Opioid-Krise bringt USA mehr Spenderorgane

17.5.2018 - 10:02, SDA

Vom Arzt als Schmerzmittel verschriebene Opioide machen hochgradig abhängig. Allzu oft hangeln sich Konsumenten in den USA weiter zu Heroin und Fentanyl.
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Nora Volkow ist seit 2003 Chefin der nationalen Anti-Drogenmissbrauchsbehörde (Nida) der USA. Geboren in Mexiko als Ur-Enkelin des russischen Revolutionärs Leo Trotzki bekämpft sie mit vollem Einsatz die Opioid-Krise - aber die Zahlen sind düster.
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Die Zahlen sind dramatisch: Durchschnittlich 115 Menschen starben in den USA in den vergangenen Jahren nach Angaben der Nida jeden Tag an einer Überdosis von Opioiden, darunter Schmerzmittel, Heroin und das synthetische Fentanyl. «Das ist viel stärker als Heroin, manchmal 500 mal so stark. Das heisst, man braucht nur ganz kleine Mengen und die kann man per Post in die USA schicken», so Volkow.
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US-Präsident Donald Trump hat die Opioid-Epidemie im Land schon zum «Gesundheits-Notfall» erklärt. Um das Problem zu bekämpfen, will er nach Angaben hochrangiger Regierungsbeamter einen harten Kurs einschlagen: Bestimmte Drogendealer sollen nach dem Willen des Präsidenten künftig mit dem Tode bestraft werden können.
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Trump streckt im Manchester Community College Jeanne Moser (links) die Hand hin. Jeanne Mosers Sohn war 2015 an einer Überdosis gestorben, seitdem kämpft sie für den Kampf gegen die Drogen-Krise in den USA. Trump ist in Manchester im US-Bundesstaat New Hampshire, um seine Pläne im Kampf gegen die Drogen-Krise vorzustellen.
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Vor Ort demonstrieren Menschen gegen die US-Drogenpolitik.
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Eine Freiwillige sammelt in einem verlassenen Obdachlosenlager in Everett, Washington, gebrauchte Spritzen ein. 70 Prozent der Menschen in den USA, die heroinabhängig werden, haben mit Verschreibungen von Opioid-Schmerzmitteln angefangen.
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Die medizinischen Behandlungsmethoden, die es gibt, wie beispielsweise der Ersatzstoff Methadon, der hier einem Patienten verabreicht wird, würden nur in zehn Prozent der Fälle überhaupt angewendet. Ursache seien unter anderem nicht genügend Ressourcen und Behandlungsangebote, ausserdem «schreckliches Stigma».
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Ein Schild wirbt in Tennessee für eine Entzugsklinik. In den USA gelten zwei Millionen Menschen als opioidabhängig.
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Jeff McCoy (rechts) bekam vor Jahren nach einer Rückenoperation das Opioid Vicodin verschrieben. Nach einem Jahr war der Truckerfahrer, der wegen der Rückenproblemen seinen Beruf aufgeben musste, abhängig.
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Er schaffte den Absprung und ist heute Hausmann.
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David Ramsey, der nach einem Unfall an chronischen Schmerzen leidet, bekommt als wirksame Alternative zu Schmerzmitteln Akupunktursitzungen verschrieben.
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Durch die verheerende Opioid-Epidemie ist die Menge der verfügbaren Spenderorgane in den USA unerwartet gestiegen: Die Zahl der Drogentoten, die mindestens ein Organ spendeten, hat sich von 59 (2000) auf 1029 (2016) erhöht.

Fast 14 Prozent sämtlicher Organspenden gehen mittlerweile darauf zurück. Forscher der University of Utah in Brigham untersuchten, wie sicher die Organe von Drogentoten für die 110'000 Menschen sind, die in den USA dafür auf der Warteliste stehen. Die Experten geben nun zumindest für Lungen und Herzen grünes Licht.

Sie sichteten die Transplantationsakten von 2360 Patienten aus 17 Jahren und fanden heraus: Spender-Herzen und -Lungen von Drogentoten funktionierten ein Jahr nach der Transplantation genauso gut wie diejenigen von Menschen, die an einem Schlaganfall, Hirnblutungen oder Schusswunden gestorben waren. Das Team um Mandeep Mehra berichtet darüber im "New England Journal of Medicine".

"Wir waren überrascht zu sehen, dass fast die gesamte Erhöhung der Transplantationsaktivität in den USA der vergangenen fünf Jahren auf die Drogen-Krise zurückgeht", berichtet der Arzt.

US-Forscher fanden heraus: Spender-Herzen von Drogentoten funktionieren ein Jahr nach der Transplantation genauso gut wie diejenigen von nach Schlaganfällen, Hirnblutungen oder Schusswunden Verstorbenen. (Symbolbild)
Source: KEYSTONE/FR170882 AP/MOLLY RILEY
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