Unsere Auroin findet: Die Spitzen schneiden kann auch der Mann.
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Zweimal war «Bluewin»-Kolumnistin Marianne Siegenthaler bisher in ihrem Leben beim Coiffeur. Ein drittes Mal wird es wohl nicht geben.
Ein cooler Kurzstufenschnitt im 70er-Jahre-Look – dafür war ich als Teenie noch so gern bereit, meine langen blonden Haare zu opfern. Leider war aber der erste Coiffurebesuch meines Lebens ein ziemlicher Schlag ins Wasser. Und nein, die Coiffeuse kann nichts dafür. Die Frisur stand mir einfach nicht. Also trug ich häufig Tücher oder Mützen und hoffte auf ein schnelles Haarwachstum.
Viele Jahre später – ich trug meine Haare längst wieder lang – sass ich zum zweiten Mal in einem Friseursalon. Quasi unfreiwillig, weil ich einen Gutschein zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Und weil ich zu geizig bin, einen solchen verfallen zu lassen.
Und mir war sofort klar: Das wird kein Zuckerschlecken. Schon der Geruch beim Betreten des Salons verschlug mir beinahe den Atem. Mag sein, dass es da auch viele wohlduftende Shampoos und Spülungen gab. Aber damit macht man aus Braun nicht Blond und aus Gerade nicht Lockig. Färbemittel und Dauerwelle-Chemikalien und alles, was die Haare dauerhaft verändert, stinkt gewaltig.
Bis zur Schmerzgrenze
Kaum sass ich auf dem Stuhl, wurde ich sogleich mit Zeitschriften aller Art eingedeckt. Und schon ging es los mit Haarewaschen. Bis zur Schmerzgrenze hing mein Kopf nach hinten über dem Waschbecken – und ich betete darum, dass nicht das Genick bricht, bis der ganze Spül- und Pflegekram wieder ausgewaschen ist.
Dann folgte die nächste Tortur: Auskämmen. Ich habe es schon als Kind gehasst, wenn mir andere Leute an den Haaren herumzerrten. Auch wenn es jede Menge Mittelchen gibt, die das Haar angeblich leicht kämmbar machen – es tut immer weh. Und dass ich mich dabei auch noch ständig in dem riesigen Spiegel anschauen musste, machte die Sache auch nicht besser.
Nun wurde das Haare gescheitelt und gesträhnt und mit einem halben Dutzend Spangen fixiert. Ich sah einfach lächerlich aus. Das sei aber nötig, erklärte die Coiffeuse, nur so gäbe es auch einen sauberen Schnitt. Und dann begann sie flink zu schnippeln, da ein paar Millimeter, dort ein paar Millimeter, und zwischendurch immer wieder durchkämmen, umstecken, aufstecken – endlos.
Nach gefühlten zwei bis drei Stunden wusste ich nicht mehr, wie ich sitzen sollte. Ich hab für so etwas einfach keine Geduld. Also sagte ich der jungen Frau, es ist gut so, ich möchte gerne gehen. Ui, das hörte sie aber gar nicht gern. Vermutlich fürchtete sie um den Ruf des Salons, wenn mich jemand sehen würde, wie ich mit nassen Haaren fluchtartig das Geschäft verlasse.
Haarefönen ist völlig überflüssig
Also liess ich mich überreden. Auch wenn ich Haarefönen total überflüssig finde. Die trocknen auch so. Jedenfalls gab sich die Frau alle Mühe mit Rundbürste und Haarspray und was weiss ich was sonst noch. Am Schluss sah ich jedenfalls – frisurenmässig – fast aus wie Barbie.
An der Kasse liess ich mir dann noch irgendwelche überteuerten Haarpflegemittel aufnötigen, und dann endlich, endlich stand ich wieder auf der Strasse. Und schwor mir: Das war das allerletzte Mal. Und das ist es bis heute geblieben.
Ich setze nämlich voll und ganz auf «Home Hair Styling»: Irgendein pflegendes Shampoo, eine gute Schere – mehr braucht es nicht. Haarmasken, Conditioner, Treatments, Haarspray, Tönung? Nein, danke. Wenn es nötig ist, wasche ich die Haare und lasse sie an der Luft trocken. Und so alle halbe Jahre schneidet mir mein Mann oder meine Tochter die Spitzen. Das dauert bei meinen Spaghettihaaren rund zweieinhalb Minuten. Und kostet mich ein Lächeln.
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Bild: Anne Kurras
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Bild: Privat
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Bild: Privat
Jugendweihe, 1973.
Bild: Privat
Im Ferienlager, 1979
Ausmusterungsschein, 1977.
Frank Schäfer mit seinem Vater.
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Bild: Cover
Die Mutter von Frank Schäfer als sein Modell auf der Berliner Friseur-Meisterschaft, 1980.
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