Von der Skipiste ins heisse Freibad – das ist Island

7.11.2018 - 14:11, Alexandra Frank, dpa

«Bunte Wolken»: Polarlichter sind auf Island im Winter keine Seltenheit.
Source: Promote Iceland

Dampfende Quellen, Schneevergnügen und Tiere: Abwechslungsreicher als in Island kann man im Winter kaum Ferien verbringen. Und ausserdem gibt es noch bunte Wolken.

Die Temperatur ist wieder um ein paar Grad gesunken. Acht Grad unter null zeigt das Thermometer an. Unsere Schritte haben tiefe Spuren im Schnee hinterlassen, der Atem hinterlässt kleine Nebelschwaden in der Luft.

Von all dem lässt sich das Kind nicht beirren. Mit nichts als einer Kappe und einer Badehose bekleidet nimmt die Fünfjährige Anlauf und platscht ins Wasser. «Siehst du, Mama», ruft ihre neunjährige Schwester, «jetzt machen wir sogar Badeferien.» In Island. Mitten im Winter.

Skardsdalur ist das nördlichste Skigebiet Islands: Ein gutes halbes Dutzend weitere Areale gibt es im Norden der Insel.
Source: Alexandra Frank

Abfahrt vom Gipfel bis zum Ozean

Zwar ist selbst das grösste Skigebiet, Hlídarfjall bei Akureyri, mit 14,9 Kilometern Pisten recht überschaubar, dafür können geübte Wintersportler an vielen Stellen vom Gipfel der Berge bis zum Ozean abfahren.

Dort liegen wir auch im knapp 40 Grad warmen Wasser der «Mývatn Nature Baths», der kleinen Schwester der berühmten Blauen Lagune, nur am anderen Ende des Landes gelegen und blau-grünlich schimmernd. Die isländische Natur schmückt sich im Winter nur mit wenigen Farben, doch die leuchten in der klaren Luft umso intensiver.

Die Landschaft rund um den Mývatn-See ist besonders abwechslungsreich. Bizarre Lavasteinformationen mit Schneehäubchen säumen wie Türmchen das Gewässer. Rauschende Wasserfälle stürzen sich in die Tiefe, umrahmt von glitzernden Eiszapfen.

Halldór Ingvason führt die Urlauber mit Schneemobilen durch die verschneite Landschaft.
Source: Alexandra Frank

Und in Höhlen und Felsspalten brodelt kochendes Wasser. «Alles vulkanischen Ursprungs», sagt Halldór Ingvason, der nach diesen drei Worten die Aufmerksamkeit meiner Tochter hat, für die Vulkane gerade das ganz grosse Thema sind.

Mit dem Snowmobile auf den See

Während sie wie gebannt an seinen Lippen hängt, äugt ihre kleine Schwester neugierig zu den Fahrzeugen rüber, die Halldór gemeinsam mit seinen beiden Kollegen am Strassenrand geparkt hat: Schwarze Snowmobile.

Sie sind jeweils drei Meter lang und 300 Kilogramm schwer. Damit will Halldór, ein bäriger Typ mit rotem Bart und freundlichen Augen, sich mit uns auf den See bewegen. «Die coolste Art im Winter von A nach B zu kommen», finden der Outdoor-Guide – und unsere Fünfjährige.

Es zischt, es dampft, es faucht: Rund um dem Námafjall wird der vulkanische Ursprung der Insel deutlich.
Source: Alexandra Frank

Juchzend sitzt sie hinter mir auf dem beheizten Sitz, gut geschützt mit Rückenlehne, Helm und dicken Skisachen. Vorsichtig gebe ich Gas – und bremse sofort wieder, als das Gefährt nach vorne schiesst. Zum Unmut meiner Tochter. «Schneller», feuert sie mich bei jedem Hubbel an, bei dem ich das Tempo drossele.

Islandpferde, Wale und Hochseeangeln

Überall in der Landschaft stossen wir auf Schafe, riesige Wollkugeln, die sich bereitwillig streicheln lassen. Auch Islandpferde stehen im Winter draussen, mit dichtem, staubigem Fell. Bei einer Reitstunde lernen die Kinder zu tölten. Bei dieser für Isländer typischen Gangart sitzt man locker schaukelnd auf dem schwingenden Rücken der Tiere, statt im Trab durchgeschüttelt zu werden.

Und schliesslich begegnen wir auf einer Walbeobachtungs- und Hochseeangeltour den grauen Riesen, die sich vor der Küste tummeln. Von Hauganes aus, einem Fischerort rund 30 Kilometer nördlich von Islands zweitgrösster Stadt, Akureyri, stechen wir in See.

Bizarre Winterlandschaft: Die Eisschollen sind gleichzeitig ein interessanter Spielplatz für die kleinen Feriengäste.
Source: Alexandra Frank

Während die Grosse im Fjord Eyjafjördur nach Buckelwalen und Delfinen Ausschau hält, wirft die Kleine zusammen mit ihrem Vater eine Angel ins Wasser – und fängt prompt einen armlangen Kabeljau, den wir später zum Abendessen verspeisen.

Nördlichstes Skigebiet Skardsdalur

Outdoor-Guide Beda Mörgeli führt uns am nächsten Tag zunächst nach Skardsdalur, dem nördlichsten Skigebiet des Landes. Die Kinder sausen die Anfängerpiste hinab, mein Mann erkundigt sich nach Cross-Country-Touren.

Später schnallen wir uns Schneeschuhe an und folgen Beda weiter den Berg hinauf. Zwei Meter ist die Schneedecke hier dick, wir laufen zwischen den Wipfeln von Kiefern, Lärchen und vereinzelten Birken. Plötzlich lichtet sich der Blick, und wir schauen über den Fjord in die endlose Weite.

Am Abend liegen wir wieder im Wasser, in einem kreisrunden Hotpool, der sich auf der Terrasse unserer Ferienunterkunft befindet. «Bunte Wolken!», ruft unsere Kleine plötzlich und zeigt nach oben. «Polarlichter», erklärt mein Mann.

Mit Outdoor-Guide Beda Mörgeli geht es auf Schneeschuhen durch die verschneite Landschaft.
Source: Alexandra Frank

Kurz überlege ich aufzuspringen, um die Kamera zu holen, aber dann lehne ich mich doch zurück und geniesse den Blick auf die blau-grünen Lichter am Himmel.

Winterferien in Island

Reisezeit: In den nordisländischen Skigebieten liegt meist von November bis April oder Mai Schnee. Eine gute Reisezeit sind März und April, wenn die Tage länger hell sind.

Skifahren: Der 5x5-Skipass gilt fünf Tage lang für alle fünf Skigebiete des Nordens (Erwachsene 140 Euro, Kinder 45 Euro). Tourengeher sind auf der Tröllaskagi-Halbinsel gut aufgehoben. Spektakulär, aber nicht gerade preiswert sind Helikopter-Ski-Touren, die Wintersportler auf die Gipfel bringen.

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