«Oh, ich dachte, es kommt ein Mann»

Bruno Bötschi

4.2.2020 - 07:33

«Es gibt Wörter zum Thema ‹trans›, die wir gern hören. Und es gibt Wörter, die wir nicht gern hören. Manchmal geht es um einen einzigen Buchstaben, der aus einem Wort ein Unwort macht», sagt Nadia (links) – im Bild auch Jenny (Mitte) und Lena.
Bild: Olivia Sasse

Schon in jungen Jahren fühlten sich Jenny, Lena und Nadia als Mädchen, obwohl sie als Buben grossgezogen wurden. Ein Gespräch in zwei Teilen über ihr Leben, das Coming-out als «trans» und den Mut für die eigenen Rechte zu kämpfen.

Jenny, Lena und Nadia, wann haben Sie alle bemerkt, dass Ihr Äusseres nicht mit Ihrer inneren Identität übereinstimmt? Oder anders gefragt: Wann haben Sie realisiert, dass Sie «trans» sind?

Lena: Ich wusste lange Zeit nicht, was «trans» ist. Als ich in der Jugendzeit anfing, hin und wieder Frauenkleider zu tragen, hatte ich zuerst das Gefühl, ich hätte einen Fetisch. Erst mit den Jahren realisierte ich: Ich fühle mich als Frau, und ich bin eine Frau.

Nadia: Ich entdeckte als Kind Dinge, die ich spannend fand, die mir aber nicht zugänglich gemacht wurden, dann hiess es: Das geht nicht, das ist nichts für dich.

Von welchen Dingen sprechen Sie?

Nadia: Ich rede von Spielsachen – an Kleider oder Schmuck wagte ich mich als Kind noch nicht heran. Ich signalisierte mein Interesse schüchtern, weil ich innerlich spürte, dass dies nicht gut ankommt bei meinen Eltern. Zugleich machte es mich stutzig, dass ich nicht damit spielen durfte. Irgendwann kam ich so auf den Gedanken, dass mit mir etwas nicht stimmen könnte.

Wie ging es weiter?

Nadia: Mit zehn Jahren machte ich mich konkret auf die Suche: Was ist das? Welchen Namen hat das? Damals, also vor 40 Jahren, war es schwierig, an solche Informationen zu gelangen.

Jenny: Man merkt nicht sofort, ob man «trans» ist. Ich spürte irgendwann, dass etwas anders ist – schön und drängend. Ich war irritiert und sehr verunsichert. Am Anfang wusste ich aber nicht, was ist und wie ich damit umgehen soll. Das Gefühl kennen wahrscheinlich viele Menschen: Du spürst, suchst – und irgendwann, oft auch nach vielen Widerständen, findest du und fühlst du dich wohl und aufgehoben. Davor dachte ich jedoch lange Zeit, ich sei der einsamste Mensch auf der Welt.

Jenny: «Man merkt nicht sofort, ob man ‹trans› ist. Ich spürte irgendwann, dass etwas anders ist – schön und drängend. Ich war irritiert und sehr verunsichert.»
Bild: Olivia Sasse

Sie alle haben jahrzehntelang in der Öffentlichkeit als Männer gelebt ...

Jenny: ... das stimmt so nicht ganz: Wir wurden jahrzehntelang von der Öffentlichkeit als Männer gelesen.

Wie kam es zu Ihrem Outing?

Jenny: Langsam und stetig.

Nadia: Bei mir gab es verschiedene Stufen des Coming-outs. Zuerst kam das Committing gegenüber ähnlich denkenden Menschen. Der grössere Schritt war dann gegenüber meiner Familie und meinen Freunden. Zum allerersten Mal erzählt habe ich es vor 25 Jahren meinem besten Freund, mit dem ich damals durch dick und dünn gegangen bin. Ich kannte alle seine Geheimnisse, er meine. Ich habe ihn ausgesucht, weil ich sicher war, dass es gut kommt, wenn ich es ihm zuerst sage.

Wie hat der Freund reagiert?

Nadia: Fast euphorisch, was sehr schön war.

Das Outing ist kein einfacher Schritt.

