US-Justizminister arbeitete einst für Betrüger, die mit Bigfoot geschäfteten

tsch

16.11.2018

Der neue US-Justizminister Matthew Whitaker hat als Berater für eine Firma gearbeitet, die aus mit angeblichen DNA-Beweisen von Bigfoot Kasse machen wollte und tausende Erfinder betrogen hat.
Bild: Keystone

Seit voriger Woche ist Matthew G. Whitaker Justizminister der USA. Der von Donald Trump kommissarisch mit dem Posten betraute Rechtsanwalt hat eine lebhafte berufliche Vegangenheit, in der Betrug, Yeti und Toiletten für gut bestückte Männer eine Rolle spielten.

Seit voriger Woche ist Matthew G. Whitaker Justizminister der USA. Der von Donald Trump kommissarisch mit dem Posten betraute Rechtsanwalt hat eine berufliche Vegangenheit, die viele Fragen aufwirft.



Justizminister, Generalstaatsanwalt, FBI-Aufseher – dafür braucht man die richtigen Qualifikationen: Matthew Whitaker scheint sie zu haben. Der Republikaner, bislang Stabschef im Justizministerium, wurde von US-Präsident Donald Trump nach dem Rücktritt von Jeff Sessions kommissarisch mit der Leitung des Justizministeriums betraut. Qualifiziert für diesen Job hat er sich mit unbedingter Loyalität, einem Plan, die Ermittlungen von Robert Mueller in der Russland-Affäre zu torpedieren – und Bigfoot.

Yeti-Utensilien und eine Zeitmaschine

Doch der Reihe nach: Matthew G. Whitaker hat mindestens ein Jahr lang für die Firma World Patent Marketing (WPM) gearbeitet, er gehörte dem Board of Advisors an, einer Art Beirat, und wurde dafür auch bezahlt. Das Unternehmen hatte sich darauf spezialisiert, Erfinder bei der Umsetzung ihrer Ideen zu unterstützen. WPM versprach seinen erfinderischen Kunden, alles zu regeln: Patente anmelden, sich um Produktentwicklung und Herstellung kümmern, Marketing.

Das Angebot kam in der Erfinderszene offenbar gut an. Yeti-Utensilen, eine Zeitmaschine und ein spezielles «Männerklo» für gut bestückte Zeitgenossen: Im Portfolio von World Patent Marketing gab es nichts, was sich ein Mensch nicht vorstellen kann. Keine Idee war WPM zu absurd. Firmenchef Scott Cooper behauptet sogar, dass er DNA-Beweise für die Existenz Bigfoots habe.

Soweit so aberwitzig. Bis hierher kann man noch schmunzeln oder den Kopf schütteln. Darüber, dass ausgerechnet ein Mann die US-Justiz überwachen soll, der für eine Firma gearbeitet hat, die aus paranormalen Humbug, wissenschaftlichem Nonsense und Verschwörungstheorien Kapital schlug. 

Betrug im grossen Stil

Aber die Geschichte hat eine noch ernstere Seite: World Patent Marketing wurde 2017 von der US-Handelsaufsicht Federal Trade Commision (FTC) geschlossen. Die Firma hat ihre Kunden im grossen Stil und systematisch betrogen. 26 Millionen US-Dollar soll WPM hoffnungsvollen Erfindern abgeknöpft haben. Das Geld sollte dafür verwendet werden, aus ihren Ideen echte Produkte zu machen, die man kaufen kann. Nachdem die Kunden bezahlt hatten, wurden sie allerdings zunächst vertröstet, dann ignoriert. Das Geld war weg, und wer sich beschwerte, wurde bedroht und eingeschüchtert.

Auch von Matthew Whitaker. Denn der hat mindestens eine E-Mail an einen aufmüpfigen Kunden geschrieben und darin mit Verweis auf sein früheres Amt als Bundesanwalt rechtliche Konsequenzen angedroht hat, sollte der Kunde den Namen der Firma WPM beschmutzen oder sich bei der Gewerbeaufsicht beschweren. 



Genützt haben solche Drohgebärden freilich nichts. WPM wurde von der FTC wegen betrügerischen Geschäftsgebahrens dicht gemacht. Im Sommer 2017 schliesslich schaltete sich das FBI ein und begann strafrechtliche Ermittlungen. FBI-Sprecher Jim Marshall teilt der «Miami New Times»  auf Anfrage mit, dass die US-Bundespolizei weder bestätige noch dementiere, dass die Ermittlungen noch immer andauern.

Die Krux bei der Sache: Als amtierender Justizminister ist Matthew Whitaker auch für die Aufsicht über das FBI zuständig. Und schaut man seinen Lebenslauf an, wird er die Ressourcen wohl eher für die Jagd auf Bigfoot verwenden als Licht in seine eigene schattenreiche Vergangenheit zu bringen.

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