Wo die Schweiz bereits jetzt grünt und blüht

Verena Wolff, dpa

7.3.2021

Carona, Tessin, Schweiz. Parco San Grato, Rhododendron mit Blick auf Carona, Monte Brè, Lago di Lugano, Campione, Sighignola und Monte Generoso (KEYSTONE/Thedi Suter)
Es werden Frühlingsgefühle geweckt: Parco San Grato. Mit Blick auf Carona, Monte Brè, Lago di Lugano, Campione, Sighignola und Monte Generoso.
Bild: Keystone

Während im Hochgebirge noch reichlich Schnee liegt, ist im Tessin schon der Frühling eingezogen. Die Schweizer Sonnenstube erblüht frühzeitig.

Daniele Marcacci schaut den Kamelienbusch vor sich mit Kennerauge an. «Bald schon sind sie verblüht», sagt er. Dabei ist es erst März. «Aber es ist zu trocken, die Natur ist schon sehr weit», erklärt der Stadtgärtner von Locarno am Lago Maggiore.

Das Tessin ist der südlichste und der am niedrigsten gelegene Kanton der Schweiz. Der Frühling hält meist schon früh Einzug. Die Region eignet sich ideal, um der grauen Jahreszeit zu entkommen.

Die Kamelie ist ein divenhaftes Gewächs, sie mag es nicht allzu kalt. Darum sehe man sie im nördlichen Europa eher selten, sagt Marcacci. Er kümmert sich schon seit Jahrzehnten um die Blumen, Bäume und Beete in der Stadt am Lago Maggiore.

Verena Wolff
Auf andere Gedanken kommen und neue Ideen tanken: Ausflug ins Künstlerdorf Carona.
Bild: Verena Wolff/dpa-tmn

Die Palmen, die mediterranes Flair versprühen, nennt der Gärtner mit den lockigen Haaren «Unkraut». Sie sind nicht heimisch, wurden eingeschleppt. Aber sie prägen das Bild hier in der Südschweiz.

Luxustee vom Monte Verità

Kamelien wachsen auch auf dem Monte Verità hoch über Ascona, ein paar Kilometer weiter Richtung Süden. Dort haben sie jedoch weder Duft noch Blüte, sondern einfach nur grüne Blätter. «Wir bauen Tee an», sagt Corinne Denzler, die zusammen mit ihrem Mann über 1400 Pflanzen wacht. Auch die Teepflanzen sind ein Kameliengewächs.

Lange hat das Paar in Asien gearbeitet und dort eine Leidenschaft für Tee entdeckt. Und schliesslich herausgefunden, dass die Pflanzen auch in der Schweiz gedeihen. «Das Klima passt ihnen.»



Allzu viel Ernte werfen die Pflanzen in ihrem Zen-Garten aber nicht ab. Im Frühjahr werden die Blätter geerntet und zu Grüntee verarbeitet. «So ein bis zwei Kilo pro Jahr», sagt Corinne Denzler. Die werden in 20-Gramm-Päckchen zu rund 40 Schweizer Franken verkauft. An Tee-Liebhaber, versteht sich.

Der Hügel der Freidenker

Der Monte Verità ist nicht nur wegen des Teeanbaus interessant, er gilt Esoterikern auch als Kraftort. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der 321 Meter hohe Hügel eine Naturalisten-Kolonie und ein Zuhause für Alternative, die sich vom Establishment abheben wollten: Lebensreformer, Künstler, Schriftsteller.

Wie nahezu alles rund um den Lago Maggiore ist auch der «Berg der Wahrheit» über ein gut ausgebautes Wander- und Spazierwegenetz zu erreichen.

Die Wege führen auch hinunter zum Seeufer und der sonnigen Promenade, an der sich Restaurants und Cafés aneinanderreihen. Der Blick über den See zu den weissen Gipfeln scheint wie gemalt. Ascona ist der mondänste Ort weit und breit.

Jetset und Genügsamkeit

Viel Leben kommt in den Ort, wenn das Jazzfestival im Hochsommer stattfindet. Ähnliches gilt für Locarno, wenn dort das Filmfestival über die Bühne geht. Den Rest des Jahres geht es eher beschaulich zu. Wandern und Radfahren sind beliebte Beschäftigungen.

Verena Wolff
Die Magnoliensammlung im Parco Botanico ist die grösste der Welt.
Bild: Verena Wolff/dpa-tmn

Das Künstlerdorf Carona wurde vor einigen Jahren zum schönsten Dorf der Schweiz gekürt. Im Frühjahr braucht man hier keine dicken Wanderklamotten, an vielen Stellen wärmt schon die Sonne.

Robert Eisenhut besitzt und pflegt seit vielen Jahren den Parco Botanico auf der östlichen Seeseite des Lago Maggiore. Heute befindet sich hier die grösste Magnoliensammlung der Welt, sagt der Gärtner.

Nicht nur die Pflanzen mit ihren beeindruckend grossen Blüten in Weiss, Gelb, Rosa und Lila schmücken den Garten. Sogar ein Mammutbaum gedeiht hier. Auch ihm scheint das Klima am Lago Maggiore zu passen.

Verena Wolff, dpa

7.3.2021