22 Sonntags-Fragen

Kurt Aeschbacher: «Ich lebe seit einigen Jahren TV-abstinent»

Von Bruno Bötschi

2.1.2022

Geri Born
«Gerüchte haben mich nie interessiert. Weder solche über mich noch über andere»: Kurt Aeschbacher.
Bild: Geri Born

Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten? Was steht jeden Samstag auf Ihrem Einkaufszettel? Heute stellen wir unsere Fragen dem langjährigen TV-Moderator Kurt Aeschbacher.

Von Bruno Bötschi

2.1.2022

Jeden Sonntag stellt blue News einem Menschen aus Kultur, Sport, Wirtschaft und Politik 22 Fragen, um zu erfahren, was sie oder er am Wochenende tut oder lässt – und was der schönste Moment in den vergangenen sieben Tagen war.

Heutiger Gast ist Kurt Aeschbacher. In zahlreichen Aufführungen mit verschiedenen Orchestern hat sich der ehemalige TV-Moderator als Erzähler in musikalischen Werken profiliert.

Aktuell erzählt der 72-Jährige mit dem Musikkollegium Winterthur und Dirigent Roberto Gonzalez Prokofjews das musikalische Märchen «Peter und der Wolf». Auf der CD, die beim Schweizer Traditionslabel Claves erschienen ist, ebenfalls zu finden: Saint-Saëns «Karneval der Tiere» vom Klavierduo Vilija Poskute und Tomas Daukantas.

1. Kurt Aeschbacher, was bedeutet Wochenende für Sie – in einem Wort?

Pflanzen giessen, stundenlang die Sonntagspresse lesen und mich oft auf den nächsten Auftritt vorbereiten.

2. Was war der schönste Moment in den vergangenen Wochen?

Mit einem lieben Freund einen Abend zu verbringen, der vor kurzem seine Partnerin durch eine unerwartete Krankheit verloren hat. Dabei wurde mir klar, wie schwer sich viele Menschen tun, einer Person in ihrer Trauer beizustehen und einfach zuzuhören.

3. Wenn Sie Macht hätten, zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen gegen den Widerspruch der Mehrheit?

Anderen zu befehlen, was sie zu tun haben, entspricht nicht meinem Charakter. Ich bin allzu oft damit beschäftigt, die eigenen Vorsätze umzusetzen, als anderen meine Meinung aufzwingen zu wollen. Abgesehen davon finde ich, dass Macht grundsätzlich korrumpiert.

4. Was steht jeden Samstag auf Ihrem Einkaufszettel?

Blumen. Ein frischer, grosser Blumenstrauss darf bei uns zu Hause nie fehlen.

5. Bei welcher Modedesignerin, bei welchem Modedesigner lassen Sie Ihr Geld?

Ich laufe nicht gern als Plakatsäule für irgendwelche überteuerten Modemarken herum. Meine Hemden und Kleider lasse ich nach eigenen Ideen von kleinen Betrieben in der Schweiz herstellen. Das ist sicher etwas teurer, als Designerware zu kaufen. Dafür kann ich diese Stücke über Jahre tragen und unterstütze damit sicher keine fragwürdigen Produktionsmethoden.



6. Mit wem würden Sie gern einmal zu Abend essen? Die Person darf auch bereits tot sein.

Ein Nachtessen mit einer guten Flasche Wein gemeinsam mit dem Papst verbunden mit der Frage, ob er manchmal auch an der Existenz von Gott zweifle. Das würde mir hoffentlich bei manchen Sinnfragen neue Erkenntnisse bieten.

7. Wer ist der beste James-Bond-Darsteller? Und warum?

Roger Moore, der mich nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in persönlichen Begegnungen mit seinem britischen Humor faszinierte.

8. Welche TV-Serie schauen Sie gerade?

Ich lebe seit einigen Jahren TV-abstinent. Gespräche mit meinem Partner und Freunden inspirieren mich mehr.

9. Welches Konzert haben Sie zuletzt besucht?

Drei wunderbare Klavierkonzerte von Camille Saint Saëns und die Woche danach eine berührende Interpretation von Dvoraks Sinfonie «Aus der neuen Welt».

10. Bei welchem Song lassen Sie sofort alles stehen und liegen und stürmen die Tanzfläche?

Bis ich auf die Tanzfläche stürme, brauche ich eine gewisse alkoholbedingte Lockerheit. Dann spielt der Song keine grosse Rolle mehr.

«Ein Nachtessen mit einer guten Flasche Wein gemeinsam mit dem Papst verbunden mit der Frage, ob er manchmal auch an der Existenz von Gott zweifle»: Kurt Aeschbacher.
Bild: zVg

11. Wie lange bleiben Sie am Sonntag im Bett, nachdem Sie aufgewacht sind?

Fünf Minuten strecken, noch einmal kurz umdrehen und die Wärme im Bett geniessen, dann ab unter die Dusche.

12. Frühstück im Bett – ja oder nein?

Nein. Ich hasse es, wenn ich auf Brotkrumen liege.

13. Wann sind Sie zuletzt in ein Gotteshaus gegangen?

Kirchen besuche ich grundsätzlich nur aus kunsthistorischen Gründen. Eine Ausnahme war kürzlich ein spannendes Gespräch mit Bischof Josef Bonnemain, das ich in der prächtigen Barockkirche in Falera führen durfte.

14. Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten?

Die Wochenend-Zeitungen und die Giesskanne.

15. Gibt es ein Ritual, das Sie jeden Sonntag pflegen?

Einen verlängerten Spaziergang mit unserer Labradorhündin Amélie.

16. Freiburger Fondue Moitié-Moitié oder Tessiner Risotto?

Oh, da bin ich beiden Vorschlägen zugeneigt. Das Fondue aber lieber am frühen Abend, um eine schlaflose Nacht zu vermeiden, und den Risotto auch spätnachts.



17. Das beste Fortbewegungsmittel, das Sie je besessen haben?

Meine Füsse. Auf dass sie mich noch lange durch die Welt tragen mögen.

18. Locarno oder Lugano?

Eindeutig Locarno oder noch lieber Ascona. Damit verbinde ich unvergessliche Kindheitserinnerungen. Ich wollte unbedingt mit meinen Eltern einmal Ferien im Zelt verbringen. Dazu wurde eine ganze Campingausrüstung angeschafft. Bloss regnete es auf dem Campingplatz in Ascona in Strömen, dass bald alles unter Wasser stand und unsere Luftmatratzen im Dreck schwammen. Wir zogen tags darauf in ein Hotel und meine Mutter verschenkte frustriert die ganze Ausrüstung flugs ihrer Coiffeuse.

19. Wenn Sie das Wort Romandie hören: Woran denken Sie?

An Montreux, an Claude Nobs, an unvergesslich lange, verrückte Nächte bei ihm in seinem Chalet über dem Genfersee mit den besten Musikern der Welt, die immer wieder für spontane Jamsessions sorgten.

20. Was tun Sie am Wochenende zu wenig?

Einfach nichts, die lange Weile geniessen.

21. Welches hartnäckige Gerücht über Sie ist schlichtweg nicht wahr?

Gerüchte haben mich nie interessiert. Weder solche über mich noch über andere.

22. Ihr Lieblingswitz?

Dass man mit dem Älterwerden nur noch dem Nichtstun frönt und die Neugier verloren geht. Ein Witz, welcher der Gesellschaft die Kraft und Erfahrung der alten Menschen raubt.

Kurt Aeschbacher füllte den Fragebogen schriftlich aus.

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