Nach Kapitol-Sturm

Schwarzenegger: Trump «schlechtester Präsident aller Zeiten»

ap/red.

11.1.2021 - 06:21

Nach der Gewalt am Kongressgebäude in Washington erzählt der frühere Gouverneur von Kalifornien von seiner Kindheit im Österreich der Nachkriegszeit und fällt einen Nazi-Vergleich. Trump sagt er ein Vermächtnis als schlechtester Präsident aller Zeiten voraus.

Der frühere Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, hat nach dem Sturm des Kapitols in Washington mit Donald Trump angerechnet. Der Präsident habe versucht, den Ausgang einer Wahl zu kippen – «einer fairen Wahl». Er habe einen Staatsstreich gesucht und dafür Menschen mit Lügen in die Irre geführt, sagte er in einer unter anderem auf dem Instagram-Profil des 73-Jährigen veröffentlichten Videobotschaft. «Präsident Trump ist ein gescheiterter Anführer. Er wird in die Geschichte eingehen als schlechtester Präsident aller Zeiten.»

Schwarzenegger, ein Republikaner, rief zur Einheit auf und gelobte seine Unterstützung für den gewählten Präsidenten Joe Biden. An jene, die dächten, sie könnten die Verfassung der Vereinigten Staaten überwinden, habe er eine Botschaft, sagte Schwarzenegger: «Ihr werdet niemals siegen.» Die amerikanische Demokratie verglich er mit dem Schwert seiner Filmrolle als «Conan der Barbar», das nur stärker werde, wenn es herausgefordert werde.

Trump hatte am Mittwoch Tausende Anhängerinnen und Anhänger dazu angestachelt, zum Kongress zu marschieren, der seine Abwahl bestätigen sollte. Eine wütende Menge drang daraufhin ins Kapitol ein, erzwang eine Unterbrechung der Sitzung und verwüstete Büros. Fünf Menschen kamen im Zusammenhang mit der Randale ums Leben, darunter ein Polizist. Es gab zahlreiche Festnahmen.

Mit Blick auf die Ereignisse bemühte Schwarzenegger einen Nazi-Vergleich. Als Einwanderer wolle er das Wort an seine amerikanischen Landsleute richten, um über die Ereignisse der vergangenen Tage zu sprechen, sagte der 73-Jährige und verwies auf seine österreichische Herkunft.

«Nacht des zerbrochenen Glases»

Er sei sich der Ereignisse der «Nacht des zerbrochenen Glases» durch das «Nazi-Äquivalent» der rechtsextremen Gruppe Proud Boys bewusst, sagte Schwarzenegger mit Blick auf die rechtsextreme Gruppe in den USA sowie auf die Novemberpogrome gegen Juden in Deutschland und Österreich am 9. und 10. November 1938. Einige Anführer der Gruppe Proud Boys waren vor und nach den Krawallen in Washington festgenommen worden.

«Mittwoch war die Nacht des zerbrochenen Glases genau hier, in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten», sagte Schwarzenegger. Der Mob habe nicht bloss die Fenster des Kapitols zerstört: «Sie haben die Ideen zerstört, die wir für selbstverständlich hielten». Die Eindringlinge hätten zudem nicht nur die Türen des Gebäudes eingerissen, das die amerikanische Demokratie beheimate. «Sie haben genau jene Prinzipien zertrampelt, auf denen unser Land gegründet wurde.»

Er selbst sei in den Ruinen eines Landes aufgewachsen, das den Verlust seiner Demokratie erlitten habe, sagte Schwarzenegger. Zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs geboren, sei er mit gebrochenen Männern aufgewachsen, die versucht hätten, ihre Schuldgefühle über die Beteiligung am bösartigsten Regime der Geschichte in Alkohol zu ertränken. Nicht alle seien Antisemiten oder Nazis gewesen, aber seien Schritt für Schritt mitgelaufen. Es seien die «Menschen von nebenan» gewesen.

Er habe darüber nie derart öffentlich gesprochen, «weil es eine schmerzhafte Erinnerung ist», sagt Schwarzenegger. Sein Vater sei ein oder zwei Mal pro Wochen betrunken nach Hause gekommen, habe herumgeschrien, die Familie geschlagen und Schwarzeneggers Mutter Angst gemacht. Er habe ihm dafür nicht die volle Schuld gegeben, weil sich der Nachbar genauso verhalten habe, und so auch der nächste, eine Tür weiter. «Ich habe es mit meinen eigenen Ohren gehört und mit meinen eigenen Augen gesehen.»



«Ihr werdet niemals siegen»

Die Männer hätten körperlich unter den Schrapnellen in ihren Körpern gelitten – und seelisch unter dem, was sie gesehen hätten oder taten. «Das alles begann mit Lügen und Lügen und Lügen – und Intoleranz.» Als Europäer wisse er aus erster Hand, wie Dinge ausser Kontrolle geraten könnten. Er glaube nicht, dass so etwas auch in den USA passieren werde. Aber er glaube daran, dass man sich der schrecklichen Folgen von Selbstsucht und Zynismus bewusst sein müsse.

Der Ex-Gouverneur rief zur Einheit auf und gelobte seine Unterstützung für den gewählten Präsidenten Joe Biden. An jene, die dächten, sie könnten die Verfassung der Vereinigten Staaten überwinden, habe er eine Botschaft, sagte Schwarzenegger: «Ihr werdet niemals siegen.» Die amerikanische Demokratie verglich er mit dem Schwert seiner Filmrolle als «Conan der Barbar», das nur stärker werde, wenn es herausgefordert werde.

Schwarzenegger war schon vor seinem Wechsel in die Politik weltweit bekannt als Bodybuilder und als Schauspieler – vor allem durch seine Rolle als «Terminator».

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ap/red.