Die schönsten Alleen der Schweiz

14.12.2018 - 13:20, Mara Ittig

Die Spitzahornallee  bei Gwatt in der Nähe von Thun  bietet nicht nur ein lauschiges Dach über dem Kopf, sondern auch einen guten Blick auf das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau.
Bild: AS Verlag

Andere mögen den Indian Summer oder imposante Zypressenreihen haben, doch auch die Schweiz braucht sich mit ihren Bäumen nicht zu verstecken. «Bluewin» stellt die schönsten Alleen vor.

Was ist schöner, als an einem sonnigen Tag durch eine Allee zu schlendern, auf beiden Seiten beschützt von starken Stämmen, über sich ein Blätterdach, in dem sich das Licht sanft bricht? Unter den Füssen raschelt das Laub, und in der Luft liegt ein leicht modriger Geruch. Unvergleichlich die Mystik eines nebelverhangenen Morgens, wenn sich knorrige, kahle Äste schwarz gegen den weissen Nebel abheben und das raureifbedeckte Gras leicht unter den Füssen knirscht.

Das Wort Allee geht übrigens auf das französische «aller» zurück: Napoleon liess die Baumreihen anlegen, damit seine Soldaten im Schatten marschieren konnten. Die von Menschenhand gezähmte Natur hatte überdies lange Jahre eine wichtige Funktion im Strassenbau. Die Baumreihen sollten Reisenden Orientierung bieten, Schatten spenden, die Strasse vor Schnee schützen, und dafür sorgen, dass sie nicht weggeschwemmt wurde.

Falls Sie nach einem idealen Plätzchen suchen für einen stimmungsvollen Winterspaziergang – wir stellen die schönsten Alleen vor. Alle stammen aus dem Buch «Alleen der Schweiz» von Michel Brunner. Der Autor setzte sich intensiv mit den Baumreihen in der Schweiz auseinander, ging ihrer Geschichte auf den Grund und fing ihren Reiz in Wort und Bild ein. Einzigartige Jahreszeiten-, Nacht- und Luftaufnahmen zeigen die – teilweise unbekannten – Naturschätze.

1. Lindenallee, Sissach 

Die Lindenallee läuft direkt auf das barocke Schloss Ebenrain in Basel-Land zu. Die Bäume befinden sich im Süden der Anlage und waren einst Teil des barocken Schlossgartens aus dem Jahre 1774, dessen letztes Überbleibsel die Allee heute noch ist. 

Die Lindenallee bei Sissach gehörte einst zum barocken Garten des Schlosses Ebenrain und stammt aus dem Jahre 1774.
Bild: AS Verlag

2. Roteichenallee, Riehen

Die Eichenallee in Riehen bei Basel gilt als längste Roteichenreihe der Schweiz. Genau genommen handelt es sich um keine Allee, sondern um eine Halballee.  Die 116 Bäume verbreiten im Herbst dank ihrer nordamerikanischen Herkunft ein Flair von Indian Summer, wenn sich ihre Blätter in leuchtende Rot- und Orangetöne verfärben. Alle drei Jahre erhalten die Bäume einen Begrenzungsschnitt, um in Form zu bleiben.

Die Bäume der Roteichenallee bei Riehen in Basel stammen aus Nordamerika – kein Wunder, verbreiten sie im Herbst viel Indian-Summer-Flair.
Bild: AS Verlag

3. Lärchenallee, Sonnenberg

Die Nadeln der Lärchen auf dem Sonnenberg ob Kriens bei Luzern verfärben sich im November gelb – ein faszinierendes Naturschauspiel, das man vorwiegend aus Bergregionen kennt. Sieht man von einer grösseren Lücke ab, reihen sich auf dem Sonnenberg zwei Linden- und eine Lärchen-Allee aneinander. Man geht davon aus, dass sie 1902 zur Eröffnung der Standseilbahn für die Kurgäste angelegt wurden.

Die Lärchen- und Linden-Allee auf dem Sonnenberg ob Kriens in der Nähe von Luzern mit Blick auf die Rigi.
Bild: AS Verlag

4. Pappelallee, Maienfeld

Ein wenig toskanisch muten sie an, die Pappeln auf der Landstrasse von Maienfeld (GR) nach Jennins. Wäre da nicht die majestätische Bergkulisse im Hintergrund, man wähnte sich in Italien. Man geht davon aus, dass die Pyramidenpappel-Allee die regelmässigste des Landes ist.

