Gute Vorsätze mit Fidel Castro

Bruno Bötschi

20.12.2019 - 09:48

Fidel Castro mit Zigarre, 1977.
Bild: Getty Images

Das Treffen mit Revolutionär Fidel Castro bleibt für den «Bluewin»-Kolumnisten unvergesslich. Es fand vor 25 Jahren in Havanna im Cabaret Tropicana statt – mit viel Federboas, nackter Haut und Lichtzauber.

Jedes Jahr dasselbe Spiel: An Neujahr fassen wir gute Vorsätze – und vergessen sie schnell wieder. Was steht nicht alles auf der Liste: mehr Sport, weniger Arbeiten, mit dem Rauchen aufhören und mehr Zeit für die Lieblingsmenschen.

Doch warum versuchen wir eigentlich immer wieder, zum Jahresanfang unser Leben umzustellen? Und warum scheitern wir damit regelmässig schon nach wenigen Wochen?

Ich weiss es nicht. Sorry.

Ich weiss auch nicht, wann genau Fidel Castro entschieden hat, es sei gesünder, wenn er keine Zigarren mehr rauchen täte. Und ob das ein gut gemeinter Neujahrsvorsatz gewesen ist oder eine Idee an einem lauen Sommerabend.

Was ich hingegen weiss: Der 2016 verstorbene kubanische Revolutionär liess sich doch noch im hohen Alter von den Gesundheitsaposteln überzeugen, dass der Genuss von Tabak möglicherweise tödlich sein könnte. Dabei galten Zigarren bis Mitte der 1980er-Jahre zu den Markenzeichen des «Maximo Lider».

Warum ich das alles erzähle? Es ist jetzt genau 25 Jahre her, dass ich Fidel Castro persönlich getroffen habe.

Fidel war anwesend, als ich im Januar 1995 das alljährliche Zigarren-Festival in Havanna besuchte. Ich war damals Chefredaktor von «Cigar», einem Heftli, das ich mitgegründet habe.

Am Ende des Festivals fand ein Galadiner statt. Im Cabaret Tropicana. Das «Tropicana» ist eine der grössten Revue-Shows weltweit – mit viel Federboas, nackter Haut und Lichtzauber. Und das alles unter freiem Himmel. 

Niemand war Fidel näher

Ohren auf, Compadres! Irgendwann stand Fidel plötzlich auf der Bühne und fing an zu reden. Sieben Stunden und zehn Minuten dauerte seine längste Rede. Das war 1986, beim Dritten Kongress der Kommunistischen Partei auf Kuba. Im Tropicana hielt er sich mit 25 Minuten vergleichsweise kurz.



Mir wäre es egal gewesen, wenn er länger gesprochen hätte. Fidel war ein unglaublich charismatischer Redner, der die Menschen in seinen Bann gezogen hat – auch mich. Ich sass ganz vorn, direkt vor der runden «Tropicana»-Bühne, keine zwei Meter vom «Máximo Líder» entfernt. Es gab in diesem Moment niemand, der Fidel näher war – ausser seiner Übersetzerin und zwei Bodyguards.

Ich könnte Ihnen jetzt auch noch die Geschichte erzählen, dass ich mit meiner Kamera knipste und knipste und erst, nachdem Fidel wieder von der Bühne gegangen war, realisierte, dass ich keinen Film eingelegt hatte ... Ja, damals gab es noch keine Smartphones.

Aber egal – wir waren bei den Vorsätzen für das neue Jahr. Gehört habe ich, dass Fidel auch nicht besonders ausdauernd gewesen sein soll im Einhalten von Vorsätzen.

Federboas, nackte Haut und viel Lichtzauber: Club Tropicana, Havanna.
Bild: Getty Images

Kritiker warfen ihm sogar vor, niemals Abstinenz geübt und in aller Heimlichkeit exzessiv weiter Zigarren geraucht zu haben. «Zwar pafft Fidel in der Öffentlichkeit nie, aber umso mehr in seinem Haus», schrieb sein ehemaliger Kampfgefährte Dariel «Benigno» Alarcón Ramírez in seinem Buch «Memorias de un soldado cubano». Fidel soll sogar Besitzer einer eigenen Zigarrenfabrik gewesen sein.

Wie gesagt: Ich weiss nicht, warum viele Menschen ihre Vorsätze nicht einhalten. Und ich weiss auch nicht, was Sie, liebe Leserinnen und Leser, von Revolutionär Castro halten.

Was ich hingegen weiss: Vorsätze mache ich schon seit Jahren keine mehr.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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