Rob Spence: «Im Ärgern meiner Frau bin ich Weltmeister»

Bruno Bötschi

20.10.2020 - 08:01

Rob Spence: «Die Freiheit macht zur Zeit Pause. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass sie wieder zurückkommt. Mir kommt es so vor wie damals zur Zeit der Prohibition in den Vereinigten Staaten.»
Rob Spence: «Ich sterbe öfter auf der Bühne – aber tot auf der Bühne zusammenbrechen? Bitte nicht, das wäre nicht lustig für das Publikum.»
Bild: Pascal Mora/Keystone

Er zieht Grimassen, reisst Witze, turnt auf der Bühne herum. Comedian Rob Spence spricht über die Coronapandemie, verrät, dass er ein Egoist ist und erzählt, wie in seinem Heimatland Australien Weihnachten gefeiert wird.

Herr Spence, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel: Ich stelle Ihnen in den nächsten 45 Minuten möglichst viele Fragen. Und Sie antworten möglichst kurz und schnell. Wenn Ihnen eine Frage nicht passt, sagen Sie einfach ‹weiter›.

Cool.

Gut geschlafen?

Es geht so. Die Nacht war ziemlich unruhig. Ich träumte viel und machte mir Gedanken über die Coronapandemie und was noch auf uns zukommen wird.

Pyjama, Unterhose oder nackt?

Pyjama. Wissen Sie, mit 54 bin ich in einem Alter, in dem das Anziehen des Pyjamas zu einem der schönsten Momente des Tages gehört.

Wieso das?

Ich kann endlich ins Bett gehen und mich ausruhen.

Haben Sie im Bett schon etwas erfunden?

Ich habe mehrere Shows erfunden.

Shows für Ihre Frau Silvie oder Shows, die Sie später als Comedian auf der Bühne präsentieren konnten?

Beides.

Basteln Sie gerne?

Ich bastle fast alle Requisiten selber, die ich in meinen Shows verwende. Und ich male Bilder.

Können Sie mit Bleistift etwas Schönes zeichnen?

Spontan nicht. Ich brauche eine Idee und genug Zeit.

Wann haben Sie zuletzt für jemanden etwas gebastelt?

Zum Autor: Bruno Bötschi
zVg

«Blue news»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er jahrelang die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.

Also meine Bilder verschenke ich nicht, die will ich verkaufen.

Auf einer Skala von ein bis zwölf Punkten: Wie verrückt ist die Welt gerade?

Ziemlich verrückt – ich würde sagen: acht Punkte.

Wie verrückt sind Sie?

Es kommt darauf an wo. Im Bett gebe ich mir einen Punkt, auf der Bühne neun Punkte und im Alltag ebenfalls einen Punkt. Ich bin ein Familienmensch, lebe sehr gesund, esse fast kein Fleisch.

Ist der Konsumterror vor Weihnachten ein Wahnsinn?

Ja, das ist er – deshalb habe ich mich da schon vor Jahren davon ausgeklinkt. Meine Frau ist die Jüngste von 17 Kindern. In Ihrer Familie gab es zu Weihnachten nie Geschenke. Das wäre viel zu teuer gewesen. Wir zogen diese Tradition weiter, als wir heirateten und eine Familie gründeten.

Ihre Tochter, 26, und Ihr Sohn, 23, bekamen nie Geschenke zu Weihnachten?

Sie bekamen Geschenke, aber keine teuren.

Demnach stellen Sie auch keinen Weihnachtsbaum auf?

Doch, das finden wir hübsch.

Sie sind in Australien gross geworden, kamen mit 30 in die Schweiz. Die erste Hälfte Ihres Lebens feierten Sie also Weihnachten im Hochsommer, seither im tiefen Winter. Was ist schlimmer?

Beides hat seinen Reiz. Ich mag es, wenn es draussen schneit und wir drinnen mit der Familie ein schönes Essen geniessen können. Aber es ist auch toll, Weihnachten bei 30 Grad im Schatten zu feiern. In Australien war es bei uns daheim Tradition, am Weihnachtstag zusammen Cricket zu spielen.

Was isst man in Australien traditionellerweise an Weihnachten?

Bei uns daheim gab es meistens ein English Roast Dinner. Das besteht in der Regel aus gebratenem Fleisch mit Beilagen. Was in Australien zudem beliebt ist, und mir immer sehr gefallen hat, sind die Christmas-Carols, das öffentliche Singen von Weihnachtsliedern.