Nadia: Ja – bis ich so weit war, hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, aber gleichzeitig das Gefühl, ich hätte alles unter Kontrolle. Sprich: Wenn ich das Transthema nicht will, ist es nicht da. Dies erwies sich als Trugschluss. Ich spürte – je länger, desto mehr – eine Kraft in mir: Wenn ich mich dieser entgegenstellte, tat es weh. Gab ich mich ihr hin, fühlte es sich richtig an. Ich spürte immer mehr, dass ich auf dem richtigen Weg bin, und dass ich es der Familie und meinen Freunden sagen muss.



Welche Begriffe benutzen Sie heute, um sich selber zu beschreiben?

Lena: Ich bin eine Transfrau, das sagt eigentlich alles aus.

Jenny: Ich bin auch eine Transfrau.

Nadia: Für mich ist Transgender der allgemeinste, schönste Begriff. Es ist zwar ein englisches Wort, doch hat es sich eingebürgert als sachlich und nicht wertend beschreibend.

Unter dem Kürzel LGBTIQ fasst man im englischen Sprachraum lesbian, gay, bisexual, trans, intersex und queer zusammen. Manchmal hängt auch noch ein A+ dran, damit sich asexuelle Menschen ebenfalls inkludiert fühlen. Tönt ziemlich kompliziert, nicht?

Lena: Es ist vielleicht für einen Norm-Cis-Menschen kompliziert, wenn er den Begriff zum ersten Mal hört.

Nadia: Für mich ist es sehr ehrenvoll, dass mittlerweile das «T» zu diesem Kürzel dazu gestossen ist. Zu Beginn bestand es nur aus zwei Buchstaben – LG, also für «lesbian» und «gay». Erst mit den Jahren kam dann auch noch das B und T dazu. Ich erinnere mich gut, als 2007 Klaus Wowereit, er war damals Regierender Bürgermeister von Berlin, während seiner Rede an der Pride in Zürich zum ersten Mal den Begriff LGBT verwendete. Ich zuckte vor Ehrfurcht und Freude zusammen.

Nadia: «Für mich ist Transgender der allgemeinste, schönste Begriff. Es ist zwar ein englisches Wort, doch hat es sich eingebürgert als sachlich und nicht wertend beschreibend.»
Bild: Olivia Sasse

War das für Sie das Signal, dass der Begriff in der Gesellschaft angekommen ist?

Nadia: Einerseits angekommen in der Gesellschaft, andererseits aber auch besser verankert in der Community.

Jenny: Die schwulen und lesbischen Menschen mussten sich lange Zeit verstecken und durften nicht auffallen. Die Stonewall-Unruhen 1969 in New York City haben viel Gutes bewirkt – und das alles ausgelöst von farbigen Transmenschen! Die Schwulen und Lesben haben danach den Schwung genutzt. Bei uns Transmenschen ging es etwas länger, nun sind wir auch da und sichtbar. Heute spüre ich: Wir sind ein Teil der Gesellschaft. Und das ist gut so.

Wo und wann haben Sie drei sich kennengelernt?

Lena: Jenny und ich kennen uns seit 15 Jahren, Nadia kenne ich etwas weniger lang. Jenny und ich trafen uns zum ersten Mal an einem Transgender-Treffen der Vereinigung «Girls wanna have fun», kurz GWHF, in Wangen an der Aare.

Nadia: In der Zeit vor dem Internet war es ziemlich schwierig, Gleichgesinnte zu treffen. Es gab zwar bereits Gruppen und Vereine, die Anmeldung war jedoch kompliziert – kommuniziert wurde meist über eine Postfach-Adresse. Mit dem Internet ist unsere Community lebendiger geworden.



Gibt es in der Schweiz eine Szene für Transmenschen oder sogar Bars und Clubs wie für Schwule und Lesben?

Lena: Ich kenne keine Bar oder kein Restaurant, in denen ausschliesslich Transmenschen verkehren. Es gibt jedoch Stammtische in verschiedenen Lokalen, an denen wir uns regelmässig treffen.

Jenny: Ich finde es gut, dass es keine Orte explizit nur für Transmenschen gibt. Wir verstehen uns als Teil der Gesellschaft und möchten überall sichtbar sein und auch überall hingehen können.