Wären da nicht Falknis, Schwarz- und Glegghorn im Hintergund zu sehen – man wähnte sich in der Toskana.
Bild: AS Verlag

5. Zypressenallee, Sant'Abbondio in Gentilino

Ausserhalb des Ortskerns von Montagnola nahe Lugano steht die Pfarrkirche Sant'Abbondio. Die Basilika aus dem 16. Jahrhundert – auf deren Friedhof Hermann Hesse und Hugo Ball begraben liegen –  erreicht man durch eine wunderbare Zypressenallee. Genauer gesagt durch zwei: Denn sowohl in nördlicher als auch in westlicher Richtung verlaufen die in Form geschnittenen Säulenzypressen auf die Kirche zu.

An der Kirche von Sant'Abbondio stehen zwei in Form geschnittene Säulenzypressen-Alleen.
Bild: AS Verlag

6. Platanen-Halballee, Sihlfeld

Schweizer Städte sind ausgesprochen grün. Wer in Zürich stadtauswärts der Sihl entlangspaziert, fühlt sich mitunter in eine Episode aus Game of Thrones versetzt. Die Sihlhölzliallee mit ihrem beeindruckenden Platanenbestand sorgt für eine mystische Atmosphäre mitten in der Stadt. Mit der Verlegung der Sihl wurden die Platanen 1927 an den neu errichteten Ufern am Sihlhölzli gepflanzt.

Die Platanen-Halballee an der Sihl ist stimmungsvoll beleuchtet, die Beleuchtung setzt die Bäume gut in Szene. 
Bild: AS Verlag

7. Platanen-Halballee, Baden

Wenn sich die Bäume an der Limmat gelb und rot färben, ist ein Spaziergang durch die Bäderstadt Baden besonders schön. Wer mag, deckt sich für den Spaziergang mit ein paar warmen Marroni ein oder gönnt sich im Anschluss ein wohltuendes Bad im Thermalwasser, in dem auch schon Goethe, Nietzsche und Dürrenmatt gebadet haben. Etwas weniger romantisch ist der Hintergrund de Allee: Die Platanen wurden 1832 von Sträflingen gepflanzt.

Die mächtigen Platanen an der LImmatpromenade in Baden wurden von Sträflingen gepflanzt. 
Bild: AS Verlag

8. Rosskastanien-Allee, Luzern

Der Carl-Spitteler-Quai führt am Ufer des Vierwaldstädtersees entlang stadtauswärts und bietet einen fantastischen Blick auf das Bergpanorama mit Rigi, Bürgenstock, Stanserhorn und vielen mehr. Gesäumt wird der Weg von 322 Rosskastanien, die eine stimmungsvolle Kulisse bilden, um sich die Aussicht zu Gemüte zu führen.

322 Rosskastanien bilden eine stimmungsvolle Kulisse, um den Blick auf den Vierwaldstädtersee und die  umliegenden Berge zu geniessen.
Bild: AS Verlag

9. Birken-Halballee, Hittnau

Birken säumen die ehemalige Staatsstrasse nördlich von Hitttnau im Zürcher Oberland. Sie zählen mehr als 35 Lenze und bekommen alle zehn bis zwölf Jahre einen neuen Schnitt. 

Birken säumen die ehemalige Staatsstrasse nördlich von Hittnau, nahe von Pfäffikon ZH.
Bild: AS Verlag

10. Lindenallee, Allmendingen

In Allmendingen bei Bern erreichtete Franz Ludwig Steiger 1755 einen barocken Gartenpavillon, der zum heute noch bewirtschafteten Schloss gehört. Zum Garten gehörte ebenfalls eine Lindenalle, die heute noch steht.  Da der Boden auf Allmenden stets flach ist, eignen sich die Gemeindegebiete besonders gut für die Anpflanzung von Alleebäumen. 

