Sexualität Mit 45 hat jeder Vierte Erektionsprobleme

uri

15.11.2019

«Use it or lose it»: Auch sexuelle Aktivität an sich wirkt gegen Erektionsprobleme. 
«Use it or lose it»: Auch sexuelle Aktivität an sich wirkt gegen Erektionsprobleme. 
Bild: Keystone

Aus medizinischer Sicht wird nicht alles besser beim «starken Geschlecht»: Männer haben immer öfter mit Testosteronmangel und Erektionsproblemen zu kämpfen. Dagegen helfen können mitunter aber einfache Massnahmen.

Wissenschaftler diagnostizieren bereits eine «Krise» des «starken Geschlechts», weil sich Männer zwischen den verschiedenen Rollenbildern nicht mehr zurechtfinden. Markus Margreiter, Urologe und Buchautor, hat dem «Tages-Anzeiger» die Probleme heutiger Männer aus medizinischer Sicht dargelegt.

Als positiv bewertet der Experte im Interview, dass jüngere Männer heute weniger Probleme damit hätten, über ihre Gesundheit oder sexuelle Probleme zu sprechen. Allerdings gebe es auch negative Entwicklungen. So seien sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis oder Tripper durch Dating-Apps wie Tinder dramatisch auf dem Vormarsch.



Auch sei in den letzten 20 bis 30 Jahren ein deutlicher Anstieg von Erektionsstörungen zu verzeichnen. «Jeder vierte Mann im Alter von 45 hat in dieser Hinsicht bereits Probleme. Die Hälfte davon schwere bis mittelschwere», meint Margreiter im Interview.

«Use it or lose it»

Die Medizin könne den Betroffenen inzwischen auf vielfältige Weise helfen. Neben Viagra stünden etwa Stent-Behandlungen, Schwellkörperimplantate oder die Stosswellentherapie zur Verfügung. Nicht zuletzt aber könnten die Probleme auch «Indikatoren für psychische Probleme sein», meint der Urologe.

Oftmals seien Erektionsstörungen aber auch erste Anzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Umkehrschluss gelte, dass die urologischen Werte umso besser seien, je sportlicher ein Mann ist. Auch sexuelle Aktivität wirke sich positiv auf die Leistungsfähigkeit des Penis aus. Hier sei das Motto angebracht: «use it or lose it».



Viele Männer könnten auch nichts mit dem Begriff «Andropause» anfangen. Hierbei handelt es sich um den Lebensabschnitt eines Mannes, in dem sein Testosteronspiegel rasch abnimmt. Zwischen 45 und 65 Jahren falle der Testosteronspiegel bei Männern nämlich schleichend, erklärt Margreiter. Zudem sei der Testosteronspiegel in den letzten Jahrzehnten, etwa durch Faktoren wie Stress oder zu wenig Bewegung, ohnehin zurückgegangen.

Die Folgen durch einen Mangel dieses Hormons seien etwa «sexuelle Lustlosigkeit, Abnahme der Muskelmasse, Schlafbeschwerden und Hitzewallungen», mitunter aber auch Antriebslosigkeit und depressive Verstimmung.

Sport hilft

Um einem Testosteronmangel entgegenzuwirken, empfiehlt Der Arzt Sport und wenig Bauchfett. Allerdings gelte auch, dass viel Ausdauersport den Testosteronspiegel eher senke, während er durch Muskelaufbau erhöht werde. Testosteron-Gels oder -Injektionen solle man hingegen nur anwenden, wenn sie vom Arzt verschrieben worden seien. Sie könnten nämlich grosse Nebenwirkungen zeigen. So werde etwa die Fruchtbarkeit stark negativ beeinflusst.



Der Experte empfiehlt Männern ab dem 40. Lebensjahr den regelmässigen Gang zum Urologen. Einen ersten Check sollten sie aber schon im Alter zwischen 20 und 30 Jahren machen lassen. Vor allem gehe es dabei um ein «Umdenken», nämlich, dass «Männergesundheit den gleichen Stellenwert hat wie Frauengesundheit», erklärt Margreiter dem «Tages-Anzeiger». Auch sie sollten früher lernen, «über ihre Probleme zu sprechen». Dann sei ein «Erektionsverlust oder Ejakulationsproblem später auch keine Katastrophe mehr.»

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