Nachrichten?

Das sehe ich nicht so. Wir machen es anders als noch vor ein paar Jahren, und das finde ich gut. Die Zeiten, als man Schauspieler angestellt hat, um Nachrichten möglichst sauber vorzulesen, sind vorbei. Heute präsentierten bei SRF ausschliesslich Journalisten die News: Das ist authentischer. Wir schreiben unsere Texte selber, bringen mehr von der eigenen Person rein. Das ist auch moderneres Fernsehen. Aber wir lernen immer noch dazu.

Wie lautet die kürzeste Frage, die Sie als Moderator gestellt haben?

«Warum?» Es ist auch die beste Frage.

Schon einmal im Fernsehstudio geweint?

Nein. Um Gottes willen, warum sollte ich weinen im Studio? Ich habe geweint, als meine beiden Kinder auf die Welt kamen. Und es gibt noch andere Dinge, die mich zu Tränen rühren. Aber im Studio bin ich professionell – und zu angespannt, als dass ich all diese Gefühle zulassen würde.

Wie beurteilen Sie Ihre Nachrichtenkollegen im Ausland?

Ich kenne längst nicht alle. Es gibt solche, die ich gut finde und andere weniger. Oft könnte ich nicht einmal sagen, warum ich den einen gut und den anderen weniger gut finde. Meistens ist es einfach ein Gefühl.

Klaus Kleber, Moderator des ZDF-«Heute Journals», oder Ingo Zamperoni, Moderator der «Tagesthemen» bei der ARD?

Uf, ich finde beide nicht so wahnsinnig toll. Ich habe es mehr mit den Amis.

In den USA haben die Anchor-Männer Kultstatus. Träumen Sie auch davon?

Nein. Im Zentrum unserer Arbeit sollen die Neuigkeiten und die Geschichten stehen, die wir zu erzählen haben, und nicht irgendwelche Personen.

2015 hat Körpersprache-Experte Urs Zeiser für «Bluewin» Ihre Gestik und Mimik analysiert.

Das war bei euch? Eine Sternstunde des Journalismus (lacht laut).

Er meinte, Sie würden überdurchschnittlich oft Ihre Zähne zeigen und analysiert deshalb, dass sie sich in den meisten Situationen durchzubeissen wissen. Wahr oder nicht?

Das lasse ich einfach so stehen. Yay, Körpersprache-Experte!

Zeier gab zudem zu bedenken, Zähne zeigen würde auch immer von Anspannung und Ängsten zeugen.

Yay, Körpersprache-Experte!

Wie heisst Ihr Zahnarzt?

Ich gehe in ein Zahnarzt-Zentrum, ab und zu gehe ich auch in Finnland zum Zahnarzt. Nicht, dass es dort viel günstiger wäre. Aber ich traue den Ärzten dort sehr, weil das Gesundheitssystem anders aufgebaut ist. Bei uns ist das Profit-Motiv prägend, in Finnland überhaupt nicht.

Wie heisst Ihr Personaltrainer?

Ich habe keinen, das kann ich allein.

In welcher Situation mussten Sie zum letzten Mal durchbeissen?

Ich bin verheiratet, da muss ich mich fast täglich durchbeissen. Aber das ist normal, wenn man Familie hat.

Wirklich wahr, dass Sie mit dem Velo zur Arbeit fahren?

Ja. Es ist für mich die schnellste, günstigste und privateste Art zur Arbeit zu kommen. Zudem ist es umweltfreundlich, und ich bewege mich. Mir fällt wirklich Nichts ein, was gegen das Velofahren sprechen könnte.

Sie lebten acht Jahre in den USA: Was vermissen Sie aus jener Zeit am allermeisten?

Die Freunde, die wir dort haben. Und die gute Livemusik, die geboten wird. In Grossstädten wie New York oder Washington, D.C., geben ständig grosse Bands Konzerte.

