TV-Koch René Schudel – ein loses Mundwerk verdirbt den Appetit

Julia Käser

31.3.2020 - 12:08

Dauergast im SRF-«Club»: TV-Koch René Schudel, hier in einer anderen Sendung.
Bild: RUDE – Rahel Schneuwly

René Schudel ist vieles: Helikopterpilot, Küchenchef, Feuerwehrmann, Kochbuchautor. Dass er in gut einem Jahr aber bereits zum dritten Mal als Gast im SRF-«Club» auftritt, findet die Kolumnistin wenig «gluschtig». 

Terror auf Tellern, die kriselnde Männlichkeit und nun also der Nutzen von Staatshilfe zu Corona-Zeiten: Der bodenständige TV-Koch René Schudel hat zu allem etwas zu sagen. So war er in den letzten vierzehn Monaten denn auch gleich dreimal Gast im SRF-«Club» am späteren Dienstag – inklusive heute Abend.

Auffallend häufig folgte der Mann mit der silbernen Pilotenbrille damit einer Einladung von «Club»-Moderatorin Barbara Lüthi. Über die Konstruktivität seiner Beiträge lässt sich streiten. Die einen empfinden seine geradlinige, rustikale Art als gute Ergänzung zu weiteren «Club»-Gästen. Für die anderen ist er das Haar in der Diskussions-Suppe.

Ich oute mich hiermit als der zweiten Gruppe zugehörig. So richtig «gluschtig» macht mich eine neue «Club»-Sendung mit Schudel auf der Gästeliste nicht. Und ganz ehrlich: Vielleicht liegt es nicht einmal am erfolgreichen TV-Koch himself, dass er nicht meinem Goût entspricht. Abgesehen von seinen Auftritten bei Lüthi befasse ich mich nämlich nicht allzu oft mit seiner Person.

TV-Koch lässt auch im «Club» nichts anbrennen

Die Begründung ist wenig rational – doch, sobald ich Herrn Schudel sehe, macht mein Kopf automatisch den Link zum Mundart-Rocker Gölä. Das mag an einer – von mir wahrgenommenen – minimalen äusserlichen Ähnlichkeit liegen oder an der saloppen Ausdrucksweise in breitem «Bärndütsch». Auf jeden Fall schlägt mir diese Assoziation auf den Magen.



Nun gut, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden – doch es bleibt die Frage, wieso sich der Berner zu einer vermeintlichen Lieblingszutat von Diskussionsleiterin Lüthi gemausert hat. Dass er, wie oben angedeutet, polarisiert, könnte eine mögliche Erklärung sein.

Damit zusammen hängt der nächste potenzielle Grund: Sein loses Mundwerk, das die eine oder andere saftige Schlagzeile am Folgetag der «Club»-Ausstrahlung garantiert. Sitzt der populäre Koch erst einmal auf einem der gräulichen Stühle im Fernsehstudio in Leutschenbach, nimmt er kein Blatt vor den Mund – den Umständen entsprechend formuliert: Er lässt nichts anbrennen.

Schudel ist vieles – und redet über alles

Offenherzig berichtet Schudel von Gesprächen über Erektionsprobleme mit seinen Feuerwehr-Kameraden. Auch den Zoff mit der Selbstliebe-Influencerin Anja Zeidler scheut Schudel nicht. In der entsprechenden Sendung vom Januar debattiert er über das längst durchgekaute Thema Essen als Obsession, zu dem sich einige Expertinnen und Experten kaum noch äussern mögen. Aber Schudel redet über alles – ein anderer Grund?



Helikopterpilot, Gastgeber, ehrenamtlicher Feuerwehrmann, Kochbuchautor, Küchenchef, Fernsehkoch und ehemaliger Oberstleutnant: Schudel ist vieles – und erst noch kamerageübt. Eine weitere Erklärung für seine häufigen «Club»-Auftritte?

Sei es, wie es wolle. Wenn Schudel dann aber nach etlichen «Herrgott Stärne nomal!» und «i Sänku länge» feststellt, dass «das weibliche Geschlecht Gott sei Dank nach so vielen Jahren stärker geworden ist», und sich daraus eine neue Balance zwischen Mann und Frau ergebe, dann ist Schudel definitiv nicht Gölä. Und das immerhin finde ich gut. Schmackhaft. 

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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