Weihnachtsguetsli – gibt es die in Down Under auch?

Völlig unbekannt.

Worauf müsste ich besonders achten, wenn ich von einer australischen Familie zum Weihnachtsessen eingeladen würde?

Genug Alkohol mitbringen.

Es ist erst Oktober und wir reden über Weihnachten. Total doof, nicht?

Völlig blöd – heute Morgen wollte bereits meine Tochter etwas wegen Weihnachten wissen und jetzt wollen Sie auch noch darüber reden …

Rob Spence: «Meine Frau Silvie ist die Jüngste von 17 Kindern. In Ihrer Familie gab es zu Weihnachten nie Geschenke. Das wäre viel zu teuer gewesen. Wir zogen diese Tradition weiter, als wir heirateten.»
Rob Spence: «Meine Frau Silvie ist die Jüngste von 17 Kindern. In Ihrer Familie gab es zu Weihnachten nie Geschenke. Das wäre viel zu teuer gewesen. Wir zogen diese Tradition weiter, als wir heirateten.»
Bild: Pascal Mora/Keystone

Mögen Sie Blumen?

Sehr.

Ihre Lieblingsblume?

Lavendel.

Wann haben Sie Ihrer Frau Silvie das letzte Mal Blumen geschenkt?

Vor ein paar Wochen schenkte ich ihr einen Strauss Sonnenblumen.

Haben Sie Mist gebaut oder was war der Grund für das Geschenk?

Ach, ich baue ständig Mist – wenn es darum geht, meine Frau zu ärgern, bin ich Weltmeister. Sechsmal Gold, sechsmal Silber.

Weshalb ärgern Sie Ihre Frau?

Ich bin ein Egoist, denke statt an meine Frau und unsere Kinder zuerst an mich.

Sie sagen demnach auch immer ‹ich› statt ‹wir›?

Ja leider. Ich bin Löwe im Sternzeichen und das sind ziemlich egoistische Menschen. Das ist etwas, was ich im Leben lernen musste: zuerst an die Familie zu denken.

Wie oft haben Sie in den letzten Jahren Ihren Hochzeitstag vergessen?

Den vergesse ich jedes Jahr.

Es setzt also jedes Jahr ein Donnerwetter ab?

Nein, meine Frau vergisst den Tag auch immer. Meistens realisieren wir es beide am Tag danach. Irgendwie scheint der Tag verhext zu sein.

Warum?

Dieses Jahr wollte ich es besonders gut machen. Ich setzte deshalb am Hochzeitstag einen Post auf Facebook ab. Aber auch das ging schief.

Wieso?

Am Tag danach bemerkte ich, dass ich den Post einen Tag zu spät abgesetzt hatte.



Wie haben Sie Ihre Frau kennengelernt?

Während meiner Theaterausbildung in Australien reiste ich 1986 als Strassenkünstler ein Jahr in der Welt herum. Wir traten auch in der Schweiz auf – unter anderem in Luzern. Dort traf ich Silvie mit ihrer Schwester auf dem Rathausplatz. Mir stockte der Atem als ich sie erblickte. Ich sagte zu meinem Kollegen: ‹Wow, das ist die schönste Frau, die ich in meinem bisherigen Leben gesehen haben.› Ich fragte Silvie, ob sie meine Show sehen wolle.

Wollte Sie?

Ja, aber blöderweise trug ich im Gesicht weisse Schminke, weil wir eine Pantomime-Show aufführten. Was habe ich mich damals geärgert. Ich dachte, mit so einer Verkleidung werde ich diese Frau niemals näher kennenlernen können. Und wissen Sie was, seit diesem Tag schminke ich mich nie mehr für eine Aufführung und ich trage auch keine Masken mehr.

Wie ging die Geschichte weiter?

Es wurde ziemlich kompliziert – aber ich mache es kurz: Einer von Silvies Bruder besass in Solothurn einen Kleiderladen. Sie meinte, wir müssten unbedingt dort vorbeigehen, er hätte tolle Kleider für Strassenkünstler im Angebot. Tage später fuhren wir also nach Solothurn. Dort lernte ich eine weitere Schwester von Silvie kennen. Sie lud uns zum Essen ein und dann ging es immer so weiter und weiter … bis Monate später Silvie mit mir nach Australien reiste.

Drei Jahre später kehrten Sie gemeinsam in die Schweiz zurück. Wer hat Ihnen damals zuerst abgeraten in die Schweiz ziehen?