Welches war die glücklichste Zeit Ihres bisherigen Lebens?

Ich versuche immer, dass das Jetzt der glücklichste Moment ist. Ich habe zwei Kinder, und das macht mich glücklich. Die glücklichsten Momente waren wohl, als sie auf die Welt kamen. Ich bin aber auch total glücklich, wenn ich sie auf dem Snowboard sehe.

Eifern Ihnen Ihre Kinder bereits mit den Tricks nach?

Sie sind erst 3 und 7. Aber momoll, wir arbeiten daran. Ich würde sagen: Olympia 2030 ist das Ziel (lacht laut).

Wo waren Sie am 9. November 1989, als die Mauer in Berlin fiel?

Da war ich erst 10. Am Morgen war ich in der Schule. Nachdem ich nach Hause gekommen war, sagte mir meine Mutter, sie hätte während der Arbeit den ganzen Tag TV geschaut. In diesem Moment realisierte ich, es muss etwas Aussergewöhnliches passiert sein. Was dieser Tag wirklich bedeutet hat, lernte ich aber erst später.

Ihr deutscher Kollege Hanns Joachim Friedrichs sprach 1989 den historischen Satz: «Die Tore in der Mauer stehen weit offen.» Haben Sie einen vergleichbaren Satz?

Bisher war ich noch nie live auf Sendung bei so einem historischen Ereignis. Nach der Obama-Wahl sagte ich: «Er muss dem Volk die rosarote Brille abnehmen. Die Amerikaner sind jetzt total in ihn verknallt.» Das war ziemlich treffend, nicht? Als Journalist wird man in grosse Momente einfach reingeworfen. Ich hoffe, wenn es mir einmal passieren sollte, dass ich dann die richtigen Worte finden werde.

Ihre irrste Wortkreation?

«Schwitzkasten-Kapitalismus». Das war, als Donald Trump Unternehmen unter Druck setzte, geplante Auslagerungen zurückzunehmen.

Was ist mit den Liebesbriefen?

Gibt es die noch?

Den Liebesbriefen, die Sie auf die Redaktion geschickt bekommen.

Ich höre immer wieder davon. Früher sollen sogar Heiratsanträge per Post auf die Redaktion geschickt worden sein. Ich habe bisher noch keinen bekommen. Heute läuft die Kommunikation mit dem Publikum hauptsächlich über die sozialen Medien. Ganz selten bekomme ich mal ein Kärtchen zugeschickt.

Riesengelächter. Er schaut vergnügt, scheint zu Spässen aufgelegt. Na dann, auf zu den privateren Fragen.

Weshalb sind Sie tätowiert?

Wieso nicht?

Wie viele Tattoos sind es mittlerweile?

(Überlegt lange) Fünf. And counting. Es kommen wahrscheinlich noch mehr dazu.

Liessen Sie alle Tattoos vom gleichen Tätowierer stechen?

Oh nein. Die Tattoos sind an verschiedenen Orten entstanden – New York, Washington, D.C., und Zürich.

Ihr Lieblingskleidungsstück?

Weiss ich gar nicht. Ich mag Jeans, immer die gleichen «Levi's 501». T-Shirts habe ich auch ein paar Favoriten – und hey, diesen Hoodie-Pullover hier, den mag ich auch. Sie sehen: Anything really.

Arthur Honegger kocht. Was gibt es?

Wenn ich koche, dann gibt es sicher etwas mit Curry.

Wann zum letzten Mal mit den Kindern gebastelt?

Heute Morgen haben wir Lego gespielt.

Beten Sie mit Ihren Kindern?

Nein. Aber ich habe Ihnen einen Gott-Begriff beigebracht.

Mal so grundsätzlich: Sind Kinder eine Plage oder ein Geschenk?

Beides (lacht). Und darum sind sie ja auch so faszinierend.

Wann waren Sie das letzte Mal im Ausgang?

