Cammarata Sizilianische «Stadt der tausend Balkone» verschenkt Häuser 

tsha

5.11.2019

In der Stadt Cammarata werden Häuser verschenkt. Wer hier wohnen möchte, muss allerdings auch etwas investieren.
In der Stadt Cammarata werden Häuser verschenkt. Wer hier wohnen möchte, muss allerdings auch etwas investieren.
Bild: Berthold Werner / Wikimedia Commons

Lust auf einen Zweitwohnsitz in Italien, aber nicht das passende Kleingeld? Kein Problem. Ein Ort in Sizilien verschenkt nun Häuser. Die Sache hat allerdings einen kleinen Haken.

Die sizilianische Stadt Cammarata ist ein wahres Schmuckstück. Gut 6'000 Einwohner leben hier, 60 Kilometer südöstlich von Palermo. «Stadt der tausend Balkone» nennt sich Cammarata auch, weil fast alle Häuser einen Balkon nach Osten haben, von dem sich spektakuläre Ausblicke auf den Sonnenaufgang bieten.

Auch den Ätna sieht man von Cammarata aus. In der Umgebung lädt die urwüchsige sizilianische Landschaft mit ihren Feldern und Schafweiden zu Wanderungen ein. Und auch die Stadt selbst hat einiges zu bieten: enge Gassen, romantische Kirchen und sogar eine Burgruine. Allein: Cammarata gehen die Bewohner aus. Das will Bürgermeister Vincenzo Giambrone nun ändern.

Wie CNN berichtet, verschenkt Cammarata ab sofort leerstehende Häuser an potenzielle Neubewohner. Allein in der historischen Altstadt sollen rund 100 Gebäude leerstehen, von denen derzeit ein Dutzend zu haben sind. «Ich kann es nicht ertragen, dass dieses fantastische historische Zentrum so leer ist und sich in eine Ruine verwandelt», so Giambrone gegenüber CNN. Viele Hausbesitzer würden sich weigern, die verfallenen Gebäude zu restaurieren. Neubesitzer würden nicht nur tolle historische Häuser erwarten, sondern auch Geschäftsmöglichkeiten. So sei es möglich, in den Gebäuden Hotels oder Restaurants zu eröffnen, erklärt der Bürgermeister von Cammarata.

Einige Bedingungen

Obwohl die Gebäude verschenkt werden, müssen künftige Besitzer jedoch über ein gewisses Eigenkapital verfügen. So ist eine Kaution von 5'000 Euro zu hinterlegen, die erst zurückgezahlt wird, wenn das Gebäude renoviert wurde. Ausserdem verlangt die Gemeinde ein ausführliches Konzept zur Renovierung des Hauses.

Wer die Bedingungen erfüllt, kann allerdings auf ein warmes Willkommen hoffen. Das Wappen von Cammarata – eine Frau, die zwei Schlangen die Brust gibt, während ihr eigenes Kind zu ihren Füssen sitzt – sei ein Zeichen für die Willkommenskultur des Ortes, so Bürgermeister Giambrone. «Besucher und Gäste kommen an erster Stelle, noch vor unseren eigenen Familien. Neuankömmlinge stehen für Wandel, Innovation, neue Ideen. Sie krempeln die lokale Wirtschaft um und können eine Revolution beginnen», schwärmt Giambrone.

(K)ein Erfolgsmodell

Cammarata ist nicht der erste Ort in Italien, der mit einer ungewöhnlichen Aktion um neue Bewohner wirbt. So wurden Anfang Jahr im sizilianischen Dörfchen Sambuca Dutzende Immobilien für einen Euro angeboten – und das offenbar mit Erfolg: Mehr als 45'000 Anfragen erreichten die Gemeinde in nur zwei Tagen. Und das Dorf Locana im Piemont lockt gar mit einem Geldgeschenk. Familien, die nach Locana ziehen, sollen drei Jahre lang bis zu 9'000 Euro jährlich von der Gemeinde erhalten. Einzige Voraussetzung: mindestens ein Kind und ein Jahreseinkommen von 6'000 Euro oder mehr.

Und nicht weit von Locana entfernt wirbt das Dorf Borgomezzavalle ebenfalls mit einem grosszügigen Geldgeschenk um Neubürger. Bürgermeister Alberto Preioni bietet hier nicht nur Häuser für einen Euro an, sondern will für jedes Neugeborene im Ort auch noch 1'000 Euro zahlen. Wer in Borgomezzavalle ein Geschäft eröffnet, soll 2'000 Euro erhalten.

Ob all diese Programme wirklich sinnvoll sind, wird von Experten bezweifelt. Denn die strukturellen Probleme der oftmals abgelegenen Orte könnten durch einige neue Bewohner nicht gelöst weden, so Professor Andrea Ungari von der römischen Universtität LUISS gegenüber CNN. Auf lange Sicht müsste die Infrastruktur vor Ort verbessert werden, um den Wegzug der Menschen zu bremsen.

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