Diese fünf Fragen brennen immer noch

#Von Res Kindler

7.6.2021

Gabriella Le Breton rides down mountain pass
Fast jeder sechste Neuwagen hatte in der Schweiz 2020 einen alternativen Antrieb.
Bild: Keystone

Das Elektroauto setzt sich langsam aber sicher durch auf dem Markt. Trotz rasant steigender Nachfrage halten sich einige Mythen und Fragen hartnäckig. Wir haben Antworten.

#Von Res Kindler

7.6.2021

Jede zweite Person in der Schweiz würde sich gerne ein Elektroauto kaufen. Gemäss dem Bundesamt für Statistik machten Fahrzuege mit alternativen Antrieben 2020 bereits über 14 Prozent aller Neuwagen aus. Öffentliche Ladestationen schiessen wie Pilze aus dem Boden. Elektromobilität boomt!

Neuerdings nicht nur im Privatleben, sondern auch im Business. Immer mehr Schweizer Unternehmen setzen in ihren Flotten Fahrzeuge mit nachhaltigem Antrieb ein oder stellen gar den gesamten Betrieb um.

Trotzdem halten sich einige Mythen und Zweifel an der Technologie hartnäckig. Wir ziehen Bilanz und geben Antworten auf die immer noch brennendsten fünf Fragen.

Frage 1: Ist ein Elektrofahrzeug nicht teurer als ein Verbrenner?

In der Anschaffung schon, auf Lebenszeit schon lange nicht mehr. Der Strom zum Laden kostet halb so viel wie fossiler Treibstoff und auch Service- und Unterhaltskosten fallen bei Elektroautos tiefer aus. Bereits ab 30'000 gefahrenen Kilometern kann der höhere Anschaffungspreis amortisiert sein. Das Teure an Elektrofahrzeugen ist die Batterie, die aber immer günstiger wird. Die Batterie wirft gleich die zweite Frage auf:

Frage 2: Wie umweltfreundlich sind Elektroautos tatsächlich?

Die Batterien verursachen aus ökologischer Sicht immer wieder Zweifel wegen des Recyclings und der grauen Energie. Dabei spielt die Produktionsweise entlang der Lieferkette eine wichtige Rolle. So sind etwa in Skandinavien gefertigte Batterien klimafreundlicher als solche aus China, weil die nordischen Länder auf erneuerbare Energien setzen.

Die Batterie hat zudem den generellen Vorteil, dass sie aufgeladen und rezykliert werden kann, ganz im Gegensatz zum Verbrennungsmotor, der den Rohstoff einmalig verbrennt. Die NZZ hat in einem Bericht aufgezeigt, dass Batterien bereits zu 96 Prozent rezykliert werden können.

Auch abgesehen von der Batterie sind Elektroantriebe bereits heute weit klimaschonender als Verbrenner, sofern die Energie aus nicht CO2-getriebenen Energieträgern kommt. Der Strom aus Schweizer Steckdosen stammt zu rund 62 Prozent aus erneuerbaren Energien. Damit ist die ökologische Wirkung von Elektroautos gegenüber anderen Klimaschutzmassnahmen sehr gross.

Diese grosse Wirkung treibt auch immer mehr Unternehmen an, ihre Flotten auf Elektroantrieb umzustellen. So auch Swisscom: Die konsequente Elektrisierung der Fahrzeugflotte wird bis 2025 zu Einsparungen von 4000 Tonnen CO2 pro Jahr führen. Die Mobilität macht damit rund die Hälfte der Emissionen aus, die in den nächsten Jahren eingespart werden sollen.

Frage 3: Schränkt mich ein Elektroauto wegen der begrenzten Reichweite nicht ein?

Eine gängige Sorge ist trotz Marktauftrieb immer noch die Reichweite. Laut dem TCS werden diese aber gerade rasant grösser. Neue Modelle fahren über 500 Kilometer am Stück. Bei durchschnittlich 32 gefahrenen Kilometern am Tag in der Schweiz sollte das eigentlich reichen, oder?

Die grösseren Reichweiten sind auch für Unternehmen ein wichtiges Argument, wenn es um die Elektrisierung der Flotte geht. Stefan Reber ist Flottenmanager bei Swisscom und meint: «80 Prozent unserer Personenwagen fahren Strecken, die bereits heute problemlos von einem Elektroauto abgedeckt werden können».

Frage 4: Hat die Schweiz überhaupt genug Strom für so viele Elektroautos?

Würden sämtliche Autos per sofort auf Elektroantrieb umgestellt, würde der gesamtschweizerische Stromverbrauch um 15 bis 19 Prozent steigen, was laut Stromnetzbetreibern zu schaffen sein müsste. Trotz des Booms passiert das aber nicht von heute auf morgen.

Fakt ist, dass der Strommarkt in Bewegung ist. Entscheidend ist in den nächsten Jahrzehnten nebst dem Erschliessen erneuerbarer Energien ein besseres Lastenmanagement. Sprich, dass Stromproduktion und -bedarf optimal aufeinander abgestimmt sind. Bis der ganze Schweizer Verkehr elektrisiert ist, wird auch der Strommarkt einen Schritt weiter sein.

A wind turbine at the site of the highest wind park in Europe is pictured at the Griessee, near the Nufenenpass in the Swiss south Alpes, Valais, Switzerland, on September 30, 2016. The four wind turbines of this wind park were developed by the company SwissWinds GmbH and are inaugurated this Friday, September 30 2016. (KEYSTONE/Sedrik Nemeth)
Der Strommarkt ist in Bewegung. Ein immer grösserer Anteil erneuerbarer Energien und dadurch immer mehr einzelne Stromquellen, die ins Netz einspeisen, fordern smarte Lösungen für das Lastenmanagement.
KEYSTONE

Frage 5: Ist das Aufladen im öffentlichen Raum nicht umständlich?

Diese Frage war vor einigen Jahren noch durchaus berechtigt. Doch mit der rasant steigenden Nachfrage nach Elektromobilität holt auch der Markt für öffentliche Ladestationen auf. Gemäss dem TCS gibt es heute fast 5000 Ladepunkte in der Schweiz.

Das sind fast zehnmal so viele, wie eine Empfehlung der EU vorgibt. Beim aktuellen Fahrzeugbestand müssen sich damit nur sechs Elektrofahrzeuge einen Ladepunkt teilen. Die Schweizer Ladeinfrastruktur ist dem Bestand an Elektroautos damit weit voraus. Dieser Mythos sollte also schleunigst begraben werden.


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Andreas Kindler ist zuständig für Energie- und Umweltmanagement.
Swisscom