Gerhard Gaudard – trotz Autismus mittendrin

Jürg Studerus

25.2.2020 - 14:07

Gerhard Gaudard – trotz Autismus mittendrin

Gerhard Gaudard – trotz Autismus mittendrin

Gerhard Gaudard bekam erst mit 36 Jahren die Diagnose Autismus. Trotz seiner psychischen Beeinträchtigung arbeitet er nun seit drei Jahren in einem festen Arbeitsverhältnis bei Swisscom.

22.02.2020

Gerhard Gaudard ist einer von 50'000 Menschen, die in der Schweiz von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen sind. Seit drei Jahren arbeitet er in der ICT-Abteilung von Swisscom als Software-Entwickler und -Tester.

Rund 16 Prozent der Schweizer Bevölkerung lebt mit einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung. Nur sehr wenige von ihnen sind in den regulären Arbeitsmarkt integriert. Gerhard Gaudard hat mit 36 Jahren erfahren, dass er Autismus hat. Nach langem beruflichen Auf und Ab arbeitet er nun trotz seiner Beeinträchtigung seit drei Jahren bei Swisscom.

Er entwickelte massgeschneiderte Software-Lösungen für die Mitarbeitenden und ist seit Kurzem in ein Testautomationsprojekt involviert. In den drei Jahren bei Swisscom hat er sich als wichtiges Teammitglied etabliert.

Gaudard fühlt sich wohl in seinem Team und der tägliche Umgang miteinander hat sich eingependelt: «Natürlich waren zu Beginn Berührungsängste vorhanden. Ich hatte den Eindruck, meine Kolleginnen und Kollegen wussten nicht recht, wie sie mich ansprechen und mit mir umgehen sollten. Diese anfängliche Unsicherheit hat sich aber schnell gelegt und heute verstehen mich meine Kollegen besser.»

Mehr Sensibilisierung, mehr Selbstbestimmung

Solche Berührungsängste sind ein Grund, weshalb immer noch viel zu wenig Personen mit einer psychischen Beeinträchtigung in den regulären Arbeitsmarkt integriert sind. Hier braucht es mehr Sensibilisierung.

Erfreulicherweise engagieren sich immer mehr Akteure für eine bessere Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen. Auf Bundesebene fördert das eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung diesen Prozess.

Aber auch in der Privatwirtschaft ergreifen Unternehmen Initiative. Swisscom hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil Mitarbeitende mit einer Beeinträchtigung auf ein Prozent zu steigern. Dieses Ziel ist mit aktuell 0,97 Prozent bald erreicht.

«Dank meiner Stelle hier bei Swisscom kann ich trotz meiner Beeinträchtigung ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben führen. Das ist mir sehr wichtig. Ich kann mich deshalb auch gut mit meiner Arbeitgeberin identifizieren», sagt Gerhard Gaudard.

Grosses Potenzial

Der soziale Umgang und Austausch mit anderen Menschen ist für Personen mit Autismus schwierig, da sie sich nur schlecht in jemand anderen hineinversetzen können. Das bedeutet aber nicht, dass sie keine sozialen Kontakte pflegen können und möchten.

Gaudard arbeitet wie seine Teamkolleginnen und -kollegen in einem Grossraumbüro und schätzt den Umgang und die Zusammenarbeit mit anderen: «Ich esse jeden Tag mit dem Team zu Mittag, was zu Beginn eine Herausforderung war. Auch gehe ich heute eher mal auf Kollegen zu und frage etwas nach oder bitte sie um Rat.»

Unternehmen und Menschen für das Thema Inklusion zu sensibilisieren, ist ein wichtiger erster Schritt, um Menschen mit Beeinträchtigung in den regulären Arbeitsmarkt zu integrieren. Werden solche Personen kategorisch ausgeschlossen, entgeht dem Arbeitsmarkt grosses Potenzial.

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Jürg Studerus ist Senior Communications Manager im Bereich Corporate Responsibility bei Swisscom.
Bild: Swisscom
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