Nadia: Ich fände es schön, wenn es so ein Lokal geben würde, aber möglicherweise ist unsere Zielgruppe zu klein für eine Transgender-Bar. Ich persönlich fühle mich in der Queer-Community sehr wohl.

Das grosse mediale Interesse an Transmenschen hat das Transgender Network Switzerland (TGNS) dazu veranlasst, einen Medienguide zu erstellen. Ist dieser deshalb entstanden, weil Transmenschen oft falsch dargestellt werden in den Medien?

Jenny: Der Guide will eine Hilfestellung sein. Er zeigt Transmenschen, worauf sie achten sollten, damit sie ernst genommen und nicht falsch oder gar verletzend dargestellt werden. Und der fragenden Person hilft er zu verstehen und achtsam zu fragen.

Lena: Viele Menschen kennen bis heute den Unterschied zwischen «Drag Queen» und «Transgender» nicht. Das führt immer wieder zu Missverständnissen, sodass sich Transmenschen verletzt fühlen. Es ist gut, dass es diesen Guide gibt.

Nadia: Es gibt Wörter zum Thema «trans», die wir gern hören. Und es gibt Wörter, die wir nicht gern hören. Manchmal geht es um einen einzigen Buchstaben, der aus einem Wort ein Unwort macht.

Lena: «Ich bin in der Familie nicht geoutet und im Beruf teilweise. Ich arbeite in der Kultur, und weil auch meine Freizeit kulturell ausgerichtet ist, kann ich nicht kontrollieren, wem ich begegne.»
Bild: Olivia Sasse

Ich nehme an, Sie reden vom Wort «Transe» ...

Nadia: ... dieses Wort ist ein absolutes No-Go.

Lena: Ich wurde, wenn ich in einer Bar sass, auch schon gefragt, ob ich unterwegs zu einem Polterabend sei. Statt mich angegriffen zu fühlen, versuche ich in solchen Situationen mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Es sind Chancen, die ich gern wahrnehme und aus denen schon öfters wunderbare Gespräche entstanden sind. Ja, ich will im Alltag als Frau gelesen werden. Wer das ignoriert, beleidigt mich zutiefst. Als ich mich vor ein paar Jahren vor meiner langjährigen Geschäftspartnerin geoutet habe, fragte sie mich: Was soll ich jetzt tun?

Was antworten Sie?

Lena: Du musst nichts machen, ich bin nach wie vor dieselbe Person. Ich wünsche mir einzig, dass du mich ab sofort Lena nennst und mich als eine «Sie» bezeichnest.

Jenny: Für mich ist das weibliche Pronomen sehr wichtig. Es gibt auch Transmenschen, die kein Pronomen wünschen. Ich gebe zu, das ist manchmal nicht ganz einfach. Aber ich finde es wichtig, dass wir auf solche Wünsche eingehen.

Sind Sie heute im Privaten und im Beruf geoutet?

Lena: Ich bin in der Familie nicht geoutet und im Beruf teilweise. Ich arbeite in der Kultur, und weil auch meine Freizeit kulturell ausgerichtet ist, kann ich nicht kontrollieren, wem ich begegne. Für mich ist es jedoch okay, dass mich in meinem beruflichen Umfeld viele als Lena, aber auch als männliche Person kennen.

Nadia: Im Privaten bin ich als weibliche Person unterwegs. Im Beruf, also wenn es um offizielle Aufgaben wie Vertragsverhandlungen oder Vertragsunterzeichnungen geht, bin ich nach wie vor eine männliche Person. Manchmal lasse ich das je nach Sympathie und Vertrautheit aber auch etwas schleifen. Und wenn ich dann als Mann unterwegs bin und jemand sagt «Oh, ich dachte, es kommt ein Mann», ist das natürlich ein schönes Kompliment. Es zeigt, dass ich auch als Mann weiblich wahrgenommen werde.

Jenny: Ich möchte diese Frage so nicht beantworten. Mir ist nicht klar, was sie genau soll. Die Frage ist doch viel mehr: Was löst ein Outing aus? Sprich: Was will ich damit erreichen? Hilft es mir, befreit es mich, bringt es mich weiter? Was sind die Gefahren eines Outings oder was zwingt mich dazu? Wir Transmenschen sollen also ein Outing machen, damit wir so leben können wie wir sind. Das finde ich komisch. Einen Cis-Menschen würde man das nie fragen.

