Bernhardiner auf der Rigi – Ausverkauf der Berge oder Attraktion?

9.11.2018 - 15:53, Mara Ittig

Bernhardiner auf der Rigi: Ein beliebtes Fotomotiv vorwiegend für ausländische Gäste. 
Bild:  rigi.ch

Der Bernhardiner gilt als typischer Schweizer Hund. Auf der Rigi sind seit kurzem von den Tieren geführte Wanderungen im Angebot. Ist das eine spannende Bereicherung für den Berg als Ausflugsziel oder schreitet damit der Ausverkauf der Rigi ein Stück voran?

Die Rigi ist ein Bernhardiner-Berg. Schon vor hundert Jahren waren die Hunde auf dem Berg zu Hause und als Rettungshunde im Einsatz. So steht es auf der Angebotsseite der Rigi, auf der man die Wanderungen buchen kann. Warum die Bernhardiner in den 80er-Jahren von der Rigi verschwanden, ist unklar. Nun sollen die Tiere wieder zurück in ihr einstiges Revier. Dahinter steht der Verein «Rigi Barry & Friends».

Einige Tiere haben ihr neues Domizil auf dem Innerschweizer Berg bereits bezogen und erfreuen nun die Besucherinnen und Besucher. Ein Bernhardiner – sein Name ist Max – ist seit gut einem Jahr gemeinsam mit seinem Tierpfleger fest im Hotel Rigi First stationiert.

Regelmässig werden auch weitere Hunde und deren Besitzer auf den Berg gebracht. Wer will, kann sich auf einer geführten 90-minütigen Wanderung von den treuherzigen Riesen begleiten lassen. Oder sich mit ihnen fotografieren. 

Anders als in Zermatt, das im Zusammenhang mit Bernhadinern als Touristen-Attraktion negative Schlagzeilen machte, will man sich auf der Rigi streng an die Vorschriften halten und arbeite deswegen streng mit dem Tierschutz und dem Veterinäramt zusammen, betont Markus Kretz, Gründer von «Rigi Barry & Friends» in der Neuen Luzerner Zeitung

Die Rigi ist zum Zankapfel geworden

Was einige Besucher freuen dürfte, stösst anderen möglicherweise sauer auf. Um die «Disneyfizierung» der Rigi formiert sich schon seit längerem Widerstand. Der auf Rigi Kaltbad wohnhafte Kulturwissenschaftler René Stettler hat in einer Petition «Nein! Zu Rigi-Disney-World» rund 3'000 Unterschriften gesammelt. Er fürchtet einen Ausverkauf der Rigi und unkontrollierbare Touristen-Massen. 

Laut Berichten der Luzerner Zeitung planen die Rigi Plus AG und die Rigi Bahnen AG Investitionen von 60 Millionen Franken, um auf dem Berg unter anderem eine Shoppingmeile, eine Schnapsbrennerei, ein «Schwizer Dörfli» oder einen Turm in Form eines Tannzapfens zu bauen. Zum Schweizer Miniaturdorf könnte auch eine Anlage mit mehreren Bernhardinern zählen, um mit den Hunden in Kontakt zu kommen. Auch Vorführungen und ein Barry-Souvenirshop sind im Gespräch. 

Tourismus-Experte Jürg Stettler sieht allerdings keine Gefahr einer «Disneyfizierung» durch Bernhardiner auf der Rigi. Eine Disney-Welt impliziere immer eine gewisse Künstlichkeit. Das sei hier nicht der Fall, da die Hunde auf der Rigi eine historische Verankerung habe. Vielmehr könne man vom Wiederaufleben einer Tradition sprechen.

Stettler geht davon aus, dass sich die Hunde für die Destination jedoch durchaus lohnen, da sie über Social Media zu einer gewissen Aufmerksamkeit für den Berg führen könnten und damit die Attraktivität für Besucher erhöhten. 

Bernhardiner sind ein Schweizer Kulturgut

Der Innerschweizer Berg verzeichnete 2017 850'000 Besucher – das ist Rekord. Für die Unterzeichner der Petition sind das genug, alle Massnahmen, die auf zusätzliche Besucher abzielen, sind ihnen deshalb ein Dorn im Auge. Die Betreiber der Rigi-Bahnen wünschen sich jedoch mehr Gäste, sie müssen die in die Jahre gekommenen Wagen der Bahn ersetzen – und das kostet. Mit Hilfe von Attraktionen wollen sie den Berg attraktiver machen, die Bernhardiner sind eine davon.

Stefan Otz, CEO der Rigi Bahnen, freut sich deswegen auch über die Anwesenheit der Vierbeiner. Bei 20 Minuten sagt er: «Die Bernhardiner sind ein Kulturgut, und diese Rasse passt wegen ihrer Vergangenheit hervorragend zur Rigi.»

In einer Charta, die am 21. November unterzeichnet werden soll, bekennen sich alle beteiligten Parteien «zum Schutz des ökologischen und kulturellen Erbes, zur wirtschaftlichen Entwicklung und einer hohen Lebensqualität der Bevölkerung auf der Rigi». Ein beidseitiges Bestreben, die Bernhardiner nicht zu einem weiteren Zankapfel zu machen, ist vorhanden.

Wandern mit Bernhardinern? Was für die einen eine charmante Attraktion darstellt, stösst anderen sauer auf. 
Bild: rig.ch
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