So heftig war der Ausbruch – Hälfte von Vulkaninsel ist verschwunden

dpa

27.12.2018

Die Insel in der Mitte des Bildes ist auf den Radarbildern nur noch zur Hälfte vorhanden.
Keystone

Der Vulkan Anak Krakatau verursachte vergangenen Samstag einen Tsunami, der an der Küste Indonesiens mindestens 430 Menschen in den Tod riss. Jetzt zeigen Satelliten-Radar-Bilder, wie heftig der Ausbruch wirklich war.

Die Radardaten zeigen eine dramatische Schrumpfung der Vulkaninsel nach dem Tsunami. Konvertiert in Bilder enthüllen die vor und nach der Vulkaneruption aufgezeichneten Daten japanischer und europäischer Satelliten, dass die Südwestflanke der Insel komplett verschwunden ist.

Satellitenfotos gibt es bisher wegen der vielen Wolken nicht. Ein britischer Forscher der Universität Sheffield, Dave Petley, sagte, die Radardaten belegten die Theorie, dass ein Erdrutsch den Tsunami in der Sundastrasse zwischen den indonesischen Hauptinseln Java und Sumatra ausgelöst hat. Petley wertete Daten eines ESA-Satelliten aus.

Radarbilder des japanischen Satelliten Jaxa zeigen nacht der Eruption konzentrische Wellen um die Vulkaninsel, die nach Angaben von Experten von weiter andauernden Eruptionen ausgelöst werden.

Der Anak Krakatau brodelt weiter. Diese Aufnahme stammt vom 23. Dezember.
Keystone

Gefahr noch nicht überstanden

Die indonesischen Behörden haben die Bevölkerung an beiden Seiten der Sundastrasse aufgerufen, der Küste wegen andauernder Tsunami-Gefahr einen Kilometer fernzubleiben. Der Alarm wurde von den Fachbehörden am Donnerstag zudem auf die zweithöchste Stufe erhöht. Die Gefahrenzone um die Vulkaninsel, in der sich kein Mensch mehr aufhalten darf, wurde auf fünf Kilometer verdoppelt.

«Es gibt immer noch die Möglichkeit eines Erdrutschs, sowohl unter als auch oberhalb des Meeresspiegels», erklärte der Leiter der Geologie-Abteilung des Energieministeriums, Rudy Sundendar. Schlechtes Wetter verhindere einen genaueren Blick auf den Vulkan. «Basierend auf der Interpretation von Satellitenbildern gibt es einen Einsturz von einigem Gebiet auf dem Berg Anak Krakatau», sagte er der Nachrichtenagentur AP.

«Die Herausforderung ist nun, zu interpretieren, was auf dem Vulkan vor sich geht und was als nächstes passieren könnte», schrieb Petley in einem Blog.

Kein Warnsystem für Erdrutsche

Der tödliche Tsunami vom Samstag traf die Menschen ohne Vorwarnung. Das Warnsystem des Inselstaats stützt sich auf Seismometer an Land und Bojen, die Gezeitenhöhen messen. Auf die Erfassung von Erdrutschen unter Wasser wie am Samstag ist es nicht ausgerichtet. Das System schlug auch deswegen nicht an, weil dem Tsunami kein schweres Erdbeben vorausging - was sonst der häufigste Auslöser grosser Flutwellen ist.

Starker Regen und hoher Wellengang haben seit dem Wochenende die Such- und Rettungseinsätze erschwert. Einige Leichen wurden auf See geborgen; mindestens 159 Menschen werden noch vermisst.

Anak Krakatau bedeutet «Kind des Krakatau». Die Vulkaninsel erhob sich 1929 aus dem Meer und hat sich seitdem nach Angaben der indonesischen Vulkanbehörde vergrössert. Die Insel befindet sich genau an der Stelle, wo 1883 der Vulkan Krakatau durch eine gewaltige phreatomagmatische Eruption nahezu vollkommen zerstört wurde. Dieser Ausbruch hatte damals Auswirkungen auf das gesamte Weltklima. 

Die Flutwellen richteten an der Küste Indonesiens grosse Zerstörung an. Tausende Menschen sind ohne Dach über dem Kopf.
Keystone
Zurück zur Startseite