Die Gemeindegebiete auf Allmenden eignen sich gut für die Bepflanzung mit Alleen. So wie hier in Allmendingen bei Bern, 
Bild: AS Verlag

11. Platanenallee, Versoix

Die Platanen von Versoix am Genfersee haben Sie vielleicht schon einmal gesehen. Mögen sie im Frühling, Sommer und Herbst eher unscheinbar an den Ufern stehen, verwandelt sich der Quai de Versoix im Winter bei eisigen Temperaturen in eine beeindruckende Fantasiewelt. Die über die Ufer spritzende Gischt wird vom eisigen Wind so rasch abgekühlt, dass das kalte Seewasser bei Kontakt mit einem Gegenstand sofort gefriert, was zu fantastischen Eisskulpturen führt, die bei Fotografen und in den Medien jeweils viel Aufmerksamkeit erfahren.

Fantastische Eisgebilde entstehen an den Ufern des Genfersees.
Bild: AS Verlag

12. Bergmammutbaum-Allee, Uitikon

Die längste Mammutbaum-Allee der Schweiz liegt am Weg auf den Uetliberg, dem Zürcher Stadtberg, auf halber Strecke  zwischen der Bergbahnstation Ringlikon und dem Teehüsli, das zu einer wärmenden Einkehr einlädt. Die Bäume stammen aus Nordamerika und wurden im Zuge der Wiederaufforstung nach dem Sturmtief Lothar 1999 gepflanzt. Heute schützen sie waghalsige Schlittler auf dem Weg in die Tiefe.

Die Bergmammutbäume in Ringlikon stammen aus Nordamerika und wurden nach dem Sturmtief Lothar 1999 gepflanzt.
Bild: AS Verlag

13. Platanenallee, Wettingen 

Die knorrigen Platanen mit Schirmschnitt am ehemaligen Zisterzienserkloster Maria Stella in Wettingen wurden möglicherweise bereits im Jahr 1780 gepflanzt. Die mystische Beleuchtung im Hintergrund ist etwas weniger geschichtsträchtig: Sie stammt von der nahen Autobahn. 

Die Platanen mit Schirmschnitt am ehemaligen Zisterzienserkloster Maria Stella in Wettingen sind mehr als 200 Jahre alt. Sie stehen im ältesten Barockgarten im Kanton Aargau.
Bild: AS Verlag

14. Gemischte Baumarten-Allee, Les Genevez

Neben einem Hof im jurassischen Les Genevez beginnt die wohl längste Mischallee der Schweiz: Sie misst fast zwei Kilometer und verbindet auf ihrem Weg drei Höfe miteinander. Imposante Bergahorne, eine Linde, eine Esche und Buchen säumen den Weg.

Die wohl längste Mischallee der Schweiz verbindet drei jurassische Gehöfte und besteht aus Linden, Ahornen, Buchen und Eschen.
Bild: AS Verlag

15. Birken-Kirschen-Allee, Diessenhofen 

Zum thurgauischen Kundelfingerhof mit dazugehöriger Fischzucht führt links des Rheins eine Allee, die abwechselnd aus Birken und Kirschen besteht. Sie wurde 1990 als Ersatz für eine Obstbaumallee angelegt. Im Winter und Sommer sehen die beiden Baumarten ähnlich aus – einmal bilden sie ein sattgrünes Blätterdach, einmal sind sie beide kahl – doch im Herbst und Frühling ist der Kontrast äusserst reizvoll. Gelbe Birkenblätter und rote Kirschen zaubern im Herbst ein prächtiges Farbspiel, während im Frühling die blühende Kirsche neben der der hellgrünen Birke pächtig zur Geltung kommt. 

Im Herbst und Frühling sind die Kontraste der Birken-Kirschen-Allee besonders reizvoll.
Bild: AS Verlag

Zum Buch

Mehr zum Thema Alleen und weitere schöne Baumreihen mit vielen Erläuterungen, historischen Hintergründen und zahlreichen Bildern finden Sie im Bildband «Alleen der Schweiz» von Michel Brunner.  Das Buch ist im AS Verlag erhältlich: Michel Brunner «Alleen der Schweiz», 288 Seiten, 59 Fr., ISBN 978-3-906055-67-1.

«Alleen der Schweiz» von Michel Brunner, erschienen im AS Verlag.
Bild: AS Verlag
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