Mein Universitätsprofessor, ein Amerikaner, nahm mich in den Arm und sagte: ‹Rob, das ist keine gute Idee. Schweizer sind kalt und total emotions- und gefühllose Menschen.›

Und?

Der Mann hat recht gehabt.

Und ernsthaft?

Ich kannte die Schweizerinnen und Schweizer ja bereits ein bisschen, weil ich hier als Strassenkünstler gearbeitet hatte. Ich dachte, die Schweizer lachen gern, sind offen und fröhlich. Als ich dann hier lebte, merkte ich, dass die Menschen hierzulande auch ziemlich zurückhaltend sein können.

Die typischen Charaktermerkmale eines Australiers?

Australier sind meistens locker drauf und können über sich selber lachen. Wenn Probleme anstehen, lassen sie sich nicht so schnell unterkriegen. ‹She'll be right, mate›, ist eine typische Redewendung. Das bedeutet so viel wie: Es kommt alles gut.

Die typischen Charaktermerkmale eines Schweizers?

Schweizer sagen oft: ‹Das goht nöd.›

Ihr Lieblingswort auf Schweizerdeutsch?

Chrüsimüsi.

Rob Spence: «Australier sind meistens locker drauf und können über sich selber lachen. Wenn Probleme anstehen, lassen sie sich nicht so schnell unterkriegen.»
Bild: Keystone

Ihre Frau ist auch Ihre Managerin. Wann streiten sie beide mehr: privat oder geschäftlich?

Geschäftlich streiten wir öfter. Erarbeiten wir zusammen eine neue Show, wird es meistens kompliziert. Dabei weiss ich ganz genau, dass niemand so gut wie Silvie meine Gags, die ich zuerst auf Englisch aufschreibe, ins Deutsche übersetzen kann.

In welcher Beziehung sind Sie Schweizer geworden, in welcher Australier geblieben?

Ich bin pünktlicher geworden und ich räume den Gewürzständer alphabetisch ein. Und ich musste in der Schweiz lernen ordentlicher zu sein. Als selbstständig Erwerbender blieb mir gar nichts anderes übrig – in Australien zahlst du Steuern und damit ist alles erledigt. In der Schweiz wird alles separat abgerechnet – die Steuern, die AHV, die Krankenkasse und so weiter. Ich bin aber nach wie vor ein offener Mensch und glaube daran, dass alles gut kommen wird. Wie gesagt: She'll be right, mate.

Sind Sie Doppelbürger?

Ich wollte vor ein paar Jahren Schweizer werden, aber irgendwie wurde das wahnsinnig kompliziert …

Sie besitzen ‹nur› den australischen Pass?

So ist es.

Spiessige Schweizer nennt man ‹Bünzlischweizer›. Gibt es auch einen Ausdruck für spiessige Australier?

Nicht wirklich. So eine Person würde man wohl mit ‹Wanker› betiteln, aber diesen Ausdruck übersetze ich jetzt besser nicht.

Wer ist lustiger: die Australier oder die Schweizer?

Die Australier.

Lustiger, aber auch – und das weiss ich aus eigener Erfahrung – viel lauter.

Waren Sie schon einmal in Spanien in den Ferien? Dort sind die Menschen auch laut. Aber Sie haben recht, als ich vor drei Jahren mit drei alten Schulfreunden in Sydney in einem Restaurant sass, kam ich kaum zu Wort und es war derart laut, dass ich nach einer halben Stunde Kopfweh bekam und raus an die frische Luft gehen musste. Ja, die Australier sind laut, sehr laut sogar.

Wirklich wahr, dass Kylie Minogue so etwas wie die ungekrönte Königin von Australien ist?

Ich weiss es nicht, wie es heute ist – aber vor ein paar Jahren war dem so. Kylie wurde wie eine Heilige behandelt. Ein schlechtes Wort über sie und man wurde schief angeschaut. Für die Australier ist Kylie Minogue das, was Christa Rigozzi für die Schweizer ist. Es sind beides Powerfrauen, die immer weitermachen und weiter und weiter …

Ihr Lieblingssong von Kylie Minogue?

‹Can't get you out of my head›. – Ich muss zugeben, am Anfang ihrer Karriere gefiel mir Kylie Minogue nicht. Ich habe oft Witze über sie gemacht, weil ich dachte, sie wird rasch wieder aus dem Rampenlicht verschwinden. Ich wurde jedoch eines Besseren belehrt.

Welches Instrument sollte verboten werden?

Dudelsack – für mich ist das kein Instrument, sondern eine Waffe.