Dinner oder Party? Party ist Jahre her. Ein Dinner hatten wir am letzten Wochenende. Wir waren in einer guten Pizzeria essen, die doch tatsächlich einen Kinderbereich hat. Während die Kinder dort spielten, konnte ich mit meiner Frau ein Glas Prosecco trinken. Das zählt für uns als Ausgang.

Und wann das letzte Mal so richtig schön betrunken gewesen?

Mit 18 kann man das leichter wegstecken. Jenseits der 30 merkst du irgendwann, dass Betrunkensein nicht lustig ist und deshalb habe ich auch kein Bedürfnis danach.

Schlimm, wenn TV-Zuschauer Sie für einen Langweiler halten?

Nein, aber diesen Vorwurf habe ich noch nie gehört.

Zack! Treffer! Hin und wieder eine gemeine Frage muss sein. 

Wann zuletzt zu jemanden aufgeschaut?

Täglich, immer wieder. Es gibt Menschen, die ich im öffentlichen Leben bewundere, aber am meisten meine Frau.

Mächtigste Frau, mit der Sie je Abendessen waren?

Ich habe einmal mit der finnischen Präsidentin Tarja Halonen ein Interview geführt. Aber wirklich gegessen haben wir nicht, wir tranken Kafi.

Mächtigster Mann, mit dem Sie je Abendessen waren?

Den US-Präsidenten bekommt man nicht als Schweizer Journalist. Das ist klar. Ich hatte einige Senatoren. Aber ich gehe mit diesen Menschen eigentlich nicht essen, ich befrage sie. Und das passiert meist relativ sec.

Was können Frauen besser als Männer?

Hm. Ich hab’s nicht so mit solchen Kategorisierungen. Es gibt Frauen, die viel besser Snowboarden können als ich, und es gibt Männer, die besser Eiskunstlaufen als ich. Jede und jeder hat ganz eigene Stärken.

Was können Männer besser als Frauen?

Keep it to individual. Das finde ich extrem wichtig.

Warum werden Frauen, die an die Macht wollen, so stark wegen Äusserlichkeiten angegriffen?

Wir sind über die Jahrhunderte von der Gesellschaft so konditioniert worden, dass wir bei Frauen mehr auf Äusserlichkeiten achten. Allerdings weiss ich aus eigener Erfahrung, dass es auch bei den Männern stark um Äusserliches gehen kann. Ich denke, der Mensch redet gerne über Äussserlichkeiten, weil man darüber schneller etwas äussern kann. Für Inhalt braucht es immer etwas Nachdenken und das ist wahrscheinlich anstrengender.

Am 8. März ist Tag der Frau: Braucht es diesen Tag noch?

Sicher.

Frau, Kinder, Arbeit – was tun Sie, damit Ihnen das Leben nicht über den Kopf wächst?

Ich weiss nicht, einfach weiterleben (lacht). On the fly einfach etwas zusammenschaufeln.

Der letzte Liebesbeweis Ihrer Frau?

Heute Morgen kam sie extra früher nach Hause, damit ich noch ins Training gehen konnte. That’s love.

Ihr letzter Liebesbeweis?

Ebenfalls heute Morgen. Bevor meine Frau nach Hause gekommen ist, habe ich alles im Haushalt erledigt. Das ist Familienleben. Man versucht mit kleinen Dingen, dem anderen das Leben leichter zu machen.

Sehr, sehr smarte Antworten. Man muss sich vorstellen, dass Honegegger zirka eine halbe Sekunde, also praktisch keine Zeit zum Antworten braucht.

Nächstes Jahr werden Sie 40.

Das stimmt. Dammit.

Fürchten Sie sich vor einer Midlife-Crisis?

Nein. Ich weiss ja auch nicht, wie lange ich leben werde. Deshalb weiss ich auch nicht, wann ich die Hälfte meiner Lebenszeit erreicht habe.

Ihr Lieblingsfluchwort?

Fuck.