Irgendwann kam der Tag, an dem plötzlich Nadia auf dem Stuhl sass. Wie sind Sie auf Ihren weiblichen Namen gekommen?

Nadia: Das war eine längere Entwicklung. Als Kind gab ich mir interessanterweise keinen weiblichen Namen. Später begann ich, verschiedene Namen auszuprobieren und zu evaluieren. Es ist schön, wenn man für sich einen eigenen Namen aussuchen darf. Wie ich letztendlich auf Nadia kam, weiss ich nicht mehr genau. Aber als ich mich dann zum ersten Mal per E-Mail bei einer Gruppe committete, wusste ich: Jetzt muss ich mir einen weiblichen Namen geben.

Jenny: Als ich mich vor vielen Jahren zum ersten Mal outete, fragte die Person: «Und wie heisst du?» Ich blieb stumm, weil mir keine Antwort einfiel. Dann ging ich nach Hause, wo mich der Name «Jenny» angesprungen hat. Er gefiel mir auf Anhieb, passte auch von der Namensgeschichte zu mir, klingt schön, und ich fühlte mich wohl.



Lena: Bevor ich erstmals ein Transgender-Treffen besuchte, war ich bei einer Kosmetikerin. Sie hatte sich darauf spezialisiert, Transgendermenschen zu beraten und besass unter anderem einen grossen Fundus an Perücken. Irgendwann sagte Sie zu mir: «Und wie heisst du?» Ich reagierte verdutzt und fragte: «Wie meinst du das jetzt?» Dann antwortete sie: «Du bist doch jetzt eine Frau und brauchst einen Frauennamen.» Ich gab ihr dann nicht sogleich eine Antwort, sondern nahm mir etwas Zeit, um einen weiblichen Namen zu wählen.

Welches waren die positiven Erfahrungen während Ihres Coming-outs?

Nadia: Ich erlebte extrem viel Positives. Nach diesem langen Versteckspiel prasselte plötzlich das Leben auf mich herein. Türen gingen auf, ich lernte viele neue Menschen kennen, von denen ich nicht wusste, dass sie existieren. Es gab viele positive Wows, viel mehr als negative. Zu realisieren, dass meine Angst unbegründet war, war für mich ein Befreiungsschlag.

Lena: Bei mir war es ähnlich. Da war all das Neue, das dazu kam, und das war toll. Aber noch wichtiger waren all die Freundinnen und Freunde, die mich als Mann kannten und mir nach dem Outing noch mehr Tiefe gaben.

Jenny: Für mich lag das Positive auch in mir selber: In der Sicherheit und der Freude – und auch in diesem Stolz, dass die innere Kraft zunimmt und ich näher zu mir selbst gelangt bin.

Wann ist eine Frau eine Frau?

Lena: Eine gute Frage. Für mich kann ich diese Frage so beantworten: Ich bin als Mann geboren, und wie sich das anfühlt, weiss ich. Ich weiss nicht, wie sich eine CIS-Frau sonst anfühlt. Aber ich weiss definitiv, dass was ich bin, sich nicht wie ein Mann anfühlt.

Möchten Sie von den Mitmenschen als Frau oder als Transfrau wahrgenommen werden?

Jenny: Als Frau.

Lena: Würde ich auch sagen.

Nadia: Als weibliches Wesen.

Jenny: Sorry, ich korrigiere mich: Ich möchte als Mensch wahrgenommen werden.

«Ich bin ein Mensch. Das klammert diesen gesellschaftlichen Blick aus, wie man sein muss und wie nicht. Daher antworte ich auf Ihre Frage so: Ich schaue gern Menschen an. Ich habe Menschen gern. Und ich bin gern mit Menschen in Kontakt. Ohne Präferenz für ein Geschlecht», sagt Jenny (rechts) – im Bild auch Nadia (Mitte) und Lena.
Bild: Olivia Sasse

So grundsätzlich: Haben es Transfrauen schwerer als Transmänner?