Wirklich wahr, dass Ihre Frau Ihnen zeitweise verboten hat, auch daheim ständig Faxen zu schneiden?

Das stimmt. Das war, als unsere beiden Kinder noch ganz klein waren. Für meine Frau war das zeitweise zu anstrengend, drei Kinder am Tisch zu haben.

‹Alles ist möglich›, sagten Sie 2015 in einem Porträt der ‹Schweizer Familie›. Und weiter: ‹Diese Überzeugung gibt mir ein Gefühl von grenzenloser Freiheit.› – Nach wie vor wahr oder nicht?

Wegen der Coronapandemie sind aktuell viele Grenzen leider geschlossen. Das Freiheitsgefühl ist mir in den letzten Wochen und Monaten deshalb etwas abhandengekommen. Ich bin jemand, der gern reist. Gerade jetzt spüre ich die Sehnsucht, nach Marokko zu reisen. Und ich vermisse Australien. Ich weiss nicht, wann ich meine Familie und meine Freunde das nächste Mal sehen kann. Die Freiheit macht zurzeit Pause. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass sie wieder zurückkommt. Mir kommt es so vor wie damals zur Zeit der Prohibition in den Vereinigten Staaten, als von 1920 bis 1933 landesweit die Herstellung, der Transport und der Verkauf von Alkohol verboten waren.

Noch ein Zitat von Ihnen: ‹Ich bin mit den Jahren reifer und ruhiger geworden.› – Sieht das Ihre Frau Silvie auch so?

Nein, nein, meine Frau muss mich ständig bremsen. Grad gestern hat sie zu mir gesagt: ‹Rob, du machst zu viel.› Ich muss zugeben, sie hat recht. Aber ich bin ein Mensch, der sich unheimlich gern bewegt. Ich kann nicht stundenlang einfach nur herumsitzen.

Und noch eines: ‹In meinem Gehirn herrscht Hyperaktivität.›

Dem ist immer noch so.

Rob Spence: «Ich bin pünktlicher geworden und ich räume den Gewürzständer alphabetisch ein. Und ich musste in der Schweiz lernen ordentlicher zu sein.»
Bild: Pascal Mora/Keystone

Das schönste Kompliment, das man Ihnen Ihr Gesicht betreffend je gemacht hat?

Da gab es schon so viele … aber das letzte Kompliment, welches mir meine Frau kürzlich gemacht hat, werde ich so schnell nicht vergessen. Sie meinte, ich sei ein Hübscher.

In welchen Momenten, ausser während dem Schlafen, sind Sie total ruhig?

Solche Momente gibt es kaum, ausser ich ziehe mich zum Meditieren zurück.

Ziehen Sie deshalb so oft um, weil Sie sich schnell langweilen?

Möglicherweise – ich bin ständig auf der Suche nach neuen Abenteuern, neuen Herausforderungen und neuen Projekten.

Sie leben mit Ihrer Familie nun seit acht Jahren in Zug. Solange haben Sie es, ausser in Ihrem Elternhaus, noch nirgends ausgehalten. Was ist los mit Ihnen?

Sie haben völlig recht, aber ich habe bereits einen Plan.

Was für einen Plan?

Ich würde gerne in England ein Projekt lancieren. Nur leider ist dafür der Zeitpunkt gerade ungünstig.

Sie wollen auswandern?

Nein, nein, ich werde in der Schweiz wohnhaft bleiben. Aber ich würde, so wie ich es früher auch getan habe, gern wieder vermehrt im Ausland auftreten.

Wo ist die Schweiz am schönsten?

Wunderbar erholen kann ich mich in Ascona. Aber es gibt noch viele andere schöne Orte. Zug, wo wir wohnen, mag ich auch sehr. Und ich liebe den Kanton Solothurn, den Aargau und den Thurgau …

… was mögen Sie im Kanton Thurgau besonders?

Ich finde Frauenfeld eine geile Stadt.

Dort bin ich aufgewachsen, es ist meine Heimatstadt.

Die Altstadt ist super hübsch. Und das Publikum in Frauenfeld ist grossartig.



Was ist die schlimmste Konsequenz, die Sie je wegen eines Witzes aushalten mussten?

