Anti-Trump, Milliardär und Rebellin Partei am Boden – diese US-Demokraten könnten 2028 nach der Macht greifen

Samuel Walder

25.7.2025

Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez aus New York ist die jüngste Kandidatin im Bunde. (Archivbild)
Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez aus New York ist die jüngste Kandidatin im Bunde. (Archivbild)
Bild: IMAGO/UPI Photo

Die US-Demokraten stehen 2028 vor einem historischen Wendepunkt: Nach dem Rückzug Bidens und der Niederlage Harris’ fehlt es an Führung – doch eine Reihe potenzieller Kandidat*innen formiert sich bereits.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Nach dem Rückzug Joe Bidens und Kamala Harris’ Wahlniederlage 2024 steht die Demokratische Partei orientierungslos da, sucht aber bereits nach neuen Präsidentschaftskandidaten für 2028.
  • Als potenzielle Anwärter gelten etwa Gavin Newsom, Gretchen Whitmer, Josh Shapiro, J. B. Pritzker, Andy Beshear, Pete Buttigieg und Alexandria Ocasio-Cortez.
  • Kamala Harris gilt als politisch erledigt, der eigentliche Vorwahlkampf dürfte nach den Zwischenwahlen 2026 in die entscheidende Phase gehen.

Die Demokratische Partei wirkt wie traumatisiert. Die dramatischen Ereignisse von 2024 – der Rückzug Joe Bidens, das Wahldebakel von Kamala Harris – haben die Partei schwer erschüttert. Nun steht sie mit beschädigtem Image und ohne klare Führung in der Opposition, während die Republikaner nach Belieben Sozialprogramme streichen, die für die Demokraten zentral sind.

Nichtsdestotrotz treten sie 2028 wieder den Republikanern gegenüber. Das sind die Kandidat*innen, die möglicherweise ins Präsidentenrennen einziehen.

Gavin Newsom: Der Kalifornier mit Präsidenten-Aura

Gavin Newsom ist Gouverneur von Kalifornien. (Archivbild)
Gavin Newsom ist Gouverneur von Kalifornien. (Archivbild)
Bild: Keystone/AP Photo/Derrick Tuskan

Gavin Newsom, Kaliforniens Gouverneur, hat sein politisches Ziel angeblich schon als Kind im Spiegel gesehen: das Oval Office. Der 57-Jährige mit besten Beziehungen zu kalifornischen Grossspendern ist ab Ende 2026 ohne Amt – und bereit für Höheres. Er positionierte sich zuletzt als lauter Trump-Gegenspieler, klagte gegen dessen Machtspielchen und steht für alles, was Trumps Lager ablehnt: Klimaschutz, liberale Migrationspolitik, progressive Werte. Doch genau dieses Image könnte ihn in konservativen Swing States zum Problemfall machen – trotz Podcast und Annäherungsversuchen an Trump-nahe Stimmen wie Steve Bannon.

Gretchen Whitmer: Bodenständig, aber mit Hypothek

Die 53-jährige Gouverneurin von Michigan hat sich mit klarer Sprache („Fix the damn roads!“) und pragmatischer Politik einen Namen gemacht. Zwei Wahlsiege in einem heftig umkämpften Bundesstaat sprechen für sie. Ihr grösstes Problem: Bilder, die sie Seite an Seite mit Donald Trump zeigen – unter anderem bei einem Besuch im Weissen Haus, wo sie unvermittelt in eine PR-Show des Präsidenten geriet. Ein ungewollter Auftritt, der bei der demokratischen Basis gar nicht gut ankam.

Josh Shapiro: Der Hoffnungsträger aus Pennsylvania

Josh Shapiro wird von Barack Obama unterstützt.
Josh Shapiro wird von Barack Obama unterstützt.
Wikipedia

Der Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, wäre 2024 beinahe Vizekandidat von Kamala Harris geworden – ein Schritt, den viele nun als verpasste Chance sehen. Denn Shapiro, 51, gewann seinen Staat, den Trump zweimal holen konnte. Unterstützt von Mentor Barack Obama und mit Spitznamen wie «Baruch Obama» versehen, gilt er als talentiert, rhetorisch stark und techniknah. Doch auch seine Familie bleibt nicht verschont: Zu Pessach wurde ihr Haus Ziel eines antisemitischen Brandanschlags.

J. B. Pritzker: Milliardär mit Kampfgeist

Der 60-jährige Hyatt-Erbe und Gouverneur von Illinois gibt sich seit Harris’ Niederlage kämpferisch. In markanten Reden attackiert er Trump frontal – nicht selten mit Nazi-Vergleichen. Trotz seines Reichtums und progressiver Ansichten ist er wirtschaftsnah und fest im Rostgürtel verankert. Sein Vermögen macht ihn zu einem gewichtigen Player im Vorwahlkampf.

Andy Beshear: Der Anti-Trump aus Kentucky

Schon die New York Times hat über Andy Beshear berichtet. 
Schon die New York Times hat über Andy Beshear berichtet. 
Andy Beshear

Andy Beshear, 47, ist ein politisches Phänomen: dreifacher Wahlsieger in einem tiefroten Südstaat. Von «Vogue» als organisierter, disziplinierter Pragmatiker beschrieben, scheut Beshear keine Konfrontation mit der republikanischen Mehrheit. Mit Podcast, klarer Sprache und Auftritten in konservativen Hochburgen wie South Carolina bringt er sich subtil, aber entschlossen in Position.

Pete Buttigieg: Der smarte Brückenbauer

Gilt als grosser Hoffnungsträger der Demokraten: Pete Buttigieg. (Archivbild)
Gilt als grosser Hoffnungsträger der Demokraten: Pete Buttigieg. (Archivbild)
Matt Rourke/AP/dpa

Buttigieg, 43, der frühere Bürgermeister und Verkehrsminister, setzt weiter auf seine Stärke als Vermittler. Er tritt regelmässig bei Fox News auf, um konservative Wähler zu erreichen, und inszeniert sich bodenständig und glaubensnah. Der zweifache Adoptivvater ist einer der wenigen offen homosexuellen Präsidentschaftsanwärter – und lebt das auch öffentlich vor.

Alexandria Ocasio-Cortez: Die kämpferische Linke

Die demokratische US-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez spricht beim Klimaprotest in New York.
Die demokratische US-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez spricht beim Klimaprotest in New York.
Bryan Woolston/AP/dpa

Mit 35 Jahren ist Alexandria Ocasio-Cortez (AOC) nun offiziell wählbar für das Präsidentenamt – und sie denkt offensichtlich darüber nach. Die wortgewandte Kongressabgeordnete aus der Bronx, einst als linke Rebellin bekannt, hat sich zur Anführerin innerhalb der Partei gemausert. Ihre Nähe zu Bernie Sanders und Auftritte bei Grosskundgebungen machen sie zur Ikone des progressiven Flügels – und sogar Trump zollte ihr zuletzt Respekt.

Und Harris?

Kamala Harris dürfte 2028 kaum eine Rolle spielen. Ihr Ruf ist nach der Niederlage schwer beschädigt. Wer die Demokraten ins Rennen führen wird, ist offen. Doch spätestens nach den Zwischenwahlen 2026 wird der Vorwahlkampf richtig Fahrt aufnehmen – und der Kampf um Trumps Nachfolge beginnt.


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