Nadia: Die ersten Schritte sind für Transmänner möglicherweise einfacher, weil sie weniger auffallen. Die ersten Schritte vom Mann zur Frau sind eher unschön, weil man körperliche Merkmale hat, die erst später korrigiert und abgeschliffen werden können. Die medizinische Anpassung ist hingegen für Transmänner heftiger wie für Transfrauen. Was die Stimme betrifft, war ich auf die Transmänner immer etwas neidisch, weil es für sie einfacher ist. Doch ist das mein persönliches Empfinden, und es wäre natürlich eine Anmassung zu sagen, dass es für die einen oder anderen einfacher oder schwieriger ist.

Jenny: Ich denke nicht, dass wir Transfrauen es schwieriger haben als die Transmänner. Vom Prozess her, den jede und jeder individuell durchmacht, gibt es für alle schwierigere und einfachere Momente. Und noch etwas: Ich bin ein Mensch. Das klammert diesen gesellschaftlichen Blick aus, wie man sein muss und wie nicht. Daher antworte ich auf Ihre Frage so: Ich schaue gern Menschen an. Ich habe Menschen gern. Und ich bin gern mit Menschen in Kontakt. Ohne Präferenz für ein Geschlecht.

Man sagt, dass Transmenschen eine Art zweite Pubertät durchlaufen. Nicht nur eine körperliche, sprich durch eine allfällige Hormontherapie, sondern auch durch das, was sie neu lernen müssen: Was sind die Codes unter Frauen? Gibt es Regeln in der Umkleidekabine? Wie guckt man sich an? Wer brachte Ihnen das alles bei?

Lena: Ich war schon in der Primarschule mehrheitlich mit Mädchen zusammen. Und meine Freundinnen waren immer solche, die mehr auf feminine Typen standen. Daher wusste ich eigentlich schon immer, wie das alles funktioniert.

Nadia: Diese Codes der Männer haben mich immer extrem abgestossen. Umgekehrt interessierte ich mich stark für die der Frauen. Die zweite Pubertät war bei mir so, wie ich vorhin anzudeuten versucht habe: Man beginnt mit null Selbstbewusstsein und null Erfahrung. Zum Teil sind das hart erarbeitete «Lehrplätze», bei denen man tolle Menschen kennenlernt, die einem auch einmal ein wichtiges Detail beibringen. Zum Beispiel wie eine Frau geht: Das wurde mir in einem Training mitten in der Nacht in Zürich zwischen zwei Strassenzügen beigebracht.



Wie schwierig ist der Umgang mit den Behörden bei Namens- und Geschlechtswechseln?

Lena: Im Kanton Zürich ist es einfacher geworden – es muss nur noch ein Formular ausgefüllt werden.

Nadia: Man muss allerdings unterscheiden zwischen der Identität auf der Identitätskarte und jener auf dem Geburtsschein. Über die erste Änderung kann die Einwohnerkontrolle befinden. Für die zweite braucht es nach wie vor ein ärztliches Gutachten und einen Gerichtsbeschluss. In den letzten Jahren hat sich vieles massiv vereinfacht, allerdings besteht bei den Gerichtsbeschlüssen noch immer eine grosse Willkür. Man weiss zum Beispiel, dass das Bezirksgericht von Zürich diese sehr moderat handhabt, während ein paar Kilometer weiter nördlich die Verantwortlichen deutlich konservativer ticken. Auch sind die Gebühren unterschiedlich hoch.

Steht in Ihren Pässen demnach noch der männliche Name?

Nadia: Ja.

Jenny: Es wurde mir ein Name und ein Geschlecht bei der Geburt zugewiesen. Das finde ich beides nicht mehr passend.

Wieso wechseln Sie nicht?

Lena: Das wird noch kommen.

Jenny: Da es in der Stadt Zürich so fortschrittlich ist, fühle ich mich ermutigt, es bald einmal zu tun.

Nadia: Schritt für Schritt – ich bin nicht die Schnellste in solchen Dingen, aber vielleicht schaffe ich es dann doch auch mal noch.

Teil zwei des Interviews mit Jenny, Lena und Nadia erscheint am nächsten Donnerstag, 6. Februar, auf bluewin.ch.

«Bluewin»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Gesprächsformat «Bötschi fragt» regelmässig mit Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er jahrelang die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.
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