Das ist schon etwas länger her: Am Ende der allerletzten TV-Sendung ‹Rob’s Comedy Club› machte ich einige Witze über die Schweizerinnen und Schweizer. Ich erzählte, dass ich jetzt sogar Peach Weber und DJ Bobo geil fände und ich langsam spüren würde, dass ich immer mehr Schweizer werde. Irgendwann fingen die Leute an mich auszubuhen und einige verliessen sogar den Saal. In diesem Moment bin ich fast im Boden versunken, konnte nur mit Mühe die Tränen zurückhalten. Ich dachte: ‹Mein Gott Rob, jetzt bist du zu weit gegangen mit deinen Witzen. Das war dein allerletzter Fernsehauftritt.› Am Ende der Show kam Comedian Michael Mittermaier auf die Bühne, drückte mir eine Torte ins Gesicht und meinte: ‹Das war ein Witz. Wir haben dich verarscht.› Sekunden später kehrte das Publikum in den Saal zurück und gab mir eine Standing Ovation. Dieser Abend ist mir tief in die Knochen gefahren und hat mein Selbstvertrauen erschüttert. Ja, es war eines der schlimmsten Erlebnisse überhaupt in meinem Leben.

Waren Sie schon einmal bei einem Psychiater?

Noch nie – aber von 2003 bis 2007 hatte ich einen Durchhänger. Ich stellte mir damals die Sinnfrage. Einige Projekte waren in die Hose gegangen, was mich so plagte, dass ich depressiv wurde. In einer Selbsthilfegruppe und beim Malen fand ich wieder zum Positivem, als mir aufging, dass ein Hauptgrund meines Leidens übersteigertes Selbstmitleid war. Das grosse Problem von mir als Comedian ist: Ich nehme alles zu persönlich. Ich will die Leute ständig zum Lachen bringen, will, dass sie mich lieben. Ich musste lernen, dass ich nicht alle Menschen glücklich machen kann. Genauso wie nicht alle Menschen Schoggi gernhaben, mögen auch nicht alle meine Witze.

Kurz- oder weitsichtig?

Ich sehe schlecht in der Nacht und leide an Altersweitsichtigkeit.

Arthrose oder Bandscheibenvorfall?

Keines von beidem.

Was sagt der Physiotherapeut?

Bewegen Sie sich so viel und so oft wie bisher.

Rob Spence: «Ich stellte mir damals die Sinnfrage. Einige Projekte waren in die Hose gegangen, was mich so plagte, dass ich depressiv wurde.»
Bild: Pascal Mora/Keystone

Mit welchen Worten bricht man höflich ein Telefongespräch ab?

Sorry, ich muss gehen.

Müssen die Gäste bei Ihnen zu Hause die Schuhe ausziehen?

Gäste, die länger bleiben wollen, ja, Handwerker nicht.

So grundsätzlich: Sind Ihnen die Menschen sympathisch?

Zu 99,9 Prozent ja.

Wann waren Sie das letzte Mal so richtig schön betrunken?

Am letzten Silvester. Wir waren sechs Leute und tranken 15 Flaschen Champagner.

Und noch eine Beichte, bitte: Ihre Erfahrungen mit Drogen?

Sehr wenig.

Wir kommen zum Talenttest: Schätzen Sie jetzt bitte, lieber Herr Spence, Ihr Talent von null Punkten, kein Talent, bis zehn Punkte, Supertalent, ein: Gärtner?

Fünf Punkte. Ich bin in der Nähe von Sydney auf einer Schaffarm aufgewachsen. Ich kann also Schafe scheren, aber einen grünen Daumen habe ich nicht. Ich wollte lieber Cowboy sein und auf Pferden reiten statt Gärtner werden.

Macho?

Drei Punkte. Ich spiele auf der Bühne Machos, denn ich bin mit ihnen aufgewachsen. In der Realität bin ich jedoch keiner.

Politiker?

Ich kann gut Witze erzählen, aber politische Reden sind nicht mein Ding. Ein Punkt.

Schweizer des Jahres?

Ich habe ja nicht mal den Schweizer Pass – darum: null Punkte.

Ihre Frage an Marco Rima?

Wann spielen wir das nächste Mal Golf?

Ihre Frage an Andreas Thiel?

Andreas Thiel mag ich, aber ich kenne ihn nicht besonders gut. Ich würde ihn fragen, wann er sich endlich wieder seine Irokesenfrisur schneiden lässt?



Hazel Brugger oder Patti Basler?

Hazel Brugger bringt mich mehr zum Lachen.

Kiko oder Fabio Landert?

Sind beide ziemlich gut, aber ich sage jetzt einmal Kiko.

Mike Müller oder Frank Baumann?