Was ist Ihnen heilig?

Die Werte der Aufklärung, Demokratie, Rechtsstaat. Da hört für mich die Diskussion auf, da gibt es kein Einerseits, Andererseits.

Stellen Sie sich gelegentlich die Sinnfrage?

Öfters, ja. Spätestens, wenn man Kinder hat, fragt man sich: Warum bin ich da? Was mache ich? Das Schöne ist: Die Kinder geben einem einen neuen Sinn. Man sagt sich dann, solange es den Kindern gut geht und solange ich es da nicht verbock, habe ich das Leben nicht ganz verhauen. Das heisst, die Kinder geben einem gewissermassen auch Halt. Das ist schön.

Einige Ihrer TV-Kolleginnen und -Kollegen haben das Gefühl, wenn sie nicht gesendet werden, dann gibt es sie nicht mehr. Macht das Fernsehen eigentlich süchtig?

Wer hat dieses Gefühl? Ich kenne keine solchen Kolleginnen und Kollegen. Und wenn es solche gäbe, dann täten sie mir leid. Aber hey, die können ja heute einen Youtube-Kanal gründen. Natürlich, es ist total schön, Fernsehen zu machen. Aber wir sollten auch nie vergessen, dass wir sehr ersetzbar sind. Innerhalb von zwei Wochen wäre jemand Neuer da.

Immer mehr Menschen sehen die Nachrichten dann, wenn sie Lust haben – im Internet. Ist eine TV-Sendung wie «10 vor 10» nicht von gestern?

Nein, aber man kann das «10 vor 10» von gestern auch gut am Morgen danach als Podcast schauen.

Wie heisst Ihr Lieblingsroman?

Ich habe verschiedene, ganz oben steht wahrscheinlich «Der Schwarm» von Frank Schätzing.

Ihr Lieblingsgedicht?

«Der Panther» von Rainer Maria Rilke. Der Panther ist zudem ein ganz geiles Tier.

Das Buch, mit dem Sie Ihre Kinder in den Schlaf lesen?

Es sind verschiedene, weil sie verschieden alt sind. Dem Kleinen lese ich oft «Papa Moll» vor, der Grossen «Mary Poppins».

Wahr, dass man jedes Jahr etwas Neues lernen sollte?

Nein: Jeden Tag.

Verlieren Sie Ihren Job, falls am 4. März das Schweizer Volk die «NoBillag»-Initiative annimmt?

Am Tag danach werde ich sicher noch eine «10 vor 10»-Sendung machen. Ich bin dann für den Moderatoren-Dienst eingeteilt. Ob es das Schweizer Fernsehen bei einem «Ja» ein Jahr später noch geben wird, möchte ich bezweifeln. Aber der Tag nach der Abstimmung kommt so oder so. Deshalb haben wir uns innerhalb der Redaktion auch bereits Gedanken gemacht, wie die Sendung dann aussehen könnte. Es wird sicher ein besonderer Tag für uns. Aber das Schöne ist, wir im «10 vor 10»-Team sind uns völlig einig: Was auch immer passiert, wir bleiben uns treu – und machen genau das, was wir immer tun: Unseren Job.

Zur Person: Arthur Honegger

Arthur Honegger wurde 1979 in Davos geboren. Nach dem Studium der Publizistik und Politologie an der Universität Zürich und einer Ausbildung an der Ringier-Journalistenschule begann er 2005 ein Stage bei SRF. Von 2008 bis 2015 war er Auslandkorrespondent in den USA.

Seit 2015 ist er wieder in der Schweiz und moderiert abwechselnd mit Andrea Vetsch und Susanne Wille die Informationssendung «10 vor 10». Honegger ist verheiratet. Seine Frau Henna ist Fotografin, zusammen haben sie zwei Kinder. Tochter Amélie ist 7, Sohn Aatos 3.

«Bluewin»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er viele Jahre die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.
zVg
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