Mike Müller ist grossartig, aber Frank Baumann liebe ich. Ich fand seine TV-Sendung ‹Ventil› den absoluten Hammer. Baumann nahm kein Blatt vor den Mund.

Frank Baumann ist künstlerischer Leiter vom ‹Arosa Humorfestival›. Was ist so lustig daran, im Winter in einem arschkalten Zirkuszelt auf einer Alp aufzutreten?

Das ‹Arosa Humorfestival› ist viel mehr als nur ein Festival. Es ist so etwas wie der Treffpunkt der Comedian-Szene. Ein wunderbares Erlebnis. Und das Publikum ist grossartig.

Ich frage mich, wie blöd man sein muss, eine Veranstaltung ‹Humorfestival› zu nennen. Tönt doch irgendwie nach Lachzwang, nicht?

Humor ist nicht gleichbedeutend mit Lachen müssen. Ich schaue oft Dinge an, über die ich nicht lachen muss, aber ich finde sie trotzdem witzig.

Kann Humor die Welt verändern?

Natürlich. Nicht umsonst hatten früher viele Könige Hofnarren engagiert.

Woran erkennt das Publikum, dass Sie nervös sind?

Wenn ich anfange zu stottern.

Rob Spence: «Für die Australier ist Kylie Minogue das, was Christa Rigozzi für die Schweizer ist. Es sind beides Powerfrauen, die immer weitermachen und weiter und weiter ...»
Bild: Keystone

Während des Corona-Lockdowns: Wie ging es Ihnen ohne Auftritte wirtschaftlich?

Nicht besonders gut.

Und psychisch?

Das war kein Problem. Ich konnte die freie Zeit einigermassen geniessen, obwohl ich immer das Messer im Rücken spürte, weil ich ohne Auftritte keine Einnahmen generierte.

Insider behaupten, Sie seien glücklich gewesen über die staatlich verordnete Pause, denn so konnten Sie Ihr Golfspiel endlich auf ein anständiges Niveau heben.

Das stimmt nicht – Golfspielen ist teuer, aber ich hatte ja in den vergangenen Monaten fast keine Einnahmen. Aber zum Glück haben mich hin und wieder Freunde zu einer Runde Golf eingeladen. Das war toll. Mein Handicap ist auf dem Papier 33, aber ich behaupte, dass ich um die 20 spiele.

US-Präsident Donald Trump ist bekannt dafür, dass er auf dem Green schamlos bescheisst. Sie auch?

Nein.

Wenn die Welt in 365 Tagen untergehen würde – was wäre dann Ihre Aufgabe? Sie dürfen allerdings keinen Baum pflanzen.

Möglichst viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen, möglichst oft auftreten, damit die Leute etwas zum Lachen haben und eine ‹Untergangs›-Show schreiben.

Wie würden Sie Ihre Karriere beschreiben?

Ich bin ein Rollercoaster, also eine Achterbahn.

Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl, mächtig zu sein?

Ich bin verheiratet, dieses Gefühl hatte ich noch nie.

Was haben Sie anderen Menschen öfter geraten: A) sich zu trennen? B) sich nicht zu trennen?

Zusammenbleiben – meine Frau und ich sind jetzt 33 Jahre zusammen und es tut nach wie vor nicht weh.

Demnach können Sie mir das Geheimnis für eine langjährige Beziehung verraten?

Es gehört viel Arbeit dazu, Offenheit ist wichtig, man muss über Gefühle reden können, sollte für den anderen da sein und muss verzeihen können.

Zu welcher Tageszeit sind Sie am leichtesten erregbar?

Am Morgen von sieben bis neun Uhr bin ich ein Zombie.

Wie haben Sie sich mit zwölf Sex vorgestellt?

Ich finde Frauen wunderschön, seit ich vier Jahre alt war. Und war deshalb überzeugt, es muss etwas total Schönes sein.

War es dann so gut oder schlechter?

Es ging viel schneller vorbei, als ich gedacht habe.

Vor dem Sex: Was ziehen Sie zuerst aus, Hose oder Hemd?

Hemd, immer.

Welcher Sport wird Sex dereinst ersetzen?

Golf.

Wollen Sie auf der Bühne sterben?

Ich sterbe öfter auf der Bühne – aber tot auf der Bühne zusammenbrechen? Bitte nicht, das wäre nicht lustig für das Publikum.

Wir sind fertig.

Cool.


Comedian Rob Spence ist seit Oktober wieder auf Tournee. Die aktuellen Daten finden sich unter diesem Link.

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